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„Landhaus Strobl am See“ wechselt Besitzer

Scheich kauft Wiesseer Hotel

Von Klaus Wiendl

Nach über 84 Jahren im Familienbesitz wurde im September das Drei-Sterne-Hotel in Bad Wiessee verkauft. Der neue Eigentümer ist ein Mitglied der Herrscherfamilie des Emirats Katar.

Seit September letzten Jahres im Besitz eines Scheichs: Das Landhaus Strobl am See in Abwinkl. / Foto: K. Wiendl

Rainer Strobl, einst Skirennläufer der Nationalmannschaft, führte in der dritten Generation das auf inzwischen 23 Zimmer aufgestockte Traditionshaus im Ortsteil Abwinkl. Mit seiner Frau betreute er seit 1991 die Gäste in Bad Wiessee. Doch 60 Jahre zuvor erfolgte bereits die Grundsteinlegung für das „Landhaus Katharina“ der Familie Ertle. Deren älteste Tochter übernahm das Gästehaus 1960 und führte es zusammen mit ihrem Ehemann Karl Strobl.

30 Jahre später übernahm deren Sohn Rainer mit seiner Frau Sabine das Gästehaus, beschreibt die hauseigene Chronik die Geschichte des Gebäudes. In den folgenden Jahren bekam das Haupthaus einen Anbau samt Wintergarten. „Viermal haben wir umgebaut. Im letzten Frühjahr habe ich nochmals eine halbe Million Euro reingesteckt und die ganzen Bäder richtig toll gemacht“, erzählt Unternehmer Rainer Strobl an seinem Firmensitz in Waakirchen. Man habe das Haus das ganze Jahr über zu 60 Prozent belegen können.

Viele Gäste aus den Golfstaaten in Abwinkl

Doch seine eigentliche Befriedigung finde er in seinem Unternehmen mit 60 Mitarbeitern und bayernweit vier Filialen. „Hier kann ich etwas bewirken“, sagt Strobl. Viele junge Mitarbeiter würden ständig in seinem drei-Sparten-Unternehmen in den Bereichen Messtechnik, Bauwerksdiagnostik und Wasserschadensbeseitigung aus- und weitergebildet werden. Hier würden über 10.000 Schäden pro Jahr abgewickelt werden. Neu sei nun auch die Sanierung nach Brandschäden. Dies alles habe sich über Jahre so entwickelt.

„Für mich ist es wichtig, dass ich hier führend bin“, verkündet Strobl. Deswegen habe sich nur noch seine Frau um das Hotel kümmern können. Letztlich entschlossen sich aber die Strobls, ihren Familienbesitz zu verkaufen. „Mir ist es wichtig, dass kein Investor das Haus platt macht“, so Strobl. Früher habe er auch von der Hubertus-Klinik des Medical-Parks Gäste aus den Golfstaaten bekommen. „Während dort Königsfamilien in einem eigenen Gebäudetrakt residierten, wurden Dolmetscher und Leibgarde bei uns einquartiert“, sagt Strobl, der auf seine guten Erfahrungen mit Moslems verweist.

„Interesse auch der Herzoglichen Familie“

Den jetzigen Käufer, ein Mitglied der Herrscherfamilie Al Thani des Emirates Katar am Persischen Golf, kenne man als Gast schon seit zehn Jahren. „Er wollte unser Landhaus schon vor Jahren kaufen, doch wir liebäugelten zunächst mehr mit einem Sternekoch“, so Strobl. Laut seinen Aussagen habe sich auch ein Mitglied der Herzoglichen Familie in Tegernsee interessiert gezeigt. „Doch auch nach einem dreiviertel Jahr ist kein Kauf zustande gekommen“.

Deshalb der Verkauf an Al Thani, „der ein netter und bescheidener Katarer aus dem Könighaus ist“, erzählt Strobl. Immer wieder sei er von dem Scheich gefragt worden, ob er nicht verkaufen wolle, „da Al Thani die Tradition des Hauses so gefalle“. Laut Strobl soll sich der Scheich auch in den benachbarten Tegernsee-Villen, dem ehemaligen Brennerpark, eingekauft haben und weitere Wohnungen besitzen.

Im vergangenen September gab Strobl dem Drängen des Katarers nach und unterzeichnete den Kaufvertrag. Eine entsprechend langfristige Vereinbarung sei mit Al Thani und der neuen Pächterin, Susanne Voglsang, getroffen worden. „Mir war wichtig, dass dies hier weiterläuft“, bekräftigt Strobl. Ende Oktober erfolgte die Übergabe an die “engagierte“ Betreiberin Voglsang.

Sie wirbt inzwischen damit, dass die Zimmer nach der Komplettrenovierung nun den Zusatz „Deluxe“ erhielten. Dies würde jetzt den Komfort widerspiegeln. Doch den Familienbetrieb gibt es nicht mehr. Er ging mit Strobls Verkauf an den Scheich zu Ende. Obwohl sein Herzblut daran hing, scheint der 55-Jährige sichtlich erleichtert, sich nun neuen Herausforderungen widmen zu können. Einzig sein Name bleibt: Landhaus Strobl am See.


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