BRB zieht gemischte Bilanz zu 9-Euro-Ticket
“Sind mit allem gefahren, was wir hatten”

von Simon Haslauer

BRB-Chef Arnulf Schuchmann blickt mit gemischten Gefühlen auf das 9-Euro-Ticket zurück. In einer Pressemitteilung spricht er nun von einer “maroden Infrastruktur”. Natürlich gab es auch positive Seiten. Welche Erfahrungen habt ihr mit dem 9-Euro-Ticket gemacht?

BRB-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann zieht eine gemischte Bilanz zu drei Monaten 9-Euro-Ticket. / Quelle: BRB

Die Bürger von den hohen Energiepreisen entlasten und gleichzeitig den öffentlichen Personennahverkehr stärken: Das 9-Euro-Ticket sollte beides schaffen. So jedenfalls der Plan aus Berlin. Das Ticket stand jedoch von Anfang an in der Kritik. Vor allem aufgrund der Organisation und Finanzierung. Dennoch verkaufte es im BRB-Netz etwa 375.000 Tickets.

So betonte BRB-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann im Mai: „Ich habe Sorge, dass wir in den Ausflugsgebieten des Oberlands einen Overkill erleben.“ Insbesondere für Ausflugsziele wie den Tegernsee bedeutet das neue Ticket vor allem eines: Mehr Touristen fahren mit dem Zug. „Ja, wir rechnen mit mehr Fahrgästen, besonders auch an den Wochenenden werden viele Ausflügler das Angebot nutzen“, hieß es im Mai aus der BRB-Pressestelle.

”Absolute Höchstleistungen“ von Zugpersonal gefordert

Nun zieht die BRB eine eher gemischte Bilanz zu den drei Monaten, in denen das 9-Euro-Ticket galt. So sei es auf der einen Seite ein Schnellschuss der Politik gewesen, sagt Schuchmann heute. Binnen Wochen musste man Verkaufsstruktur und Tarifierung umstellen. Der BRB-Chef berichtet:

Was fast unmöglich schien, aber am Ende doch geklappt hat.

Weiter musste man in dieser Zeit absolute Höchstleistungen von dem Zugpersonal fordern. „Wir sind mit allem gefahren, was wir hatten, konnten nicht mehr Züge aufs Gleis bringen, weil bereits alle im Einsatz waren, weil Bahnsteiglängen dafür nicht ausreichen und Strecken bereits vorher schon an ihrer Auslastungsgrenze angelangt waren“, kommentiert Schuchmann. Für einen Beitrag zur Verkehrswende braucht es also noch etwas mehr, als nur eine günstige Monatskarte.

Auch spricht Schuchmann von einer „maroden Infrastruktur in unseren Netzen“. Die habe dem Bahnunternehmen schwer zu schaffen gemacht. So kam es immer wieder zu kurzfristigen Sperrungen und Langsamfahrstellen. Teils hohe Verspätungen seien schließlich das Ergebnis der schwächelnden Infrastruktur gewesen. Ein Problem, das uns noch lange begleiten wird, warnt Schuchmann.

Einfachheit soll weiterhin Ziel sein

Neben Kritik vergisst der BRB-Chef nicht, auch die guten Aspekte des Tickets zu beleuchten. „Es konnten viele den ÖPNV nutzen und Ausflüge machen, die sich das ohne das günstige Ticket kaum geleistet hätten“, weiß Schuchmann. Manch einer konnte vielleicht auch das Zugfahren einfach ausprobieren – ohne auf lästige Zonen und Verbunde achten zu müssen.

„Das war sicher der größte Vorteil, die Einfachheit, und einfache Tarife sollten auch weiterhin ein Ziel sein“, beginnt der BRB-Chef, betont jedoch:

Dass von den Neukunden viele nach Ende des 9-Euro-Tickets weiterhin den ÖPNV nutzen werden, wünsche ich mir zwar, bin aber skeptisch.

Jetzt gehe es erstmal mit den Preisen von Ende April weiter. Branchenintern, so Schuchmann, spreche man außerdem bereits von Preiserhöhungen, die sehr bald kommen sollen. Die große Frage bleibe am Ende die Finanzierung. Schuchmann meint: „Der Erhalt und vor allem die Sanierung der Infrastruktur kosten viel Geld.“ Man kämpfe bereits seit Coronabeginn mit hohen Einbußen. Das sollte allen Entscheidungsträgern bewusst sein, endet der BRB-Chef.


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