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Handwerker haben aktuell die besten Chancen im Oberland

Schreiner statt Student

Von Maximilian Liegl

Der Fachkräftemangel ist seit Jahren großes Thema in Politik und Wirtschaft. Auch regional spitzt sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu. Im Interview mit der HS gibt der Unternehmensberater Thorsten Schatz Einblicke zu den Hintergründen und erklärt, warum man mit Bau- und Handwerksberufen noch immer punkten kann.

Handwerkliches Geschick ist gefragt

Der Landkreis Miesbach ist Standort zahlreicher – teils internationaler – Unternehmen. So ist der Fachkräftemangel ein regionales Problem, das die heimische Wirtschaft belastet. Das bestätigt auch Diplom Ingenieur Thorsten Schatz, der als Geschäftsführer der Holzkirchner Unternehmensberatung HOVENTUS Consulting tätig ist. Im Interview gibt der Experte Einsicht in ein Thema, das die zukünftige Entwicklung des lokalen Wirtschaftsstandortes nachhaltig beeinflussen könnte.

Tegernseer Stimme: Herr Schatz, wie schätzen Sie ganz allgemein den Fachkräftemangel im Landkreis Miesbach ein?

Thorsten Schatz: Der Fachkräftemangel ist neben der Digitalisierung schon seit längerem beherrschendes Thema in den Medien. Der Landkreis Miesbach ist hier keine Ausnahme. Unser Standort ist attraktiv für alle Wirtschaftssektoren. Egal ob Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Handwerk, Dienstleistung oder Informationstechnologie – der Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften ist groß.

Die HOVENTUS Consulting GmbH kommt aufgrund ihrer beratenden Tätigkeit mit unterschiedlichen Unternehmern und Wirtschaftszeigen in Kontakt. Besonders in mittelständischen Bau- und Handwerksunternehmen zeichnet sich ein gravierender Fachkräftemangel ab, der sich zukünftig noch zuspitzen wird. Dieser Trend lässt sich branchenübergreifend feststellen.

Was sind Ihre Beobachtungen im Unternehmensalltag?

Thorsten Schatz: Aufgrund der positiven konjunkturellen Entwicklung mangelt es den Unternehmen in der Regel nicht an Aufträgen. Häufig sind die personellen Kapazitäten kaum ausreichend, um die auf dem Markt verfügbare Arbeit zu bewältigen. Fachkräfte sind hier der limitierende Faktor. Es ist Aufgabe des weitsichtigen und strategisch denkenden Unternehmers, frühzeitig Maßnahmen gegen Mitarbeiterknappheit zu ergreifen. Hier gilt es, Unternehmen interessant und attraktiv für neue Mitarbeiter zu machen – als auch das vorhandene Stammpersonal zukünftig ans Unternehmen zu binden. Das Thema Employer Branding beschäftigt inzwischen auch kleinere Betriebe.

Welche Berufe sind besonders betroffen?

Thorsten Schatz: Generell besteht fast branchenübergreifend Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften. Speziell bei den eher männertypischen Berufen sind Fachkräfte im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, in der Informatik sowie in der Elektrotechnik hart umkämpft. Auch die komplette Bauwirtschaft hat immense Probleme ihren personellen Bedarf nur ansatzweise zu decken. Bei den frauentypischen Berufen sind im Bereich Gesundheit, Soziales und Bildung viele Stellen unbesetzt.

Können Sie Gründe benennen?

Thorsten Schatz: Zum einen ist festzustellen, dass durch den demografischen Wandel, einem stärkeren Arbeitskräfteabgang ein deutlich schwächerer Zugang von Arbeitskräften entgegensteht. Junge, potentielle Arbeitskräfte orientieren sich zunehmend für Ausbildungsberufe im Dienstleistungssektor – die anderen Wirtschaftssektoren sind die leidtragenden dieser Entwicklung.

