Skifahren am Tegernsee

Spannende Vergangenheit – Große Zukunft?

Von Christopher Horn

Ergänzung vom 7. Februar / 9:51 Uhr
Heute vor zehn Jahren hat die Skilauf-Tradition am Tegernsee eine Zäsur erfahren. Bis dahin ging es seit Jahrzehnten stetig abwärts. Viele ehemals bekannte Lifte mussten schließen.

Doch am 7. Februar 2002 gelang ein entscheidender Durchbruch. Basis für die an diesem Tag dokumentierten Absichtserklärungen war das neue Konzept „Oberland-Bergbahnen“.

Nur sechs Monate später zum 1. August 2002 wurden die Verträge des neuen Verbunds mit dem Namen Alpen Plus rechtskräftig. Gründungsmitglieder waren die heutigen Verbundpartner Brauneck/Wegscheid, Wallberg, Spitzingsee-Tegernsee, Skiparadies Sudelfeld und das Freizeitzentrum Zahmer Kaiser in Tirol.

In den letzten zehn Jahren ist rein Investitionsseitig viel passiert. Wenn man sich anschaut, wie die Infrastruktur bei den Bergbahnen und Beschneiungsanlagen früher aussah, dann hat das Skigebiet um den Spitzing und die Sutten viel gewonnen.

Und auch wenn es noch Verbesserungspotential gibt, die Kooperation der verschiedenen Orte und der Verbund Alpen Plus kann auch aus unserer Tegernseer Sicht als großer Erfolg gewertet werden.

Ursprünglicher Artikel vom 24. Januar / 8:29 Uhr
Das Interesse am Wintersport im Allgemeinen und am Skisport im Besonderen ist seit jeher ungebrochen. Sowohl der Ski-Club Rottach-Egern (2007), als auch der Schneelauf Verein Tegernsee (2010) feierten in den letzen Jahren ihr 100-jähriges Jubiläum.

Grund genug im Folgenden einen kurzen (zweiten) Rückblick in die Vergangenheit und einen ausführlichen Blick auf das Tegernseer Tal als Ski und Snowboard Region der Gegenwart zu wagen.

Wie bereits im ersten Teil erwähnt, begann in unserer Region das Interesse am Wintersport vor über 100 Jahren. Liftanlagen waren zu dieser Zeit natürlich noch nicht vorhanden und so waren die Hänge durchzogen von Schlangen von Skifahrern auf ihrem Weg zum Gipfel.

Der Sonnenmoos-Lift in Rottach wird heutzutage nicht mehr betrieben

Nichts desto trotz hatten die Talbewohner bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Hausberge und Hänge. Einige davon, wie der Hirschberg oder der Sonnenmoos sind auch heute noch allen bekannt. Andere wie der Kirschbaumhügel nur noch den Älteren von uns ein Begriff.

Bereits früh wurden erste Rennen und überregionale Wettkämpfe auf den Hängen im Tegernseer Tal ausgetragen. Im Jahr 1928 fanden erste Rennen am Wallberg statt und von 1938 bis 1951 waren der „Blitz vom Wallberg“ und ab 1954 das „Goldene Schild vom Wallberg“ die Aushängeschilder des Tals und gleichzeitig legendäre Veranstaltungen.

Darüber hinaus war der Wallberg Austragungsort zweier deutscher Meisterschaften in den Jahren 1937 und 1950. Mit der Fertigstellung der Wallbergbahn im Jahr 1951 nach nur rund einjähriger Bauzeit, wurde schließlich der Wunsch nach einem leichteren, weniger beschwerlichen Aufstieg erhört. Nun konnten noch mehr Skiliebhaber sich der Herausforderung der „Standardstrecke“ mit dem schon damals berühmt berüchtigten „Glaslhang“ stellen.

Am Glaslhang

Mit der Entstehung eines Sesselliftes am „Kircherlhang“ sowie einem hoch auf den Gipfel des Setzbergs im Jahr 1953 nahm das Skigebiet Wallberg immer konkretere Formen an.

