Wie sich die Künstlerin Lizzie Hladik einen Namen machte

Holzkirchen zeigt Farbe!

Die Künstlerin Lizzie Hladik ist keine Frau fürs Grobe. Sanft, aber beharrlich hat sie sich ihren Platz in der überschaubaren Holzkirchner Szene erarbeitet – und stellt jetzt in Innsbruck und Mailand aus. Ihr „Atelier Lihla“ besteht nun schon seit acht Jahren. Grund zum Feiern und zum Reflektieren.

Seit 7 Jahren besteht das Atelier.
Das Holzkirchner Atelier “Lihla” in der Münchner Straße besteht nun schon seit acht Jahren.

Sehr prompt kommt die Antwort auf die Frage, was einen Menschen zum Künstler macht: „Jemand, für den das kreative Schaffen ein Lebensmittelpunkt ist, ein Antrieb, eine ständige Beschäftigung mit Farben, Formen, Perspektiven”, so die Künstlerin Lizzie Hladik. Wobei die Familie und ihre drei Kinder in ihrem Leben eine große Rolle spielen: „Ich hatte immer den Anspruch, die Mittel für meine Kunst selbst zu erwirtschaften, ohne die Familie zu belasten.“

Das funktionierte über die Jahre mal besser, mal war es knapper. Aber Aufgeben war für Hladik keine Option. Zeichnen und Malen haben sie nach eigener Aussage schon immer begleitet, auch wenn sie als „Brotberuf“ Großhandelskauffrau gelernt hat. Sie wuchs in Innsbruck und Kanada auf und kam schließlich vor 18 Jahren über einige Umwege nach Holzkirchen. Die Künstlerin ist erstaunt:

Ein Wahnsinn, was sich in der Zeit kulturell alles getan hat

Vor allem die Kreise rund um das „Fools-Theater“ im Kultur im Oberbräu, bereiteten den Nährboden für Kreativität. Bei der Gestaltung des Kultur im Oberbräu war Hladik von Anfang an mit dabei und bemalte mit Leidenschaft Kulissen, Proberäume, Türen und Wände und wurde in das Farbkonzept des Gebäudes mit eingebunden. Damit trug die Künstlerin mit ihrem besondern Blick für Details und Farben zu dem ganz eigenen Charme dieses Ortes bei. Sogar ihre Figuren auf den Toilettentüren greifen in modern reduzierter Malweise das Neo-Rokkoko des Oberbräu-Saals wieder auf und schaffen die Verbindung zwischen Alt und Neu.

Lizzie Hladik vor der neu bemalten Theatertür des Kultur im Oberbräu. /Bild: Alexander Harlander
Lizzie Hladik vor der neu bemalten Theatertür des Kultur im Oberbräu. /Bild: Alexander Harlander

Letztes Jahr übernahm Hladik die professionelle Dekoration für das Kulturzentrum: „Das mache ich mit Liebe und Freude, einschließlich der Betreuung der Pflanzkübel. Es ist ein echtes Glück, dass man an mich gedacht hat.“ Sie ist eben vielseitig und absolut ohne Allüren. Ein aktuelles Projekt ist die Verschönerung der Theatertür im Kultur im Oberbräu. Hladik ist begeistert:

Über den Auftrag zur Bemalung der Metalltüre am Vorplatz des „Kultur im Oberbräu“ habe ich mich sehr gefreut, denn es war schon höchste Zeit, dass sich farblich hier was tut!

Die bunten Farben bieten einen schönen Kontrast zu dem eintönigen Betongrau. Das Projekt wurde gerade noch rechtzeitig zum Sommerfest Ende Juli vor der Sommerpause des Kurlturhauses in Holzkirchen fertig. Die Künstlerin erklärt:

Das Thema der Türgestaltung ist Spotlight: Im Hinblick auf Kunst, Kultur und Design, bewegen sich Artisten grazil im Scheinwerferlicht – und zwar in den Logofarben des Kultur im Oberbräu. Der Reiz der Auftragsmalerei liegt für mich immer wieder darin, die richtige Idee für den Kunden zu finden und für ihn optimal umzusetzen.

