Sperrung wegen erheblicher Sicherheitsmängel

So soll der neue Mangfallsteg aussehen

Anfang April musste der Mangfallsteg in Seeglas gesperrt werden. Grund sind erhebliche Sicherheitsmängel. Klar ist: Ein Neubau muss her und der kostet die Gemeinde einiges. Jetzt wurde entschieden, wie die neue Konstruktion aussehen soll.

Der Mangfallsteg musste gesperrt werden. Die Verkehrssicherheit ist nicht mehr gewährleistet. / Quelle: Maxi Hartberger

Anfang April wurde der Mangfallsteg in Seeglas routinemäßig überprüft. „Der Gemeinde wurde empfohlen, den Steg wegen Mängeln bei der Standsicherheit zu sperren“, so Geschäftsleiter Florian Ruml damals am 3. April (wir berichteten). Bürgermeister Alfons Besel reagierte sofort und ließ den Steg nach der Nachricht innerhalb einer halben Stunde sperren.

Bei der gestrigen Gemeinderatssitzung wurde nun über den aktuellen Stand informiert und das weitere Vorgehen diskutiert. „Der Steg steht ja an sehr markanter Stelle, er markiert den Beginn der Mangfall, die sich dann auf einen 850 Kilometer langen Weg macht bis ins Schwarze Meer“, so Besel.

Holzpfähle zum Teil durchgebrochen

Eine Brückenprüfung habe ergeben, dass es gravierende Schäden gebe und die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann. Bereits im April war klar: Ein Neubau muss her. Der Gemeinderat musste deshalb darüber entscheiden, was für eine Bauart und welche Materialien gewollt und ob vorübergehende Sicherheitsmaßnahmen wirtschaftlich vertretbar sind.

Hierzu wurde Planer Sepp Schreder vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Rosenheim eingeladen. Der bestehende, 56 Meter lange Mangfallsteg wurde vorwiegend aus Holz und einzelnen Stahlträgern als Querträger gebaut. Die Grundkonstruktion bestehe aus jeweils paarweise angeordneten Lärchenholz-Pfählen. Auf zwei längsverlaufenden Stahlschienen befindet sich der Bodenbelag und das Geländer – beides ebenfalls aus Lärchenholz.

Bei der Brückenprüfung am 2. April stellte ein Statiker zahlreiche gravierende Schäden am Fundament fest. „Die Holzpfähle sind im Bereich der sogenannten Wasserwechselzone verfault, zum Teil auch durchbrochen. Die ganze Konstruktion ist einfach nicht mehr tragfähig“, so Schreder. Auch der Belag, die Geländerkonstruktion und die verrosteten Stahlträger zeigen: Der Steg ist alt und verbraucht.

Die Schäden an den Holzpfählen und Stahlträgern ist enorm. / Quelle: Maxi Hartberger

Eine Sanierung halte Schreder aus wirtschaftlicher Sicht nicht für sinnvoll. „Der Vorschlag lautet deshalb: ein Neubau in der gleichen Bauweise nach heutigen Standards.“ Zahlreiche Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamt im Bereich des Mangfallausflusses zeigen allerdings, dass man es hier mit einem sehr schwierigen Untergrund bestehend aus 13 bis 15 Meter tiefem Seeton zu tun hat.

Die Pfähle müssen bei dieser Konstruktion tief in den Seeton-Boden gerammt werden. „Je weiter man nach unten kommt, desto fester wird der Boden. Durch die Verbindung zwischen dem Holzpfahl und dem Boden entsteht eine Mantelreibung. Umso größer diese Mantelreibung dann ist, desto tragfähiger wird der Pfahl“, erklärte Schreder.

Neubau aus Lärchenholz und Stahlträgern

Konkret schlägt der Planer vor, das Fundament wieder aus 12 bis 14 Meter langen Lärchenholz-Pfählen zu bauen. Diese sollen dann im Bereich der Wasserwechselzone mit verzinkten Stahlhülsen verstärkt werden. Die Pfähle hätten eine Lebensdauer von zirka 20 bis 30 Jahren und sollen deshalb beim Neubau neben der Brückenkonstruktion und nicht mehr direkt darunter stehen. Dadurch können beschädigte Pfähle künftig einfacher ausgewechselt werden. Insgesamt soll die gesamte Konstruktion eine Spannweite von acht Metern haben.

Belastbar ist dieser Steg dann mit einem Fußgänger und einem Gemeindefahrzeug mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen.

Die nutzbare Breite des Gehwegs soll statt bisher 1,50 Meter beim Neubau 2,50 Meter betragen. „Dadurch ist auch Begegnungsverkehr von zwei Rollstuhlfahrern problemlos möglich.“ Das Geländer ist beim jetzigen Steg 99 Zentimeter hoch. Aus baurechtlichen Gründen muss das Geländer allerdings mindestens 1,30 Meter hoch sein. Zudem müssen Relingstäbe aus Holz horizontal mit einem Abstand von maximal 12 Zentimeter angeordnet werden, „damit ein Kind da nicht seinen Kopf durchstecken kann.“

Dritte Bürgermeisterin Christine Zieren (FWG) zeigte sich von der Höhe und Gestaltung des Geländers allerdings nicht begeistert: „Schee schreibt ma anders.“ Doch aus Sicherheitsgründen gebe es laut Schreder hier keinen Spielraum: „Baurecht geht nun mal vor Schönheit.“

Erste Kostenschätzung für den neuen Steg

Da es sich hier um einen öffentlichen Steg handelt, ist neben einer geprüften Statik auch ein eigenes Bodengutachten nötig. Statt Holzpfählen gebe es zudem auch noch die Alternative der Stahlpfähle. Damit verändere sich dann natürlich die gesamte Optik, so Schreder. Die geschätzten Kosten für den gesamten Neubau inklusive Abbruch des alten Steges setzen sich wie folgt zusammen:

  • Steg: zirka 250.000 – 350.000 Euro brutto
  • Stahlpfähle statt Holzrammpfähle würden die Kosten um zirka 30.000 – 50.000 Euro steigern
  • Bodengutachten: zirka 20.000 Euro
  • Planung und Prüfstatik: 70.000 Euro

Eine Alternative zur Holzkonstruktion wäre laut Bürgermeister Besel eine freischwingende Brücke aus Beton. Dagegen sprach sich die Mehrheit der Gemeinderäte allerdings aus: „Der Mangfallsteg ist wie eine Art Wahrzeichen von Gmund“, erklärte unter anderem Korbinian Kohler (CSU). Auch Florian Floßmann (FWG) plädierte dafür, an der Gestaltung mit Holz festzuhalten.

Über eine halbe Stunde lang diskutierte das Gremium dann über Holzarten, Durchmesser der Pfähle, andere Konstruktionsmöglichkeiten, Stahlträger, Betonalternativen und Finanzierung. Nach zahlreichen Wortmeldungen und langem Hin und Her beschloss man letztendlich mit vier Gegenstimmen die jetzige Konstruktionsart mit modernen Standards beizubehalten und das Projekt auf den Weg zu bringen.

Das ambitionierte Ziel der Gemeinde: Bis zum Ende des Jahres soll der neue Steg stehen. Provisorische Sicherheitsmaßnahmen lehnte das Gremium aus wirtschaftlichen Gründen ab. Bis zum Neubau bleibt das andere Mangfallufer deshalb nur durch einen Umweg über die Seestraße, die Max-Obermayer-Straße weiter über den Ludwig-Erhard-Platz erreichbar.

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