Qualitätsprobleme bei der BOB - Reisende klagen über zu wenig Informationen
Schrecksekunden und viel Wartezeit

von Christopher Horn

Nachdem die Verantwortlichen der Bayerischen Oberlandbahn mit einem verbesserten Serviceangebot und der kürzlich eingeführten Taktverdichtung eigentlich raus aus dem Umfragetief wollte, sorgt die BOB nun erneut für negative Schlagzeilen. 

In den vergangenen beiden Tagen kam es zu einer Reihe, teilweise schwerwiegender Pannen. Fahrgäste berichten unter anderem von einer „explodierten Heizung“. 

In den letzten beiden Tagen mussten die Fahrgäste der BOB so manche Behinderung in Kauf nehmen.
In den letzten beiden Tagen mussten die Fahrgäste der BOB so manche Behinderung in Kauf nehmen.

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Gestern gegen 15 Uhr kam es zu einem Zwischenfall in einem der Integralzüge auf dem Weg von Tegernsee nach München. Besorgte Passagiere berichteten von einem lauten Knall und verspritzter Flüssigkeit im Zug. Andere sprachen gar von einer „explodierten Heizung“. BOB-Pressesprecherin Gabriela Wischeropp erklärt, was vorgefallen ist: 

Ein Kühlleitungsschlauch der Heizung ist geplatzt, und es trat Flüssigkeit im Fahrgastraum aus. Für die Passagiere bestand jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr.

Weshalb die Leitung geplatzt ist, sei bislang noch unklar. Wischeropp versichert jedoch, dass die Teile in regelmäßigen Abständen gewartet werden. „Je nach Fahrzeugteil erfolgt das in monatlichen oder jährlichen Abständen“, so Wischeropp. Ganz ausschließen können man solche Defekte aber leider nie, gibt die Pressesprecherin zu.

Was genau der Ausdruck „regelmäßige Wartung“ in dem Zusammenhang bedeutet, ist nicht so leicht zu verifizieren. So erklärt Vincenzo Lucà, zuständig für den Bereich Schienenverkehr, beim TÜV Süd:  

Hier sorgt der Betreiber selbst für die Instandhaltung, dafür wird ihm ein gewisses Intervall vom Fahrzeughersteller vorgegeben. Darüber hinaus erfolgt alle sechs Jahre eine Hauptuntersuchung beim TÜV selbst.

Bei den Hauptuntersuchungen werden die Fahrzeuge fast komplett zerlegt und untersucht, was einen Betriebsausfall von rund sechs Wochen bedeute, so Lucà weiter. Ob der Vorfall, der sich am gestrigen Nachmittag in der Bayerischen Oberlandbahn ereignet hat, nun gefährlich war oder nicht, wollte der Experte aus der Ferne aber nicht beurteilen. Man könne hier keine Pauschalurteile fällen, dazu müsse man den konkreten Fall untersuchen.

Qualitätsprobleme

Der Fall passt jedoch zu den Problemen, mit denen die BOB seit einiger Zeit kämpft. Schlechte Noten im Qualitätsranking sind für die Bayerische Oberlandbahn nichts Neues. In den letzten Jahren belegte der Anbieter konstant einen der hinteren Plätze im Qualitätsranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). So auch im Oktober 2013, als Platz 13 von 15 und ein Wert von -38,92 zu Buche standen. 

Zur Erklärung: Bei 0 Punkten wären die Qualitätsstandards der BEG gerade so erreicht. In den kommenden Tagen wird das Dezember-Ranking veröffentlicht. Hat die Bayerische Oberlandbahn dann erneut eine negative Bewertung, werden erstmals Strafzahlungen an die BEG fällig. 

Unzufriedene Gäste könnten die BOB bald Geld kosten.
Unzufriedene Gäste könnten die BOB bald Geld kosten.

Zur Höhe der möglichen Strafen wollten sich die Verantwortlichen in den vergangenen Tagen nicht äußern. Der BOB-Vorstand hatte in den vergangenen Monaten stets betont, diese durch eine Qualitätsoffensive noch abwenden zu wollen. „Wir werden in den nächsten Monaten schrittweise weitere Qualitätsverbesserungen durchführen“, erklärte der neue Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein im Oktober.  

Zudem will man mittels einer Echtzeitanzeige übers Internet und einer Taktverdichtung die Zufriedenheit der Kunden steigern. Auch an der Fahrgastinformation im Störungsfall soll gearbeitet werden.

Mangelnde Information ist Hauptproblem vieler Kunden

Gerade was die Informationen und den Zustand der Ausstattung angeht, dürften in den letzten beiden Tagen aber wieder einige negative Beurteilungen dazugekommen sein. So war für die Fahrgäste auch am Sonntag die Situation bereits nicht sehr einfach. 

Zwischen acht und zehn Uhr morgens war die Strecke zwischen Holzkirchen und Deisenhofen wegen eines Polizeieinsatzes zunächst gesperrt und dann nur einseitig befahrbar. Um 14 Uhr folgte zwischen Solln und Holzkirchen die nächste Polizeiaktion. Während die Bayerische Oberlandbahn für die Ursache der Störung nichts konnte, beklagten einige Passagiere vor allem die mangelhafte Informationspolitik. Dazu ein Fahrgast:

Wir standen am Bahnsteig, und zunächst hieß es, die BOB kommt in Kürze. Dann haben wir fast zwei Stunden gewartet.

So ging es am Sonntag bis in den späten Nachmittag. Gegen 15 Uhr sorgte ein liegengebliebener Zug für Ärger. „Dort hatten wir leider eine Fahrzeugpanne durch einen Elektronikfehler. Deshalb war die Strecke für rund zwei Stunden gesperrt“, erklärt Pressesprecherin Wischeropp.  

Zwar wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, aber die Fahrgäste im betroffenen Zug und an den Bahnsteigen wurden scheinbar nur schleppend informiert. „Zunächst wusste niemand, was los ist, und wir wurden vertröstet“, beschreibt ein anderer Passagier im Nachhinein die Situation.  

Die vergangenen zwei Tage dürften der BOB daher nur wenig geholfen haben bei ihrem Vorhaben, die Fahrgäste in Zukunft mit Qualität zu überzeugen. Wie die Ergebnisse genau ausfallen, wird man in wenigen Tagen sehen, wenn das aktuellste Ranking veröffentlicht wird.

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