Der Spitzing im Aufwind

Auch im Spitzingsee Gebiet wurden bereits früh Liftanlagen installiert. Der Startschuss fiel hier im Jahr 1953 mit der Inbetiebnahme einer Doppelsesselbahn vom Tegernseer Tal auf den Stümpfling. In Jahr 1961 wurden Schlepplifte an Nord und Osthang errichtet. 1969 wurde schließlich die Suttenbahn in zweiter Generation errichtet.

Früh gab es darüber hinaus Pläne die Skigebiete weiter zu erschleißen und noch attraktiver zu machen. Da der Naturschutz zu dieser Zeit keine Rolle spielte und langwierige Genehmigungsprozesse nicht von Nöten waren, entstanden in den 60er Jahren viele weitere Lifte im Tal.

„Grea Wasserl“, Bucherhang, Prinzenruh – viele dieser Namen aus der damaligen Zeit würde man heute wohl nicht mehr mit Wintersport in Verbindung bringen. Ins Zentrum der Überlegungen rückte in den 60ern auch die Idee die beiden Skigebiete, Wallberg und Spitzingsee miteinander zu verbinden.

Die bisweilen nur von ausgewiesenen Kennern und Könnern benutze Route der südlich des alten Walberghauses hinabführenden „Phönix“ Abfahrt über die Rettensteiner Almen bis hin zur Moni-Alm hätte den Anschluss zur Suttenbahn hergestellt. Die Pläne zur Errichtung einer regulären Abfahrt scheiterten jedoch und wurden insbesondere mit den mit der Zeit zunehmenden ökologischen und rechtlichen Hindernissen nicht weiter verfolgt.

Die Zeiten ändern sich

Doch wie so oft, viele in den damaligen Boomjahren des Skisports geschaffenen Gebiete und Dorflifte haben die Zeit nicht überdauert. Nach und nach mussten viele kleinere Betreiber aufgeben.

Im Jahr 1990 wurde der ursprüngliche Setzberglift abgebaut und durch einen Schlepplift ersetzt, der nur einen wesentlich kleineren und weniger anspruchsvollen Teil des Setzbergs erschloss. Der Weg hinauf zum Gipfel des Setzbergs blieb nun ohne Liftanbindung.

Durch die im Jahr 2000 folgende Demontage des Kircherlhangliftes wurde den Setzbergfahrern schließlich auch der direkte Rückweg zu Standardstrecke verwehrt. 2001 wurde der Betrieb des Setzbergliftes schließlich ganz aufgegeben und für den symbolischen Preis von 1 DM von der Wallbergbahn GmbH an den Skiclub Rottach-Egern verkauft.

Im Jahr 2003 musste schließlich die Spitzingsee Bergbahn Insolvenz anmelden. Der stetige Rückgang an Liftbenutzer und der besonders schneearme Winter 2003 hatten den traditionellen Familienbetrieb letztlich zur Aufgabe gezwungen. Einer der Gründe für die schwindenden Besucherzahlen ist sicher in den überalterten Liftanlagen im Besonderen und jahrelang versäumten Investitionen in die Modernisierung des gesamten Gebiets im Allgemeinen zu sehen.

So war vor allem der alte Lyra-Sessellift den Skifahren und Snowboardern nicht mehr zumutbar, wie der Schlierseer Bürgermeister Scherer gegenüber dem Münchner Merkur im Januar 2003 anmerkte. Mit dieser Meinung dürfte er gewiss nicht allein dargestanden haben.

Nach zähen Verhandlungen wurde mit der Schörghuber Gruppe schließlich ein Investor für das Spitzingsee Gebiet gefunden. Eine neu gegründete Gesellschaft als Tochterunternehmen der Schörghuber Gruppe hat seit der Übernahme 2003 bis heute rund 22 Millionen Euro in neue Lift-und Beschneiungsanlagen, sowie in das Gastronomieangebot investiert.

