Risiken minimieren - Kinder und Jugendliche unterstützen

Soziale Netzwerke: 7 Tipps für den Umgang

Von Steffen Greschner

Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes sind die Haushalte, in denen Jugendliche aufwachsen, heute fast vollständig mit einem Internetzugang ausgestattet. 52 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen nutzen das Internet völlig eigenständig. Sogar 87 Prozent verfügen über ein eigenes Profil in sozialen Netzwerken.

Dass der Umgang mit dem Internet dabei auch Risiken birgt, steht außer Frage. Hier sind die Eltern gefragt, ihren Kindern zur Seite zu stehen. Wir haben in diesem Beitrag sieben praktische Tipps gesammelt, was man dabei als Elternmitglied beachten sollten.

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, worin eigentlich der Reiz eines sozialen Netzwerks liegen soll? Zumindest für Jugendliche ist es das Normalste auf der Welt. Man kann dort Freunde „sammeln“, auf einer Art „Pinnwand“ Nachrichten und Bilder veröffentlichen und „Gruppen“ beitreten, beziehungsweise selbst gründen.

Man „netzwerkt“ eben, tauscht sich aus, stellt sich dar. Das ist ein großer Spaß, der aber immer auch Risiken birgt, sofern man gewisse Regeln nicht beachtet. So wie beim Einstellen einer Veranstaltung.

Facebook-Partys

Der Begriff „Facebook-Party“ ist bereits deutschlandweit berüchtigt, und Berichte über aus dem Ruder gelaufene Privatfeiern von Jugendlichen mit Tausenden von Gästen sind in der Medienlandschaft allgegenwärtig. Schuld daran sind meist falsche Einstellungen. Was als private Geburtstagsfeier für wenige Freunde gedacht war, wird zum Treffpunkt für alle Facebook-Nutzer, die zufällig über die Einladung gestolpert sind.

So geschehen auch in Kreuth Mitte Juni. Eigentlich sollte es bloß eine nette kleine Party mit Freunden werden, schließlich waren die Eltern verreist, und man hatte das ganze Haus für sich. Doch dank einer Unachtsamkeit kam alles ganz anders. Beim Erstellen der Veranstaltung auf Facebook vergaß der 18-Jährige, bei den Einstellungen zur Privatsphäre auf „Freunde“ zu klicken, machte damit die Veranstaltung für alle sichtbar und zu einem nunmehr öffentlichen Event.

Auf der Facebook-Party in Kreuth. Zu der Zeit waren es noch wenige Gäste.

Jetzt konnte jeder, der wollte, darauf zugreifen und noch mehr Freunde auf die Party aufmerksam machen. Innerhalb von wenigen Stunden gab es bereits über 2.000 Zusagen. Sogar aus Baden-Württemberg kündigte sich ein DJ an, der für die Musik sorgen wollte. Am Ende kamen zwar „nur“ 160 – doch der Ärger war da. Die aufgeschreckten Eltern kamen noch in der Nacht aus dem Urlaub in Südtirol zurück.

Ein paar Regeln, die man beachten sollte

Wie auch im realen Leben ist im „virtuellen Raum“ ein 100-prozentiger Schutz vor allen Risiken nicht möglich. Aber man kann mit einfachen Regeln Fehler vermeiden. Ein wesentlicher Unterschied zwischen traditionellen Medien und dem Internet besteht beispielsweise in der Art des Mediums. Bei Radio, Fernsehen und Print sind die meisten Menschen nur Empfänger. Online sind sie jedoch häufig auch Sender. Sie können also selbst Informationen verbreiten an eine wie auch immer geartete Öffentlichkeit, die aus wenigen, aber auch aus zig-tausenden von Menschen bestehen kann.

Bei allen Angeboten des Webs sind insbesondere soziale Netzwerke darauf ausgelegt, dass ihre Nutzer Inhalte erstellen. Meist in Form von Kommentaren, Fotos oder Videoaufnahmen. Ganz überwiegend sind dies jedoch „private Informationen“, über deren „Veröffentlichung“ man erst nachdenken sollte.

Ein konkretes Beispiel: Sie waren auch mal jung und haben vielleicht bei einer Fete über den Durst getrunken, und dann ist Ihnen etwas Peinliches passiert? Kein Problem. Wir alle begehen Fehler. Glücklicherweise hat Sie niemand fotografiert oder gefilmt. Heute sind Kameras allgegenwärtig, klein und oft unerkannt im Gebrauch.

Und es macht vielen einen „Heidenspaß“, die „Peinlichkeiten“ von anderen aufzunehmen und flugs ins Internet zu stellen. Das zu kontrollieren, ist sehr schwer. Viele stellen aber auch ganz freiwillig Bilder von Saufgelagen oder Ähnlichem ins Internet, weil sie es „lustig“ finden. Dass man damit aber sich selbst und seinen Ruf beschädigen kann – so weit denken viele nicht.

Das Internet ist ein „Massenmedium“ – wer hier Inhalte erzeugt, muss sich das immer wieder klarmachen. Mit einer gewissen Skepsis vor dem eigenen Handeln kommt man hier aber auch gut zurecht.

