Schneemail: Alles im grünen Bereich

Von Toni


Es gibt Menschen, die lieben den Winter. Minus 20 Grad. Viel Schnee. Bizarre Eiskristalle an kahlen Ästen. Eiszapfen. Türkisfarbener Himmel mit schockgefrorener orangefarbener Sonnenscheibe. Zugefrorene Seen, festgefahrene Schneedecke, Schneeknistern unter dicken Lederstiefeln, Pferdeschlitten und alles, was dazugehört.

Über zugefrorene Autoscheiben, eingefrorene Autotüren, spiegelglatte Fahrbahnen, freizuschaufelnde Einfahrten und allem, was auch noch dazugehört, decken sie einen Mantel des Schweigens, was so ein bisschen an die gedämpften Geräusch erinnert, wenn die Landschaft unter dicker Schneedecke verschwindet.

Und es gibt Menschen, die hoffen auf frost- und schneefreie Winter, können sich durchaus vorstellen, die kalte Jahreszeit im Süden zu verbringen. Großzügig räumen sie dann ein, dass es wenigstens für die Skifreaks Schnee in den Bergen geben könne.

Ein Glück, dass es die Schneemail gibt

Das mit dem Schnee in den Bergen funktioniert in der Tat selbst in schneearmen Wintern recht gut. Das jedenfalls sagt die Schneemail. Noch bevor der erste Schnee im Tal fällt, landet allmorgendlich kurz nach acht Uhr eine E-Mail mit dem Betreff „Schneemail“ in meinem E-Mail-Postfach – und zwar jeden Tag von November bis Ostern.

Absender ist nicht etwa Frau Holle, sondern sind die Alpenplus Partner – die Vereinigung der Liftbetreiber der Skigebiete Sudelfeld, Tegernsee-Spitzingsee, Brauneck, Zahmer Kaiser in Tirol und der Wallbergbahn.

In der Schneemail sind dann solche Dinge zu lesen wie: Skigebiet Sudelfeld – Talabfahrt: fahrbar, Skigebiet Spitzingsee-Tegernsee: 20 Zentimeter Neuschnee, acht von zehn Anlagen in Betrieb, Sutten- und Rosskopfbahn sturmbedingt außer Betrieb.

Tag für Tag informiert die Schneemail über die Schneebedingungen in den Bergen. Und während noch vor wenigen Jahren galt, dass 20 Zentimeter Schnee auf regennassen Untergrund eine gute Basis für den Schneeaufbau, aber keineswegs für eine befahrbare Piste sind, gilt heute Skibetrieb, wenn die erste Schneeflocke vom Himmel auf die Erde getaumelt ist.

Das sicherer Gefühl, dass irgendwo irgendwann Winter ist

Die Schneemail lese ich allerdings selten. Genaugenommen lösche ich sie jeden Morgen kurz nachdem sie eingetroffen ist, ohne sie geöffnet zu haben. Allerdings käme mir auch nie in den Sinn sie abzubestellen. Warum eigentlich nicht, habe ich mich gefragt, als ich meinen virtuellen Mailpapierkorb, der mit ungeöffneten Schneemails vollgestopft war, kürzlich löschte, um Platz für neue Schneemails zu schaffen.

Egal, ob es im Tal regnet, schneeregnet, ein Blizzard durchfegt, schneit oder die Sonne scheint, die Schneemail gibt das sichere Gefühl, dass alles wie immer ist: Es ist ein paar Höhenmeter über uns zuverlässig von November bis März Winter und jederzeit können die Skier ins Auto gepackt und die Pisten herabgesaust werden.

Das müsste doch genügen. Schnee und Winter in den Bergen, gelegentlich ein kurzes Schneeintermezzo im Tal. Für jeden wäre etwas dabei. Allerdings habe ich noch nie gehört, dass ein ausgewiesener Liebhaber von Frost und Schnee einem Nicht-Winterliebhaber ein solches Szenario gegönnt hätte.

Warum eigentlich nicht? Immerhin bekommen sie doch, zumindest tageweise, ihren Schnee auch ins Tal geliefert wie gerade in diesen Tagen. Die Schneefallgrenze verlagert sich tagtäglich für die einen hoffnungsvoll nach unten, für die anderen hoffnungsvoll nach oben und so scheint es, dass der Winter in diesem Jahr zwischen den beiden Fanlagern hin- und herpendelt.

Immerhin verläuft die Schneefallgrenze in unserer Region. Und wie die tägliche Schneemail verkündet ist, was Wintersport in den Bergen betrifft, alles im grünen oder eben im weißen Bereich.

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