Christian Köck zu Bauwut in Rottach-Egern
“Do host jetzt a paar Million”

von Maxi Hartberger

Immobilienpreise in Millionenhöhe, regelmäßige Ortsplanungsausschüsse und Diskussionen um Zweitwohnsitze – in Rottach-Egern ist die Bauwut sichtlich spürbar. Bürgermeister Christian Köck appelliert nun mit deutlichen Worten an die Vernunft der Einheimischen.

Bei der gestrigen Bürgerversammlung äußerte Bürgermeister Christian Köck seine Sorgen über die Bauwut in Rottach-Egern.

„Stellt euch vor, da kommen teilweise Bauwerber zu mir, stellen wirklich einen Geldkoffer hin und sagen ‘Do host jetzt a paar Million’ – und ich weiß ganz genau, wenn ich da noch eine Woche warten würde, käme der nächste und würde noch was drauf legen.“ Damit sorgte Bürgermeister Christian Köck auf der gestrigen Bürgerversammlung für einige verdutzte Gesichter.

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In seiner Ansprache machte er sich gestern Abend im Seeforum einige Minuten Luft und sprach über die Bauwut und vorherrschenden Moralvorstellungen in seiner Gemeinde. Laut Köck hätte früher niemand damit rechnen können, dass das Tegernseer Tal mal so einen Hype erleben würde.

Und gerade Rottach ist eine Gemeinde am See, bei der viele sagen ‘Da ist es so schön, da wollen wir auch bleiben, unseren Lebensabend verbringen und das gesparte Geld in eine Immobilie investieren.’

Doch in den vergangenen Jahren scheint es ausgeufert zu sein. „Es herrschen mittlerweile Größenordnungen, die sind schwindelerregend.“ Es sei die Maßlosigkeit mancher Zeitgenossen, die beim Verkauf der Immobilien der Ursprung allen Übels sei. „Da werden für Millionen Grundstücke an die Bauträger verkauft, die dann natürlich wiederum auch auf die Maximierung gehen.“

Einheimische nicht unschuldig

Genau in diesem Zusammenhang werde dann oft von Einheimischen beklagt, warum denn da die Gemeinde nichts mache. „Wir können bei solchen Preisen schlichtweg nicht mitbieten.“ Man versuche zwar korrigierend durch Bebauungspläne einzugreifen, „aber Wunder können wir als Gemeinde auch nicht bewirken.“

An diesem Punkt wandte sich Köck direkt an die anwesenden Bürger. Denn an den steigenden Immobilienpreisen sind nicht nur andere Schuld: „Ich möchte hier wirklich klar an die Moral so mancher Einheimische appellieren“, so der Bürgermeister mit ernster Mimik.

Es ist alles andere als dienlich, sich einfach leichtfertig vom höchsten Gut zu trennen, das wir in der heutigen Zeit haben: Eine eigene Immobilie hier bei uns im Tegernseer Tal.

Einige meinen, sie können sich nach so einem Immobilien-Verkauf ein sorgenfreies Leben machen und bei den Großen mitspielen. „Aber dadurch geht viel Identifikation und der Bezug zum Ort verloren.“ In Rottach habe man mittlerweile einen Zuzug zu verkraften, der oftmals leider ein gewisses Klientel betreffe, „die uns dann auch als Gemeindeverwaltung im Umkehrschluss das Leben schwer machen.“

Die hohen Immobilienpreise im Tal können sich viele Einheimische nicht leisten.

Und damit ging Köck über zur Kritik an den Zuagroasten. „Manche kommen hier her und denken, weil sie viel Geld bezahlt haben, dass alle anderen springen und parieren müssen.“ Doch wenn man in einen anderen Ort kommt, „dann sollte ich erstens die dortigen Gepflogenheiten akzeptieren, aber auch bereit sein, mich zu integrieren.“ Die anwesenden Bürger applaudierten nach diesen deutlichen Worten.

Damit spielte Köck auf die erst kürzlich entstandene Kuhglockendebatte an, bei der sich zwei Rottacher Neubürger über das nächtliche Gebimmel der Tiere beschwerten. „Aber ich möchte hier jetzt auf keinen Fall unsachlich werden. Wir haben genauso viele anständige Leute, die sich bei uns niederlassen, und genauso ihren Beitrag leisten.“

Immer gleich mit dem Anwalt drohen

Doch der Bürgermeister vermisst auch in so mancher Situation die Harmonie – denn seines Erachtens sei der Umgang miteinander derzeit sehr bedenklich. „Wenn wir als Ortsplanungsausschuss oder Gemeinderat Beschlüsse fassen, dann ist es mittlerweile guter Sport, spätestens am nächsten Tag beim Bürgermeister aufzuschlagen, sich darüber zu beschweren, eine Umkehrung zu fordern oder gleich mit dem Rechtsanwalt zu drohen.“ Köck teilte aus:

Also demokratische Beschlüsse zu akzeptieren, fällt so manchem Zeitgenossen leider sehr, sehr schwer. Das ist schlechter Stil.

Er wolle bei der Bürgerversammlung die ganze Bauthematik nicht verhehlen. „Auch wir als Gemeinde profitieren natürlich von den Zweitwohnungen – es wäre kurzsichtig, wenn ich das nicht fairerweise erwähnen würde.“ Doch sein sorgenvoller Blick gilt der Zukunft. „Es findet ein Verdrängungswettbewerb durch die hohen Immobilien-Preise statt, durch den ein Einheimischer nicht mehr in der Lage ist – sofern er nicht von daheim was erbt – sich hier etwas zu kaufen und auch noch zu bebauen.“

Damit einher gehe natürlich auch eine drastische Überalterung der Gesellschaft im Ort. „Das Durchschnittsalter von 51 Jahren in Rottach ist alarmierend.“ Da stelle er sich dann tagtäglich die Frage, wie die Gemeinde in 20 Jahren aussieht, wenn das so weiter geht.

Handwerksbetriebe, Vereine und Ortspolitik – überall wird Nachwuchs gebraucht. 2020 stehe wieder eine Kommunalwahl vor der Tür und da sollte man laut Köck in der Lage sein, Listen zu formieren, auf der sich auch der eine oder andere Name junger Einheimischer zu lesen ist. „Wenn wir das aus der Hand geben, haben wir verloren.“


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