Doch die Künstlerin ist nicht nur für die Gestaltung des Kulturzentrums zuständig. Auf dem Holzkirchner Winterzauber präsentiert Hladik jedes Jahr ihre Drahtfigürchen, Grußkarten und Unikate. Auch Aufträge wie die Holzaufsteller für ein Kindergeschäft in der Münchner Straße erledigt die 54-Jährige mit Spaß und Leidenschaft.

Vor einigen Jahren schon, bot sie zusätzlich in der Volkshochschule Holzkirchen Kurse für Kinder und Erwachsene an, erweiterte auf Wochenend-Events, engagierte sich im Ferienprogramm, gab im heimischen Keller Workshops und wurde für Schulprojekte gebucht. Der „Lehrergang“ in der Oberland-Realschule sowie Räume in örtlichen Arzt- und Physiotherapie-Praxen bekamen durch ihre sehr eigene Wand- und Deckenbemalung eine „luftig-leichte“ Anmutung: „Ich male immer transparent; zart, aber abriebfest. Das hält ewig.“ Fast ein Lebensmotto.

“Kreative Oase” in Holzkirchen

Mit dem Anschluss an den Valleyer Kulturverein „Kunstdünger“ schaute sie bewusst über den örtlichen Tellerrand hinaus. Es folgten eine gemeinsame Ausstellung in Worpswede, der Heimat der expressionistischen „Brücke“-Künstler und im Zwei-Jahres-Rhythmus die „Schaustellungen“ für Malerei, Bildhauerei und Fotografie in Valley. Am Rande des ersten internationalen Bildhauer-Symposions stellte sie den „Schutzengel“, eine ihrer lebensgroßen Metallfiguren aus.

Inspiriert durch Kurse beim Bildhauer Gabriel Baumüller entstanden ab 2007 kleine Tonerde-Figuren und einige Jahre später die lebensgroßen Metallskulpturen. Diese bestehen aus zwei Blechen, die nur an wenigen Punkten verbunden sind – durchscheinende Körper, die leicht schwingen und im Freien in unterschiedlichen Rosttönen verwittern.

Hier präsentiert Lizzie Hladik eine ihrer Skulpturen.
Hier präsentiert Lizzie Hladik eine ihrer lebensgroßen Skulpturen.

Ihr eigenes Atelier in der Münchner Straße gibt es seit 2008. „Meine kreative Oase“, wie Hladik es nennt. Die großen Schaufenster des ehemaligen Ladens lassen viel Licht herein. Es gibt genügend Platz für das viele Material, fertige Arbeiten, Workshops und Besucher. Seit Herbst 2014 arbeitet sie in der Galerie „Kunst und mehr“ in Bad Wiessee und schätzt vor allem das dortige Team: „Ich bin zwar in der glücklichen Lage, nicht von meiner Kunst leben zu müssen, war aber immer auf der Suche nach Möglichkeiten mich künstlerisch zu betätigen“.

Plötzlich international

Ihr künstlerisches Thema sind die „Schätze der Natur“, der Kreislauf des Lebens, auch die Vergänglichkeit. Gegenstände wie Rinde, Blätter oder Steine sind oft gerade noch erkennbar und überlassen dem Betrachter seinen persönlichen Assoziationen. Neuere Gemälde in Acryl oder Mischtechnik sind deutlich abstrakter. „Jetzt steht die Farbe fast frei schwebend auf der Leinwand, aufgetragen in mehreren Schichten. Sie schwingt im Bild“, so die Künstlerin.

Als Mitglied des Kunstvereins „ARTinnovation“ hatte sie letztes Jahr die Möglichkeit, bei der ART in Mailand auszustellen. Heuer war sie im Januar auf der ART 2016 in Innsbruck vertreten. Wenn es irgendwie möglich ist, investiert sie in Weiterbildung und Netzwerke mit anderen Künstlern. Eine starke Frau: zart, vielseitig und kreativ – wie ihre Gemälde.


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