Millioneninvestition: Der neue Rosskopf-Sessellift

Auch von Seiten der Talgemeinden begrüßte man die Investitionen. Der Rottacher Bürgermeister Hafner sicherte den Betreibern im Jahr 2004 die Unterstützung des Gemeinderates zu und betonte damals, wie wichtig das Skigebiet Spitzingsee auch für die Gemeinde Rottach-Egern ist. „Gerade nach dem Wegfall des Skigebiets auf dem Wallberg durch die Einstellung der Pistenpräparierung braucht das Tegernseer Tal ein vernünftiges Skigebiet.“

Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Genehmigung ging dann doch alles schneller als gedacht. Bereits 2005 konnte die neue 4er Sesselbahn an der Sutten in Betrieb gehen, statt der bisher 1000 Personen können nun über 2200 Personen pro Stunde in wesentlich komfortablerer Weise zum Stümpfling transportiert werden.

Das Tegernseer Tal als moderne Ski-und Snowboardregion?

Ist nun mit der Modernisierung des Spitzingsee Gebietes der Anfang der 90 Jahre eingesetze Abwärtstrend der Skiregion Tegernseer Tal gestoppt? Die Antwort auf diese Frage fällt gemischt aus. Sicherlich ist die Modernisierung des größten Skigebietes ein enormer Zugewinn für das Tegernseer Tal als Ski und Snowboard Region.

Die gestiegene Aktraktivität lockt neben den Einheimischen natürlich auch mehr und mehr skibegeisterte Touristen ins Tegernseer Tal. Auch für viele Münchner ohne Auto ist die gute Anbindung zum Spitzingseegebiet mittels der Bayerischen Oberlandbahn und dem RVO ein wichtiges Argument ins Tegernseer Tal zum Skifahren zu kommen, wie Antonia Asenstorfer, von den Alpenbahnen betont.

Der Rottacher Bürgermeister Franz Hafner ist mit der Entwicklung des Spitzingseegebietes in den letzten Jahren ebenfalls sehr zufrieden, wie er gegebüber der Tegernseer Stimme betont. Als für Rottach-Egern sehr bedauerlich bezeichnete er unterdessen das Ende des Liftbetriebes am Sonnenmoos.

Die Gemeinde habe alles versucht Herrn Kandlinger davon zu überzeugen, seine Entscheidung nochmals zu überdenken, doch leider ohne Erfolg, wie Hafner weiter ausführte. Am Sonnenmoos wird es also vorerst keinen Liftbetrieb mehr geben. Wie aber sieht es mit anderen kleinen traditionsreichen Skigebieten im Tegernseer Tal aus.

Mit der Auslastung der Hirschberglifte in Kreuth ist der Besitzer Josef Kandlinger beispielsweise sehr zu frieden. „Die Leute kommen extra aus München zu uns, das bestehende Angebot wird sehr gut angenommen“. Eine Erweiterung und eine Komplettbeschneiung der Hauptpiste schließt Kandlinger unterdessen aus Gründen der mangelnden finanziellen Realisierbarkeit aus.

Neben den Liften am Hirschberg bietet das Tal auch heute noch viele weitere Wintersportmöglichkeiten. Doch das Angebot hat sich „ausdiffernziert“, wie die Tourismusexperten sagen: Freerider und Rodler nutzen den Wallberg. An den Oedbergliften in Ostin ist das Angebot trotz kleinem Hang so groß, dass gerade Familien dort ohne Probleme einen kompletten Tag verbringen können. Und am Kirchberglift in Kreuth kommen die Zwergerl und Anfänger auf ihre Kosten.

Die Kirchberglifte in Kreuth

Die Ski-und Snowboard Region Tegernseer Tal braucht sich also auch gegenüber ihren nächsten österreichischen Nachbarn nicht verstecken. Das Angebot habe sich, auch im Vergleich zu Christlum, verbessert. Luft nach oben gebe es aber schon noch, so das Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage unter den Skifahrern im Tal.

Und auch wenn viele der alten traditionsreichen Lifte heute nicht mehr existieren. Eine groß angelegte Erweiterung des Angebots wie beispielsweise die Verbindung von Wallberg und Spitzingseegebiet wäre vielleicht in den 60er und 70er Jahren möglich gewesen. Heute erscheint die Lösung als eine „Spinnerei“ aus der guten alten Zeit. Eine Zeit, in der die ökologischen Gesichtspunkte bei der Planung neuer Abfahrtsrouten keine Rolle spielten.

Eine Zeit, die nicht nur am Tegernsee vorbei zu sein scheint.


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