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Verschlammte Schwaighofbucht

So viel kostet das Ausbaggern des Tegernsees

Von Nicole Posztos

An der Mündung der Rottach sollen zehntausende Kubikmeter Schlamm im Tegernsee lagern. Seit Jahren sorgt der für erregte Diskussionen. Am Freitag kamen nun zum ersten Mal konkrete Kosten für das Ausbaggern des Sees auf den Tisch.

Keiner weiß, wie man mit dem Schlamm in der Schwaighofbucht umgehen will.

Das Unterfangen, die Schwaighofbucht irgendwann mal wieder in einen Badestrand zu verwandeln, gestaltet sich schwierig. Angefangen hat alles mit einer Unterschriftenliste vor drei Jahren, die Gertraud Eberwein und der Verein ‚Rettet den Tegernsee‘ ins Leben gerufen hatten. 1.400 Bürger unterstützen mittlerweile den Plan, den verschlammten Bereich wieder badetauglich zu machen.

Die Stadt Tegernsee reagierte und ließ gemeinsam mit dem Verein ‚Rettet den Tegernsee‘ und dem Wasserwirtschaftsamt ein Gutachten erstellen. Nach etlichen Monaten und Verzögerungen wurde das Ergebnis dann im Februar im Stadtrat behandelt. Das bei dem Münchner Unternehmen bioConsult in Auftrag gegebene Papier sollte das entscheidende Kriterium klären, ob der Schlamm belastet ist oder nicht.

Ist ein riesiges Absetzbecken die einzige Lösung?

Wie berichtet, sei laut Gutachter Peter Nisslbeck eine Untersuchung des Schlamms mit Bohrkernen allerdings „nicht zielführend“, da daraus keine Rückschlüsse auf die Gasbelastung von Methan und Schwefelwasserstoff möglich seien. Stattdessen schlug Nisslbeck damals ein Pilotprojekt vor, bei dem bis zu 1.000 Kubikmeter Schlamm entnommen und in ein Absetzbecken geschaffen werden sollten.

„Wir rechnen hier in der Bucht mit ungefähr 60.000 Kubikmeter Schlamm“, verdeutlichte Rathauschef Johannes Hagn damals das Szenario. Da könne man sich ausrechnen, wie hoch das Absetzbecken dann sein müsse. Wäre der Schlamm dann erstmal in diesem Becken, müsste er abtropfen und teuer entsorgt werden. Ob das Abtropfwasser wieder in den See ablaufen kann, ist unklar. Zudem müssten für den Abtransport des Schlamms große Schwerlaster zur Bucht fahren.

Nun hat sich der Verein „Rettet den Tegernsee“ erneut mit dem Thema öffentlicht befasst. Auf der Hauptversammlung am vergangenen Freitag hatte die Gruppe um den Rottacher Andreas Scherzer mehrere Fachleute ins Rottacher Seeforum geladen. Heraus kam: ein Entfernen des Schlamms sei ohne weiteres möglich. So erklärte der Vereinsvorsitzende Scherzer bei seiner Rede, dass die Verschlammung durch menschlichen Eingriff entstanden sei. Bereits in der Vergangenheit wurde die Bucht ausgegraben und der Schlamm abtransportiert.

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Eigens gekommen war am Freitag auch Reinhard Seilmaier. Dessen Firma „Wurzer Umweltdienst“ ist unter anderem für die Entfernung von Ästen und grobem Schmutz verantwortlich. Bei der Versammlung erklärte Seilmeier, dass man die Schwaighofbucht ohne große Probleme mit einem Schwimmbagger ausheben könnte. Der Schlamm könnte dann am Ringsee zwischengelagert werden. Die Kosten bezifferte der Experte auf rund 13 bis 15 Euro – pro Kubikmeter.

Über die Menge an Schlamm, die in der Bucht lagern, gehen die Meinungen dabei weit auseinander. Zwischen 60.000 und 120.000 Kubikmeter sollen es mindestens sein. Ein Volumen, das allerdings mit „einem Faktor X“ multipliziert werden muss. Denn wie Fachleute betonen: Mit dem Schlamm wird auch Wasser abgepumpt. Dementsprechend teuer ist die Lösung des Ausbaggerns. Rund 4,7 Millionen Euro werden grob kalkuliert.

Doch die nicht nur die Kosten sind ein Problem. Das ganze ist zudem äußerst langwierig. So erklärte die Stadt Tegernsee, dass man auch bei einem Eingriff mit ziemlicher Sicherheit nicht an einem Planfeststellungsverfahren vorbeikomme. Sicher ist somit nur eins: die zwischen Tegernsee und Rottach gelegene Bucht wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Oder wie es Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn jüngst auf den Punkt brachte: „Das ist eine Sache von Jahren“.


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