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Von Sportsclinic zum Aktivitätshotel

Schwere Geburt in Wiessee

Nach Jahren der Planungen könnte der vor sich hin dümpelnde Kurort nun zu neuem Leben erweckt werden und in eine andere Liga aufsteigen. Zumindest zeigen dies die Reaktion des Wiesseer Gemeinderates auf die gestrige Präsentation der Schweizer Investorengruppe.

Sportsclinic Bad Wiessee – Ansicht Südflügel, Blickrichtung Südwest / Quelle: SME

Wie heute früh berichtet, lagen nun erstmals konkrete Planungen der Schweizer Investoren von Sports Medicine Excellence (SME) auf dem Ratstisch von Bad Wiessee. Das Unternehmen möchte ausdrücklich von dem bislang verwendeten Begriff „Sportsclinic“ Abstand nehmen und diesen durch „Aktivitätshotel“ ersetzt wissen, der das „Ensemble prägen“ soll. Auch Bürgermeister Peter Höß (Wiesser Block) blickte gespannt der Präsentation entgegen, „die ich auch noch nicht kenne“.

Angeführt wurde die Planungsgruppe von SME-Chef Florian Kamelger, der den Vorentwurf von Matteo Thun in „die Tat umsetzten“ will. An Kamelgers Seite waren Felix Penner als Betreiber der Gastronomie, Architekt Alexander Meissl und Landschaftsplaner Johannes Kocks. „Wir bauen das Projekt mit unserer eigenen Immobiliengesellschaft „SCA Immo GmbH“, die laut Internet in Innsbruck ihren Firmensitz hat.

„Worten müssen nun Taten folgen“

Kamelger: „Ich war immer hundertprozentig überzeugt, dass wir ihnen das Projekt vorstellen würden. Wir haben uns von Anfang an einen sehr sportlichen Zeitplan gesetzt. Bei dem sie uns sehr unterstützt haben“. Ihm sei klar, dass er den Worten nun Taten folgen lassen müsse, um den Zeitplan einzuhalten. Er hält das Projekt der naturnahen Architektur von Matteo Thun samt Hotellerie und medizinischer Behandlung für eine noch „nie dagewesene innovative Idee“. Damit werde man auch einen „großen Beitrag“ für die Gemeinde zum Gesundheitsstandort Bad Wiessee leisten.

„Herzstück“ bleibe die denkmalgeschützt und geschichtsträchtige Wandelhalle, der neues Leben eingehaucht werden soll, so Architekt Alexander Meissl zu den Plänen. In der restaurierten Wandelhalle werden sich drei der insgesamt sechs „gastronomische Outlets“ befinden, einschließlich eigener Konditorei und Bäckerei. Sie soll dem Hotelgast zum Frühstück schon einen „entsprechenden Duft“ vermitteln.

Der Turm wird zur Turmbar und Vinothek umgebaut. Zugänglich ist dies alles auch für Gäste von außen. Eine klassische Rezeption gebe es nicht mehr. Der Gast würde gleich in eine Lounge „geführt werden“, um dort „entschleunigt anzukommen“. Veränderungen architektonischer Art gebe es auch in der Wandelhalle, die mit dem Denkmalamt abgestimmt seien. So würde vom Balkon im Obergeschoß ein an der Decke aufgehängter Vorbau erfolgen, ein sogenannter „Meetingraum“ für maximal 20 Personen, die dann einen Blick auf den südlichen Teil der Wandelhalle mit der Gastronomie hätten.

Parkplatz-Roboter in der Tiefgarage

Die beiden Gebäudetrakte „Süd“ und „West“ umfassen je drei Stockwerke und bieten zusammen Platz für 119 Zimmer, inklusive 30 Suiten in der gehobenen Luxushotellerie. Im Erdgeschoss des Südflügels werden der Spa- und Wellnessbereich mit Indoor- und Outdoorpool, verschiedene Saunen, Erlebnisduschen, ein Dampfbad, Kneipp-Anlagen, Ruhebereiche und ein Bistro errichtet.

Im nördlichen Takt ist das medizinische Funktionsgebäude untergebracht. Dort soll in zwei Sälen ambulant operiert werden. In der Tiefgarage mit 200 Stellplätzen gibt es neben konventionellen Parkplätzen erstmals eine „automatisierte Kiste“. Hier besorgt ein Roboter das Parken. „Diese Systeme funktionieren“, versicherte Meissl.

Die Probebohrungen auf dem Jodbadareal, die von SME veranlasst wurden. / Archivbild

Nach mehreren Bohrungen mussten die Planer aber feststellen, dass sie auf Granit gebissen haben. Sie hätten nicht damit gerechnet, auf einen gewaltigen Felsen im Untergrund zu treffen. Wegen der Jodquellen dürfe er aber nicht gesprengt werden. Daher müsse der Fels überbaut werden, somit würden die Gebäude auch etwas höher aus dem Boden ragen, als es zunächst der Bebauungsplan vorgeben habe. Das andere Problem sei das vom Berg zum See drängende Grundwasser. Der Architekt erklärte die vorgefundene Situation:

Dies könnte bedeuten, dass uns bei jedem Starkregen das drückende Grundwasser ins Gebäude rinnt. Das müssen wir beherrschen.

