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Zum Tod des Gmunder Bergsteigers Christoph von Preysing

Schicksalsberge

Am Montag wurde aus einem Gipfelsieg eine Todesmeldung. Beim Abstieg vom 6.814 Meter hohen Ama Dablam, der auch als das Matterhorn Nepals bezeichnet wird, geschah das Unglück.

Vor den Augen des begleitenden Sherpas bricht der 58-jährige Christoph von Preysing tödlich zusammen. Erste Meldungen sprechen von einem Herzstillstand. Ein Nachruf.

Berge ohne Gnade

Der Gmunder Zimmermann hatte die Expedition zum Ama Dablam unweit des Mount Everest mit drei Bergkameraden aus dem Landkreis Miesbach geplant, mit Andreas Stoib aus Wall, Sepp Stiller aus Bayrischzell und dem Fischbachauer Kilian Wuttig. Dabei waren auch noch zwei slowenische Freunde. Ihre Reise nach Nepal hatte einen Vorlauf von vielen Monaten, da für die Besteigung des Ama Dablam eine Genehmigung der Regierung in Kathmandu erforderlich ist. Mit seinem Gipfelaufbau gilt der Berg als einer der schönsten der Erde.

Die Besteigung wird als technisch anspruchsvoll beschrieben. Der Südwestgrat wird von vielen Bergsteigern als die berühmteste kombinierte Klettertour Asiens bezeichnet. Welche Route der Gmunder nahm, ist noch nicht bekannt. Nur so viel: Preysing brach mit dem Sherpa alleine zum Gipfelanstieg auf, da alle seine Kameraden wegen extremer Kälte und gesundheitlichen Problemen zurückbleiben mussten. Zurück kam er nicht mehr.

Preysing war hart im Nehmen. Nichts konnte ihn aufhalten. Auch nicht eine schwere Verletzung an beiden Händen. Passiert war dies bei einer Tour auf den siebthöchsten Achttausender der Erde. Im Mai 2003 bestieg er den 8.167 Meter hohen Dhaulagiri, auch „Berg ohne Gnade“ genannt. Ein Beiname, der für Preysing zur schmerzlichen Realität wurde. Beim Abstieg durch die Gipfelrinne passierte das Unglück: Der erschöpfte Christoph von Preysing stürzte, rutschte und riss einen Bergkameraden mit sich. Die anderen Expeditionskollegen mussten starr vor Entsetzen zuschauen, wie die beiden nahezu ungebremst mehrere Hundert Meter die Steilwand hinunterrutschten und sich immer wieder überschlugen.

Bereits 2003 erlitt von Preysing bei einer Tour auf dem  Dhaulagiri,  „Berg ohne Gnade“ schwere Verletzungen.
Bereits 2003 erlitt von Preysing bei einer Tour auf dem Dhaulagiri, „Berg ohne Gnade“, schwere Verletzungen.

In einer Schneekuhle blieben sie schließlich liegen, berichten Augenzeugen des Unglücks. Die Bergungsarbeiten bei minus 40 Grad in etwa 7.600 Metern Höhe dauerten bis in die Nacht, ohne Zelt und Schlafsack. Mit schwersten Erfrierungen an den Händen erreichte er schließlich das Basislager. Bei einer Operation mussten ihm dann acht von zehn Fingern abgenommen werden. Seinem Tatendrang tat dies keinen Abbruch. Unermüdlich frönte er der Leidenschaft des Kletterns und Bergsteigens.

Und als Hüttenwart der Tegernseer Hütte am Roß- und Buchstein sorgte er im vergangenen Jahr für die Auswechslung des Tragseils der Materialseilbahn. Mit zur Hand gingen ihm am Berg ganz selbstverständlich seine Freunde von großen Touren, unter anderem waren dies Hans Engl aus Waakirchen und Lenz Spiegler aus Kreuth. Preysing, das Urgestein, wird ihnen fehlen. Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing ist der Bruder des Verunglückten.


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