Seid mehr drüber – seid mehr Preysing

von Nina Häußinger

Wir alle sind durch. Die Pandemie hat in unserem Miteinander Spuren hinterlassen. Wie Autos im zu hohen Gang heulen wir stetig auf, statt auszukuppeln, das Gas mal rauszunehmen und vielleicht eine andere Fahrweise einzunehmen.

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Ein Kommentar von Nina Häußinger

Dabei wäre es einfach. Ein Dach, eine Arbeit. Genug zu essen. Ein Staat, der dich nicht fallen lässt. Und wenn Bürokratie das schwer sein lässt, gibt es unzählige Vereine oder Hilfsgruppen. Warum also das dauerhafte Schwarzsehen? Ein Rückblick der anderen Art mit Beispielen des Lebens.

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Unsere Kollegin stand da grinsend, hochschwanger und machte Fotos. In diesen Zeiten hatten sie und ihr Mann entschieden, Leben in die Welt zu setzen. Was für ein Abenteuer, was für ein Optimismus. Jedes Mal staune ich darüber. Vor allem, wenn es für die Eltern nicht das erste Mal ist, wenn sie also von den schlaflosen Nächten, den Sorgen und Ängsten wissen. Und dann ausgerechnet jetzt: Irgendwo zwischen Klimawandel-Panik und Pandemie-Angst. In der Psychologie nennen sie es “Resilienz”. Du hast eine Krise, aber du schaffst es ohne großen Schaden, sie zu überstehen. Um dich herum wird gekreischt, gescheppert, aber du zuckst häufiger mit den Schultern und stimmst nicht in den Chor der ewig Wütenden mit ein.

Eine Bekannte bekommt die Diagnose Brustkrebs. Dutzende mühsame, schmerzvolle Behandlungen folgen. Aber sie wird vom Optimismus der behandelnden Ärzte getragen, die ihr immer wieder Mut machen, von einem Umfeld so versorgt und bestätigt, dass sie selbst mit kahlem Kopf und Schmerzen bei einem Witz aus tiefstem Herzen lacht, quasi dem drohenden Tod die Zähne zeigt. Draußen ist Pandemie, sie hofft auf schnelles Durchimpfen, denn nur so kann sie, immungeschwächt, am Leben wieder teilnehmen. Aber selbst die wirrsten Thesen, das bockigste Dagegensein der Impfgegner schiebt sie mit einem Achselzucken beiseite. Sie lässt sich nicht von der dumpfen Ignoranz der Mitmenschen ablenken. Heute ist sie krebs- und beschwerdefrei. Sie lebt. Und lacht.

Mehr lachen hilft …

Der Kollege Calsow wurde kürzlich kritisiert, warum er den Landrat in einem Podcast nicht härter befragt habe. Da war dieser Moment, in der dieser Mann schlicht verstört über die Angriffe gegen ihn und seine Familie war. Er, der immer auf Ausgleich aus ist, konnte diese Wut und diesen Hass nicht fassen, erklären. Und dann, man mag das als Politikgewäsch abtun, sagt er, dass er am Wochenende seine Enkel sehe, und das wische all diese Angriffe weg, mache ihm Mut und gebe ihm Freude. Und zwischen dem Tagesgeschnatter der Politik in der Pandemie war es dieser einfach menschliche Moment, der das Gespräch der beiden vielleicht in eine andere Richtung drehte. Unprofessionell? Mag sein. Aber wenn wir davon reden, dass wir uns in der Pandemie festgebissen haben, müssen wir im nächsten Jahr lernen, den Beißreflex zu beenden, loszulassen und wieder durchzuatmen.

Lachen wir lieber mehr über die Eitelkeiten im Tal, über die aufgeblasenen Erscheinungen, die alberne Gier diverser Geldiger, Macher und Mover. Nehmen wir häufiger Abstand vom taltypischen Wichtigmann-Gehabe. Überhaupt lachen und nicht alles ernst nehmen, ist hilfreich. Seien wir mehr wie Fischer von Preysing – immer drüber, selten ernst zu nehmen, aber dabei eine Menge Spaß haben.

In diesem Sinne allen Lesern einen schönen Silvesterabend und einen guten und gesunden Start ins Jahr 2022.

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