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Landratsamt Miesbach erklärt sich als „nicht mehr zuständig“

Schlierseer Senioren-Roulette: Aus den Augen, aus dem Sinn

Von Sabiene Hemkes

Das Seniorenheim in Augsburg wurde geschlossen. Rund 70 alte Menschen wurden in andere Pflegeeinrichtungen in der Umgebung verlegt – unter ihnen auch ehemalige Bewohner der Seniorenresidenz und Mitbürger aus Schliersee. Wie geht es ihnen aktuell und wen interessiert das überhaupt noch?

Seniorenresidenz Schliersee – Ort von Ermittlungen zweier Staatsanwaltschaften. Was ist über das Schicksal der ehemaligen Bewohner bekannt?

Über ein Jahrzehnt haben die Zustände in der im September 2021 zwangsweise geschlossenen Pflegeeinrichtung im Landkreis Miesbach und weit über die Grenzen hinaus für traurige Schlagzeilen gesorgt. Im Zuge der vom Landratsamt Miesbach entzogenen Betriebsgenehmigung mussten die verbliebenen Bewohner Ende 2020 in andere Heime verlegt werden.

Zumindest zehn Senioren wurden Ende September in die zur selben Betreibergruppe gehörenden Sereni Orizzonte Pflegeeinrichtung in Augsburg verlegt. Damals schon in der Diskussion stehend, doch ebenso „preiswert“ wie die Schlierseer Einrichtung.

Verlegung von fast einem Viertel der Bewohner nach Augsburg

Nur wenige Monate später wird die Augsburger Einrichtung in der Ebnerstraße aufgrund massiver Mängel sowie eines schweren Corona-Ausbruchs evakuiert. Laut dem Augsburger Sozialreferenten Martin Schenkelberg haben einige der alten Menschen gravierende gesundheitliche Probleme, weil man sich nicht ausreichend um sie gekümmert habe.

Alle Bewohner wurden verlegt, wie der Bayerische Rundfunk in der vergangenen Woche berichtet. Darüber hinaus ermittelt die Staatsanwaltschaft in Nürnberg wegen angeblichen Abrechnungsbetrugs des italienischen Pflegekonzerns. Noch eine Parallele zu den Geschehnissen rund um die Schlierseer Seniorenresidenz.

Die Nürnberger Staatsanwälte der Zentralstelle zur Bekämpfung von Korruption und Betrug im Gesundheitswesen (ZKG) geht bei den ehemaligen Betreibern in Schliersee ähnlichen Verdachtsfällen nach (wir berichteten). Und auch die Staatsanwaltschaft München 2, die seit einem Jahr wegen des Verdachts auf mutmaßliche Körperverletzungsdelikte an 88 Bewohnern sowie 17 Todesfällen in der Schlierseer Seniorenresidenz ermittelt, ist inzwischen in Augsburg wegen ähnlicher Vorwürfe tätig geworden.

Was wurde aus den ehemaligen Schlierseern?

Die TS hat beim Landratsamt in Miesbach nachgefragt, was dort über das Schicksal der ehemaligen Landkreisbewohner bekannt ist. Eine Sprecherin der Behörde beantwortet unsere Fragen:

Können Sie uns sagen was aus den Bewohnern nun wird? Kommen Sie zurück in den Landkreis Miesbach?

Landratsamt Miesbach: Die FQA (Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen – Qualitätsentwicklung und Aufsicht – Anm. d. Redaktion) am Landratsamt Miesbach ist ausschließlich für die Einrichtungen im Landkreis Miesbach zuständig.

Sollten Bewohner zurück in den Landkreis Miesbach ziehen wollen, müssen hier die Einrichtungen im Landkreis direkt von den Angehörigen/Betreuern angefragt werden.

Gab es vor der Evakuierung und auch jetzt noch Kontakt mit den Behörden in Augsburg?

Landratsamt Miesbach: Die FQA hat grundsätzlich keine Einblicke in Einrichtungen außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs.

Es stellt sich die Frage, ob nicht auch bei den Behörden in Miesbach bekannt war, dass in Augsburg ähnliche Zustände herrschten wie zuvor in Miesbach. Gab es seitens des Landratsamtes keine Möglichkeit, auf die Betreuer und Angehörigen dementsprechend einzuwirken und die Verlegung nach Augsburg zu verhindern?

Landratsamt Miesbach: Die FQA hat grundsätzlich keine Einblicke in Einrichtungen außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs. Die Entscheidung darüber, wohin Bewohner aus Schliersee umgezogen sind, oblag den Angehörigen und/oder Betreuern.

Die FQA am Landratsamt Miesbach hat seinerzeit versucht, allen anfragenden Angehörigen eine Übersicht zu freien Pflegeplätzen in der (näheren) Umgebung bzw. in angrenzenden Landkreisen zu geben.

Eine Frage direkt an den Landrat

Herr von Löwis, Sie haben sich sehr für das Wohl der Bewohner von Schliersee eingesetzt. Was sagen Sie zu der Entwicklung in dem Augsburger Pflegeheim und den Konsequenzen, die nun wieder die zehn ehemaligen Bewohner von Schliersee tragen müssen?

Landrat Olaf von Löwis:

Es bedarf grundlegender Änderungen im Bereich Pflege und Krankenhäuser, welche dringend von der Bundesregierung angestoßen werden müssen. Es ist wichtig, dass der Fokus in Pflegeeinrichtungen und der Krankenhausversorgung beim Wohl der Menschen liegt und nicht von wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst wird. Der von Gesundheitsminister Holetschek auf den Weg gebrachte Fünf-Punkte Plan zur Verbesserung des Schutzes der Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen ist ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung – Pflege geht uns alle an! Umso wichtiger ist es, dass Bund und Länder an einem Strang ziehen.

Wir danken dem Landratsamt und dem Landrat für die Ausführungen.


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