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Barrierefreiheit erst mit E-Zügen

SPD will Schienen für LINT tunen

Von Sabiene Hemkes

Die Züge der Bayerischen Regional Bahn, aber auch die Bahnhöfe an der Strecke sorgen regelmäßig für Diskussionspotential. Sie quietschen, pfeifen und passen einfach nicht ins Oberlandprofil. Nun meldet sich die SPD zu Wort und fordert Nachbesserungen für den Bahnhof in Tegernsee.

Der Bahnhof Tegernsee soll barrierefrei ausgebaut werden – für die LINT Züge heißt das aber noch lange nicht barrierefrei

Als im Februar bekannt wurde, dass das Land Bayern den Umbau der Bahnsteige an Gleis 1 und 2 mit 2,4 Millionen bezuschussen wird, war die Freude groß. Die Baumaßnahme wird nötig, da der Bahnsteig in Tegernsee der letzte im Streckengebiet der Bayerischen Regional Bahn ist, der nicht über die Standardhöhe der Bahnsteigkante von 76 Zentimetern verfügt. Im Moment befinden sich die beiden Bahnsteige noch in der 1902 angelegten Höhe von 38 Zentimetern.

Bei einem veranschlagten Bauvolumen von insgesamt zirka 3,7 Millionen Euro für das Projekt, ist die Tegernsee-Bahn Betriebsgesellschaft mbH (TBG) in der Lage die restlichen 1,3 Millionen Euro zu finanzieren. Gesellschafter der TBG sind die Stadt Tegernsee, die Gemeinde Gmund und der Landkreis. Die Förderung der Maßnahme durch den Bund begründete Ilse Aigner (CSU) Stimmkreisabgeordnete und Landtagspräsidentin, im Februar mit den Worten: “Das (Projekt) ist wichtig und richtig, damit wir hinsichtlich der Barrierefreiheit im Bahnverkehr schneller vorankommen.“

Erst gings runter – jetzt hoch

Wobei der Begriff „schneller“ wohl eher relativ zu verstehen ist, wie Thomas Mandl von der Tegernseer SPD meint: „Die Bahnsteigerhöhung auf 76 Zentimeter verhindert bei den aktuell eingesetzten Dieseltriebwagen vom Typ LINT einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg. Vielmehr kehrt sich nur die Stufe zum Zug um, nämlich vom Bahnsteig hinunter in den LINT statt wie bisher vom Bahnsteig hinauf. Dieser Missstand war auch ein Grund für die Klagen der Behindertenverbände bei Start der neuen Triebfahrzeuge im letzten Jahr.“ Zwar begrüße die SPD grundsätzlich die geplante Modernisierung der Gleisanlagen, erklärt Mandel weiter, doch die Lösung sei sehr unbefriedigend.

Statt hoch in die LINT zu steigen wie jetzt, werden die Fahrgäste nach der Erhöhung der Bahnsteigkanten in den Zug hinabsteigen.

Womit Mandel Recht hat, wie Heino Seeger, Geschäftsführer der TBG auf Nachfrage bestätigt. „Barrierefrei werden die Bahnsteige in Tegernsee auch nach der Modernisierung nicht sein.“ Aber sie seien dann eben genauso hoch, wie alle anderen Bahnsteige im Streckennetz der BRB. „Und wie allseits bekannt ist, erfüllt keiner dieser Bahnhöfe seit dem Einsatz der neuen Züge die Vorgabe der Barrierefreiheit“, ergänzt der Geschäftsführer.

SPD fordert alles anzuheben

Die SPD Tegernsee hält aber diesen Umstand für nicht hinnehmbar und fordert Nachbesserungen. Sie hat selbst schon einen Lösungsvorschlag anzubieten: Die Gleisbetten sollen beim anstehenden Umbau auf 55 Zentimeter aufgeschottert werden. „Das bedeutet, dass das Gleisbett für die „Restlaufzeit“ der LINT eine 21 cm höhere Schotterschicht erhält, um stufenlos einsteigen zu können“, erklärt Mandel. Sollte dann irgendwann auf die neuen E-Züge umgestellt werden, könne man einfach den Schotter wieder abtragen.

Seeger hält den Vorschlag der SPD für nicht umsetzbar: „Wir haben in den letzten Jahren immer wieder mit Ingenieuren zusammen versucht eine technisch wie finanziell tragbare Lösung zu finden.“ In diesem Zusammenhang sei auch die Möglichkeit der Gleisbetterhöhung diskutiert, aber auch schnell wieder verworfen worden. „Eine solche Veränderung zieht viele zusätzliche Maßnahmen nach sich, die sich auf das gesamte Logistik des Bahnhofsareal mit Hallen, Weichen und Ausweichschienen auswirken würde. Selbst die Strecke bis Gmund müsse angepasst werden. „Dieser Aufwand wäre einfach viel zu groß“.

Bahnsteige bis 2023 modernisiert

Das Plan-Genehmigungsverfahren für die Modernisierung des Tegernseer Bahnhofs laufe bereits, berichtet Seeger und fügt noch an: „Wir wollen bis 2023 die Arbeiten, die schon seit dem Jahr 1998 überfällig sind, endlich abgeschlossen haben.“ Bei der Nachfrage wie sinnvoll es sei, Züge einzusetzen, die es verhindern in den nächsten Jahren einen barrierefreien Ein- und Ausstieg zu gewährleisten, lächelt Seeger nur. “Das ist nicht meine Baustelle”.


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