“Servicewüste” Sparkasse

von Maxi Hartberger

Nach der Filiale in Bad Wiessee wird nun auch bei der Sparkasse in Tegernsee der Schalter durch einen Automaten ersetzt. Künftig müssen also sowohl Privat- als auch Geschäftskunden ihre Geldein- und -auszahlungen ohne einen Mitarbeiter ausführen. Anders als von der Kreissparkasse erwartet sorgt das bei Vielen für Unmut.

Lange Schlangen am Geldautomaten. Kunde Gerhard Brugger macht seinen Unmut deutlich: "Auf dem Foto zeige ich Ihnen übrigens nicht den Vogel, sondern ich gebe mir die Kugel."
Lange Schlangen am Geldautomaten. Kunde Gerhard Brugger macht seinen Unmut deutlich: “Auf dem Foto zeige ich Ihnen übrigens nicht den Vogel, sondern ich gebe mir die Kugel.”

Ein Unternehmer fährt zur Sparkasse, um das wöchentliche Bargeld auf das Geschäftskonto zu zahlen. Eine lange Schlange erwartet ihn vor dem einzigen Automaten der Filiale. Nach 15-minütigem Warten ist er endlich dran, doch der Automat streikt: Er hat zuvor die Karte eines anderen Kunden geschluckt und gibt sie nicht mehr her. Die ganze Warterei umsonst? Vor diesem Szenario dürften sich einige Tegernseer künftig fürchten.

Denn ab dem 18. April wird in der Sparkassen-Filiale in Tegernsee die Bargeldein- und -auszahlung von dem Schalter auf einen Automaten verlegt. Damit folgt Tegernsee mit der Umstrukturierung auf Bad Wiessee. Damit sollen Personalkosten gespart werden, um den Service in der Fläche aufrechtzuerhalten – das bedeutet, es werden zwar keine Filialen geschlossen, doch es wird immer mehr auf Elektronik gesetzt.

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Doch nicht alle Sparkassen-Kunden sind mit dieser Neuerung zufrieden. Unter anderem der Wiesseer Kunde Gerhard Brugger beschwerte sich beim Vorstand der Kreissparkasse. Er selbst musste bereits bei einer Geldeinzahlung über eine viertel Stunde warten, das sei einfach lästig:

Dort stehen die Kunden Schlange und das Personal dreht Däumchen, da sie keine Einzahlungen mehr vornehmen können.

Doch meist bleibe es ja nicht nur bei der Geldeinzahlung, sondern man müsse eventuell noch zusätzlich an den Schalter und womöglich noch Kontoauszüge holen. „Dort kann ich dann überall von Vorne anfangen“, meint Brugger. Außerdem sei ein einziger Automat für die Bargeldeinzahlung zu wenig.

Auch Birgit Scheingraber von der Goldschmiede Thomas Scheingraber in Wiessee, findet den Automaten gewöhnungsbedürftig. „An sich ist die Umstellung kein Problem, doch der Automat funktioniert oft nicht und wenn ich termingerecht das Geld einzahlen möchte, ist das natürlich ärgerlich.“ So musste sie schon von Bad Wiessee nach Tegernsee fahren, um pünktlich das Geld einzuzahlen und zu überweisen, doch das wird nun in Zukunft auch keine Option mehr sein. „Es geht einfach nicht, dass man sich dann darauf nicht verlassen kann.“

Elektronik ersetzt Mensch

Ursula Bertele von der Tegernseer Familien-Goldschmiede hat für die Veränderung deutlichere Worte: „Das ist typisch Servicewüste Deutschland – das alles geschieht auf Kosten der Kunden.“ Sie zahle zwar damit keine Gebühren mehr am Schalter, doch es sei dennoch gewöhnungsbedürftig. „Ganz schlimm finde ich es für unsere älteren Mitbürger, die sich mit der Technik vielleicht nicht so gut auskennen.“ Aber auch für Ausländer werde es schwer, das System zu verstehen.

Robert Kühn, Besitzer des gleichnamigen Wiesseer Schuhgeschäfts, sieht das anders: „Ich find die Umstellung an sich eigentlich sogar gut.“ Seiner Erfahrung nach ginge es am Automaten schneller als am Schalter. Auch für Gabi Hauser von der Bäckerei Hauser sei es kein Weltuntergang. Einzig das Kleingeld zu erhalten sei ein wenig schwieriger als sonst. Doch es sei nicht schlimm, wenn es wirklich mal ein bisschen länger dauere. „Schließlich ist der Andrang in Wiessee nicht so groß.“

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