Zum anderen wird einer betrieblichen Ausbildung eher eine weitere schulische Qualifikation bis hin zum Abitur vorgezogen. Der Anteil der Studienanfänger ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dies macht sich deutlich im Bereich der Fachkräfte bemerkbar. Darüber hinaus haben einige Branchen ein erhebliches, teils selbstgemachtes Imageproblem. Geringe Entlohnung sowie ungünstige Arbeitszeiten, vor allem in Kombination, beantworten oftmals die Frage der fehlenden Arbeitskräfte.

Gibt es Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken?

Thorsten Schatz: Durchaus! In erster Linie sehe ich Möglichkeiten durch Information, Aufklärung und Imagearbeit. Es liegt an Politik, Verbänden und Unternehmen, die Vorzüge und die Stärken der Berufe der jeweiligen Branche zu kommunizieren. Neben der ausgesprochen großen Vielseitigkeit der Berufe, dem hohen Grad der Spezialisierung und Technisierung, der Kunden- und/oder Teamorientierung und der großen Eigenverantwortung, spielen eine adäquate Entlohnung und eine hohe Sicherheit des Arbeitsplatzes eine entscheidende Rolle.

Diplom Ingenieur Thorsten Schatz, MBA von der HOVENTUS Consulting GmbH gibt Einblicke in den Fachkräftemangel im Landkreis

Zukünftig müssen sich auch die eher konservativen Branchen mit Marketing-Themen und modernen Medien wie Facebook, Instagram und Co. auseinandersetzen. Nicht zuletzt muss auch ein Umdenken hinsichtlich der Ausbildung unseres Nachwuchses stattfinden. Oftmals wird der Eindruck erweckt, dass Abitur und Studium das Maß aller Dinge sind. Das Ergebnis dieser Entwicklung werden wir spätestens dann zu spüren bekommen, wenn wir irgendwann im Winter auf einen Termin zur Reparatur unserer Heizung warten müssen und kein Fachmann verfügbar ist.

In den letzten Jahren hat sich, auch dank fortgeschrittener Technisierung, einiges getan und Berufsbilder verändert. Können Sie uns einen Einblick geben?

Thorsten Schatz: Im Hinblick auf das bereits erwähnte Imageproblem mancher Branchen ist dies eine sehr interessante Frage. Nehmen wir beispielsweise die Bauwirtschaft. Bau- und Handwerksberufe werden heutzutage immer noch mit antiquierten Bildern in Verbindung gebracht. Dazu zählen unter anderem monotones Arbeiten bei geringer Entlohnung und hoher körperlicher Belastung, ohne die Notwendigkeit eine fundierte Ausbildung absolviert haben zu müssen.

Hier hat sich vieles verändert. Die heutigen Bauberufe sind hochspezialisiert und erfordern aufgrund der Komplexität der Bauvorhaben enormes Expertenwissen. Jede Baustelle bietet neue Herausforderungen aufgrund neuer individueller Rahmenbedingungen – dies ist reinstes Projektgeschäft, bei dem sämtliche baubetriebliche und logistische Abläufe aufeinander abgestimmt werden müssen.

Natürlich ist man bei dieser Arbeit höheren körperlichen Belastungen und ungünstigen Umgebungsbedingungen ausgesetzt als dies in anderen Erwerbszweigen der Fall ist. Der technische Fortschritt und der Einsatz moderner Baumaschinen hat jedoch viel Entlastung bei der körperlichen Arbeit geleistet. Zudem bieten Berufe in diesem Wirtschaftszweig eine hervorragende Arbeitsplatzsicherheit.

Herr Schatz, welchen Tipp können Sie zukünftigen Schulabgängern mit auf den Weg geben?

Thorsten Schatz: Ich möchte zukünftige Schulabgänger – egal ob männlich oder weiblich – für eine Lehre in handwerklichen Berufen ermutigen. Heizungsbauer, Lackierer, Elektroniker, Kabelmonteur, Baumaschinenführer oder Kanalbauer…der Facharbeiter wird zukünftig hervorragende Karrieremöglichkeiten mit attraktiven Verdienstaussichten haben.


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