Nachfolgend 7 praktische Tipps, die den Umgang mit dem Internet und damit auch sozialen Netzwerken erleichtern

Tipp 1: Medienkompetenz heißt, klug mit Medien umzugehen

Der vielleicht wichtigste Tipp von allen: Sie müssen die technischen Hintergründe und Funktionsweisen sozialer Netzwerke nicht bis ins letzte Detail verstehen, um ihrem Kind eine gewisse Kompetenz zu vermitteln.

Im Prinzip gibt es keinen großen Unterschied zwischen dem realen und dem virtuellen Leben – bis auf einen: Das Internet ist ein riesiges Protokollmedium, ein Archiv, das wenig vergisst, und Computer sind eine Art perfekte Kopiermaschine.

Was einmal digitalisiert wurde, lässt sich unbegrenzt kopieren und speichern. Und: Wer eine Information ins Internet stellt, verliert unter Umständen sehr schnell die Kontrolle darüber, weil andere diese wie auch immer weiternutzen können.

Tipp 2: Vertrauen Sie Ihrem Kind

Es ist die Norm, dass zwischen Eltern und Kind ein Vertrauensverhältnis herrscht. Vermeiden Sie es nach Möglichkeit, dieses Vertrauensverhältnis zu stören. Jeder Mensch besitzt eine Privats- und Intimssphäre. Auch die eigenen Kinder.

Es gibt Dinge, die ein Kind für sich behalten will. Die Gründe hierfür können vielfältig und aus Sicht eines Erwachsenen manchmal nahezu bedeutungslos sein. Nehmen Sie nach Möglichkeit trotzdem darauf Rücksicht.

Tipp 3: Hören Sie Ihrem Kind zu

Wenn ein Kind von der Schule nach Hause kommt, hören wir ihm normalerweise zu. Weil wir selber mal zur Schule gegangen sind. Weil wir aufmerksam sind.

Hören Sie auch zu, wenn Ihr Kind am PC war und Ihnen etwas über Facebook, SchuelerVZ & Co. erzählt?

Kennen Sie keines dieser Netzwerke, wird es natürlich schwierig, dort genutzte Begriffe in einen Kontext zu setzen. Hören Sie dennoch aktiv zu, fragen Sie nach und lassen Sie sich unbekannte Begriffe oder das jeweilige Netzwerk erklären. Sie werden schnell merken, ob Ihr Kind „verantwortlich“ damit umgeht oder hier ein wenig „Nachhilfe“ braucht.

Tipp 4: Lassen Sie sich auf das Medium ein

Das Internet und soziale Netzwerke sind nicht schlecht oder böse oder gut und hilfreich. Es kommt immer darauf an, was man damit macht und wie man es nutzt.

Klar gilt es, die tatsächlichen Gefahren im Blick zu haben und Kinder vor radikaler Propaganda, Gewaltdarstellungen und Pornografie zu schützen. Es gilt aber genauso, die positiven Seiten zu fördern, beispielsweise beim Übergang von der Schule zur Berufsausbildung.

Viele größere Unternehmen googeln inzwischen die Namen ihrer Bewerber, um sich ein „Bild“ der Kandidaten zu machen – auch in sozialen Netzwerken wird dabei nachgeschaut. Hier kommt es meist zu einem „ersten Eindruck“ – der kann positiv, aber auch negativ sein. Dafür ist man selbst verantwortlich.

Tipp 5: Verdeutlichen Sie Ihrem Kind die „Nichtanonymität“

Im Netz ist niemand anonym. Zwar kann man falsche Profile anlegen und „Wegwerf“-Mailadressen benutzen. Doch insbesondere in sozialen Netzwerken macht dies keinen Sinn.

Hier ist ein Großteil unter dem echten Namen vertreten.

Machen Sie Ihrem Kind klar, dass jede Handlung im Netz auch eine öffentliche Handlung sein kann. Insbesondere bei schwachen Datenschutzeinstellungen. Die Hemmschwelle, im Netz etwas zu veröffentlichen, ist häufig geringer als im „echten“ Leben.

Tipp 6: Vertrauen ist wichtig, Kontrolle aber auch

Sie wollen wissen, was „in diesem Netzwerk da“ los ist.

Äußern Sie diesen Informationswunsch und deuten Sie konkret an, dass Sie irgendwann nach „bedenklichen Sachen“ Ausschau halten wollen, aber auch vertrauen, dass Ihr Kind „nichts Schlimmes“ dort „gemacht“ hat.

Im günstigsten Fall wird Ihr Kind nun selbstverantwortlich mit einer Bereinigung „bedenklicher Inhalte“ beginnen. Diese Form der Selbstkontrolle und die Aussicht auf externe Kontrolle lassen Kinder verantwortlicher mit dem Internet umgehen.

Tipp 7: Netzwerken Sie selbst

Sie müssen dafür nicht unbedingt bei Facebook und Co. ein Profil haben. Tauschen Sie mit anderen Eltern Ihre Erfahrungen aus – die positiven wie die negativen.


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