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Nach 18 Jahren nimmt der Polizeichef den Hut

Sigels letzter Einsatz in Wiessee

Von Klaus Wiendl

Nächste Woche ist für Wilhelm Sigel Schicht im Schacht. Nach 20 Schichtjahren geht der Leiter von Wiessees Polizeiinspektion mit 61 Jahren in den Ruhestand. Dann hat er 43 Jahre Polizeidienst hinter sich und Aufgaben als künftiger Opa vor sich.

18 Jahre war dies sein Arbeitsplatz. Nächste Woche räumt Polizeichef Wilhelm Sigel den Stuhl / Quelle: Klaus Wiendl

Auf die Frage, ob er seinem Ruhestand mit Freude entgegenblickt, muss Sigel schmunzeln. „Ich gehe mit Freude und Zufriedenheit, weil ich fast immer schöne Zeiten bei der Polizei erlebt habe, zuletzt die fast 18 Jahre in Bad Wiessee in Führungsverantwortung“. Das Amt habe er gerne bekleidet, auch wenn es schwierige Situationen gegeben habe. „Ich blicke auf ein erfülltes Polizeileben zurück, von dem ich mich aber gerne verabschiede“. Als Dienststellenleiter von 45 Beamten/innen sei die Verwaltungstätigkeit vorrangig gewesen. „Man muss schauen, dass der Laden läuft“.

Dazu gehört die Einsatz-, Urlaubs- und Lehrgangsplanung und die Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei in Miesbach. Sigel vergleicht seine Tätigkeit mit der eines Fußballtrainers. „Der muss auch seine Mannschaft auf jeder Position richtig aufstellen und die Zügel anziehen und loslassen. Bei großen Einsätzen sei er auch immer selbst vor Ort gewesen. Als Beispiele nennt Sigel die Winterklausuren der CSU in Wildbad Kreuth mit hochrangigen Polit-Gästen oder die Tagungen der Staatsregierung in St. Quirin. „Da ist man als Dienststellenleiter in Führungsverantwortung“.

Neuen Ideen Platz machen

Der gebürtige Günzburger, „ich bin Donauschwabe“, ist seit 1976 bei der Polizei. 1981 lernte Sigel als Polizeiskilehrer seine heutige Frau aus Hausham beim Skifahren kennen. „Seit 1986 wohne ich im Landkreis“, so der Erste Polizei-Hauptkommissar (EPHK). Für Beschäftigung im Ruhestand ist auch schon gesorgt. Tochter und Sohn, sowie deren Partner sind alle bei der Polizei. „Von jedem Kind werde ich in kürze Opa“. Zwar sei er noch offiziell bis Ende August Polizeichef, doch durch Resturlaube und Überstunden ende seine Dienstzeit endgültig in den nächsten Tagen. „Irgendwann muss man auch den Jungen mit neuen Ideen Platz machen“.

Die große Abschiedsparty hat schon intern in der vergangenen Woche mit 60 Kollegen und alten Weggefährten stattgefunden. Zu seinen Aufgaben zählte Sigel auch, Ansprechpartner der Bürger zu sein. „Meistens fühlte sich jemand ungerecht behandelt, weil die Maßnahmen angezweifelt wurden“. Sein Bestreben sei es aber gewesen, in persönlichen Gesprächen Probleme zu bereinigen.

Insel der Glückseligen

Wenn Sigel die Kriminalstatistik betrachtet, sagt er: „Wir leben hier auf einer Insel der Glückseligen“. Die Aufklärungsquote bewege sich seit vielen Jahren im Zweidrittel-Bereich. „Im Vergleich zu anderen Dienststellen des Präsidiums sind wir immer ganz vorne mit dabei. Manchmal reicht es sogar für einen Stockerlplatz“. Außerdem habe seine Inspektion „das Glück, dass alles noch sehr im Rahmen ist“. Die Bevölkerung hier habe einen objektiven Sicherheitsanspruch und auch ein subjektives Sicherheitsgefühl. Wenn ein „herausragendes Delikt ist“, glaube der Bürger, dass das Tal „unsicher“ sei. „Das ist es aber eben nicht“.

Der Eindruck mag durch manch spektakulären Vorfall vielleicht ein anderer sein. Doch tatsächlich sei die Zahl der Straftaten in der Region Tegernsee im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Insgesamt 963 Straftaten wurden registriert, das sind 189 Fälle (minus 16,4 Prozent) weniger als im Jahr zuvor. Das geht aus der Kriminalstatistik hervor, die Sigel kürzlich den Bürgermeistern beim alljährlichen Sicherheitsgespräch präsentierte.

Mehr Verkehrsunfälle

Bei Unfällen insgesamt gebe es aber eine Steigerung zum Vorjahr. „Jedoch sind die Unfälle mit Personenschäden rückläufig“. Vielfach seien es nur „Parkrempler“. Die schweren Unfälle aber seien „unterproportional“. Ein Krisenpunkt für Sigels Polizei „ist die Bundesstraße zum Achenpaß“. Dort würden wegen der vielen Raser vor allem Geschwindigkeitskontrollen stattfinden. „Das zeigt offensichtlich auch Erfolg“.

Sigel befürchtet, dass er im Ruhestand „die Rolle als Polizist nie ganz ablegen könne“. Denn darum rankte sich sein ganzes Leben. So werde er künftig, wenn er einen Verkehrsunfall erlebe, „sich nie ganz als Polizist ausklinken können“. Auf die Frage, was er aus Bad Wiessee in den Ruhestand mitnehme, meint Sigel: „Es war die schönste Zeit meines Polizeilebens“.


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