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Wenn Politik zur Seifenoper wird

„Schau, Friedrich, da liegt der Armin…“

Von Redaktion

Markus Söder nutzt unsere Heimat gern als Fototapete für seine Machtbildchen. Gern schiebt er einen Ortsfremden ins Bild. Manchmal verrutscht die Aussage, zurück bleibt dann der unfreiwilliger Versuch, sich lässig darzustellen. Da ist der Weg zum Seifenoper-Drehbuch nicht weit. Vor wenigen Tagen passierte das ausgerechnet im Grenzgebiet zu Tölz, am Kirchsee…

 

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Die Feiertage sind durch. Mit den Eltern wurde über Patientenverfügung und Testament gesprochen. Jetzt muss der Älteste ran, mit dem Alten über das neue Heim, eine Seniorenresidenz am See sprechen. Der besorgte Sohn nimmt den gebrechlichen Vater aus dem Sauerland mit. Erst mal frische Luft. Da spricht es sich leichter.

Aufblende. Der Kirchsee bei Reichersbeuern. Der 7er BMW fährt auf knirschendem Kies bis an den See. Der eilfertige Chauffeur Armin öffnet die Türen, bietet den Rollator aus dem Kofferraum an, wird aber wirsch vom Patriarchen Fritze M. weggeschubst. Stattdessen hak er sich bei seinem Sohn Markus unter. Beide gehen gemächlich auf den Steg zu.

Sohn, betont aufmerksam: „Schau, Friedrich. Das ist der Alpenhauptkamm…“

Vater, die blutleeren Hände reibend: „Du brauchst einen alten Kamm? Ich hab keinen mit…“

Sohn, lauter, gegen den Winterwind anschreiend: „Nein, der Alpen…ach, auch egal…Also Papa, da drüben ist die Seniorenresidenz Loewis-Lust, die du schon im Prospekt gesehen hast.“

„Am Flugplatz wartet Armin schon“

Vater, jetzt deutlich frierend. Der Janker vom Tegernsee schützt nicht: „Da fliege ich doch mit meiner Cessna hin, direkt von Arnsberg-Menden nach Warngau, mach noch ’ne Verwandtenschleife übern Tegernsee. Am Flugplatz wartet Armin schon mit dem Dienstwagen.“

Schnitt.

Sicht auf Chauffeur Armin. Der steht neben einem Einheimischen und lacht.

Schnitt

Sohn, langsam genervt. Hat einen Anschlusstermin: „Nein, du fliegst schon lange nicht mehr. Mama hat Dir doch die Schlüssel weggenommen. Die liegen im Tresor neben Merkels…Egal. Also, die Seniorenresidenz wird doch von der Ilse geführt. Ganz tolle Frau, politisch ein wenig naiv, aber sonst ganz in Ordnung. Der Scheuer Andi arbeitet da als Osteopath…“

Vater, entsetzt: „Da muss ich dann eine Maut für eine Behandlung zahlen? Auf keinen Fall. Nicht zum Scheuer…Ich muss mal. Warte, mach das gleich hier…“

Sohn, jetzt sichtlich genervt. Die Feiertage sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. In anderthalb Jahren läuft sein Vertrag bei seiner Firma aus. Er braucht Vaters Schraubenfirma im Sauerland als Backup.

„Komm, Vater…“

Sohn: „Wir waren doch schon mal weiter, Friedrich. Drei Mal hast du jetzt Ja gesagt. Wir wollen doch für Dich nur das Beste.“

Vater: „Aber du hast doch schon meine Uhr bekommen, die timex. Weißt Du, Markus. Ich habe immer viel von Dir gehalten, warst immer gern bei den Schmutzeleien dabei. Aber bei uns im Sauefffl -“ (die Dritten verrutschen kurz. Er schiebt sie mit den kalten Händen wieder zurecht) „Also da heißt es auch: ‚Guilty feet have got no rhythm‘“

Sohn, endgültig, die Nase voll: „Na gut, komm Vater. Wir gehen mal an das Ende des Stegs…“
Abblende.
Aufblende.

Ein Friedhof am Tegernsee…


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