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Ein Kommentar zur Fußball-EM

Sind sie noch Patriot? Oder schon Nationalist?

Von Steffen Greschner

Fiebern Sie mit der deutschen Nationalelf mit? Reden Sie von Deutschland, Spanien, England, Italien und den anderen Ländern, als seien dort alle gleich? Verbinden Sie mit “die Italiener”, “die Griechen”,”die …” irgendwelche “Charaktereigenschaften”? Erhöhen Sie Deutschland oder Ihre eigene Nation gegenüber anderen Ländern? Dann wird es Zeit, darüber nachzudenken, ob Sie noch ein Patriot oder schon ein Nationalist sind. Und ob “Demokrat” nicht eine brauchbare Alternative wäre.

Stolz auf die Fahne? Aufs Vaterland? Patriot? Oder schon Nationalist?

Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen stellen den vermeintlich positiven Begriff des “Patrioten” infrage. Vielmehr deuten sie darauf hin, dass eine Unterscheidung in den guten Patrioten und den schlechten Nationalisten gar nicht möglich ist.

Doch eine solche Zweiteilung der Menschen in Patrioten und Nationalisten ist politisch motiviert – sie dient dazu, Patriotismus als wünschenswerte Eigenschaft propagieren zu können. Eine empirische Basis für den Unterschied zwischen Vorzeige- und Schmuddelbürgern gibt es jedoch nicht, wie neueste Untersuchungen zeigen (Wilhelm Heitmeyer: Deutsche Zustände, Folge 5. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2007).

Ab- und Ausgrenzung liegen wohl tief im Menschen verankert, und politische Haltungen werden durch Vorbilder, Erziehung und Wissen vermittelt. Positiv wie negativ.

Stolz ein Was-auch-Immer zu sein?

In Zeiten des Nationalstolzes, die besonders deutlich bei Europa- oder Weltmeisterschaften populärer Sportarten wie Fußball auftreten, sollte man sich selbst einmal prüfen. Fühlt man sich als Deutscher, Italiener, Spanier, Türke als “mehr wert” gegenüber anderen Nationen? Ist man besonders stolz aufs eigene Land? Warum? Auf was? Was hat man davon? Was nützt es, den eigenen Staat zu überhöhen? Gibt es einen Status quo, oder ist alles im Fluss?

Ich zum Beispiel würde nie sagen, dass ich stolz bin, ein Deutscher zu sein. Ich bin stolz auf meine eigene Leistung und achte die anderer – egal welcher Nation. Und ich drücke mein Missfallen aus, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin. Egal ob im eigenen Land oder im Ausland. Egal ob gegenüber Deutschen oder Ausländern.

Tatsächlich bin ich sehr froh, in diesem Land zu leben. Denn Deutschland ist eine stabile und wehrhafte Demokratie und durch die gelebte Ordnung ein Land, in dem man überwiegend sicher leben, Chancen verwirklichen kann und in dem vor allem eines möglich ist: eine eigene Meinung zu haben.

Allerdings fühle ich mich persönlich als Deutscher nicht durch Fußballer vertreten. Es kränkt nicht meine Ehre, wenn die deutsche Mannschaft verliert oder schlecht spielt. Es hat keinen Einfluss auf meine Meinung oder meine demokratische Überzeugung oder gar mein Selbstbewusstsein. Bislang spielt die deutsche Elf gut, und ich verfolge gespannt jedes Spiel, weil es mich “unterhält”.

Und großen Respekt zolle ich der spanischen Mannschaft, die insgesamt sehr stark spielt und vor allem sehr fair – ich wäre froh, wenn sich andere daran orientieren würden. Denn das verdient Respekt.


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