Nach einem Roundtable-Gespräch in Miesbach sei man sich dann einig geworden, das Niveau des gesamten Gebäudekomplexes um etwa 70 bis zu 110 Zentimeter zu verschieben. Damit würde man aber noch unter der Höhe der Wandelhalle bleiben, die ein „historisches Hoch darstellt“. In der Grundstücksmitte dagegen grabe man in eine Tiefe von sieben Metern. Dies war für Florian Sareiter (CSU) das Stichwort: „Wie wird gegründet, muss gepfählt werden?“

Blick auf den Wallberg vernagelt

Da die Bodenverhältnisse katastrophal seien, so Meissl, müssten die Pfähle bis in eine Tiefe von 30 Metern getrieben und die Baugrube mit Spritzbeton ausgegossen werden. Probleme mit den Holzlamellen an der Fassade hatte Ingrid Versen (CSU). Sie konnte nicht verstehen, dass man mit „Brettern“ die schöne Aussicht auf die Berge vernageln würde. „Matteo Thun hin oder her, wie kann man so etwas planen“. Es entsetzte sie zutiefst, dass der Gast statt dem Wallberg „nur Bretter“ sehe.

Landschaftsplaner Kocks verwies auf die begrünten Dächer. Damit das Wasser gar nicht erst unten ankomme, es würde dort „zwischengespeichert“. Insgesamt gebe es auf dem Areal mit Hotelgarten, der ein „grüner Meditationsort“ werden soll, eine hochwertige Bepflanzung und „keine Forsythien“. Bis dahin gab es auch keine Widersprüche.

Sportsclinic Bad Wiessee – Ansicht Südflügel mit Wandelhalle, Blickrichtung West, von der Adrian-Stoop-Straße aus gesehen / Quelle: SME

Doch bei der „klaren Abgrenzung“ des Spa-Bereichs mit einer etwa zwei Meter hohen Betonmauer zum Fußweg von der Adrian-Stoop-Straße, regte sich bei Florian Sareiter Unmut. Ihm wäre hier ein Wall aus Steinen lieber gewesen. Höß verwies auf die über zwei Meter hohe Bretterwand im Saunabereich des Badeparks: „Niemand stört sich daran“. Hier dagegen würden auf beiden Seiten der Mauer Büsche angebracht werden.

„Hier darf ich sein“

Für Klaudia Martini (SPD) dagegen sind mit der Mauer auch die Hochwasser- und die Sicherheitsbelange „hervorragend gelöst“. Insgesamt sei ihr hier ein „wunderbares Gesamtkonzept“ vorgestellt worden. „Schön“ fand Tischnachbar Bernd Kuntze-Fechner (SPD) den öffentlichen Teil mit der Einbeziehung der Wandelhallen-Terrasse. Die geplante Kleinteiligkeit durch zusätzliche Elemente trage zur „Vielseitigkeit“ bei. Birgit Trinkl (FWG) ganz überschwänglich:

Ich bin ganz begeistert, was ich gehört und gesehen habe. Sie haben wirklich an alles gedacht.

Auch wer nicht Hotelgast sei, fühle sich bei diesem Konzept willkommen. Für Höß komme hier die „glückliche Konstellation“ zum Ausdruck, dass „wir Investor und Betreiber am Tisch haben“. Deswegen sei das Projekt so „stimmig“. „Wir bekommen hier ein Hotel in einer ganz neuen Dimension, die wir noch gar nicht kennen“, lobte auch Markus Trinkl (FWG) die Präsentation von Kamelger. Als Wiesseer müsste man „nun umdenken“. Er freue sich auf den Spatenstich. „Auf geht’s“, rief er dem Planungsteam um Kamelger fast euphorisch zu. Nur Versen blieb ihrer Linie treu und stimmte gegen den Entwurf.

„Haben die von SME genügend Kohle?“

Am Ende konnte es sich Kamelger einen Seitenhieb auf seine Kritiker nicht verkneifen. „Ich habe immer gesagt, dass ich die Kritiker Lügen strafen werde, indem ich den Worten Taten folgen lassen werde. Es habe sehr intensive Diskussionen gegeben, wer sind denn diese Investoren, haben die überhaupt genügend Kohle, so etwas zu stemmen.

Wer so viel Geld für die Baugenehmigung in die Hand nehme, für den sei es wider die Vernunft und unternehmerischer Irrsinn, dies dann auch nicht zu vollenden. „Nun werden wir mit diesem Beschluss aber in den nächsten vier bis sechs Wochen noch mehr Vollgas geben“, versicherte Kamelger. Applaus.


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