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Wiesseer König-Ludwig-Quelle wird versiegelt

Spezialfirma stößt auf Öl und Gas

Was die Vorfahren schon fanden, ist nun ein Problem: die Öl- und Gasvorkommen auf dem Jodbadareal. Dennoch werden die Energieträger nicht genutzt, sondern das Bohrloch versiegelt. Und das ist alles andere als günstig.

Am Jodbad arbeitet seit Wochen eine Spezialfirma an der Versiegelung der König-Ludwig III-Quelle.

Bereits vor mehr als hundert Jahren brach am Tegernsee die Gier nach dem schwarzen Gold aus. Der spätere Begründer des Heilbades Wiessee, der Holländer Adrian Stoop, fasste 1904 den Entschluss, „Explorations-Bohrungen im Erdöl-Terrain in Wiessee“ vorzunehmen. Viele Jahre zuvor stieß man bereits bei Schürfungen und Probebohrungen auf Petroleum und Erdöl. Stoop machte aus den Ölvorkommen ein Industrieunternehmen, die „Königlich holländische Petroleumgesellschaft“.

Bis zu zwölf Bohrtürme veränderten das Bild von Wiessee. Aus dem Bauerndorf wurde ein Industriestandort. Tausende Tonnen Erdöl wurden zunächst mit pferdebespannten Tankwagen zum Bahnhof nach Gmund gebracht und dort in Tankwaggons der Bahn gepumpt. 1910 kam auch hier der Fortschritt: eine Pipeline von Wiessee nach Gmund. Aber die Quellen versiegten. 1927 wurde letztmalig Petroleum gewonnen. Doch bereits im Mai 1909 stieß Stoop im Bohrloch III in einer Tiefe von 714 Metern auf eine Quelle, die nach „faulen Eiern“ roch.

Anfangs schenkte man dem „stinkenden Wasser“ noch wenig Bedeutung. Jedoch erkannte man schnell die heilende Wirkung des Jod-Schwefel-Wassers. Bereits ein Jahr später, am 22. Juli 1910, wurde das erste Wiesseer Quellenbad eröffnet. Die Geburtsstunde für den späteren Kurort. Dieser wurde über Jahrzehnte von drei Quellenfassungen mit dem Heilwasser versorgt: der König-Ludwig III, der Wilhelmina und der Adrianus. Letztere ist die einzige noch aktive Bohrung.

Kostensteigerungen bei Quellensanierungen

Die König-Ludwig III-Quelle wurde nach einer Gasexplosion 1972 stillgelegt. Wie berichtet, wurde sie damals nicht ordnungsgemäß verschlossen. Dies geschieht nun auf Anordnung des Bauamtes seit Anfang Januar. Eigentlich hätte die Versiegelung bereits einen Monat später erfolgen sollen. Doch es traten unerwartete Schwierigkeiten auf, wie Bauleiter David Heide von der ausführenden Firma H. Angers Söhne am Bohrloch erklärt:

Die Verzögerung gab es, weil der Ausbauplan der Bohrung sich anders dargestellt hat, als in den Unterlagen, die wir bekommen haben. Wir mussten die Bohrung totpumpen, weil Öl und Gas zu Tage gefördert wurde.

Dies sei mit mehr Aufwand verbunden gewesen. Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) geht ins Detail: „Im Zuge der Arbeiten wurde ein Kugelventil der alten Kolbenpumpe gefunden, das entgegen der vorherigen Rechercheergebnisse in den 70er Jahren nicht ausgebaut wurde, sondern im Förderrohr verblieben ist. Für das Fortsetzen der Arbeiten musste ein sogenannter ‘Bridge Plug’ angeschafft und eingebaut werden.”

Hierdurch konnte, so Höß weiter, das – nicht vorhersehbare – technische Problem gelöst und die Arbeiten reibungslos fortgesetzt werden. Der erhöhte technische Aufwand habe zu Mehrkosten von EUR 34.955 geführt. Dies bedeutet unter dem Strich, dass allein das Ende dieser Quelle insgesamt 335.000 Euro kostet. Die Abschlussarbeiten sollen bis Ende nächster Woche erfolgen. „Der Holzturm bleibt erhalten. Er soll später als Museum ausgebaut werden“, sagt Bauleiter Heide.

Reichen zwei Millionen Euro?

Für die Modernisierung der aktiven Adrianus-Quelle einschließlich Pumpenhaus werden gut eine Million Euro veranschlagt. Doch der einfache Holzbau war im Gemeinderat vor einem Monat nicht unumstritten. Letztlich aber genehmigte das Gremium mit einer Gegenstimme die Investition. Bei der es aber nicht bleiben dürfte. Denn laut Höß sind die eigentlichen Sanierungskosten der Adrianus-Pumpe noch nicht in der veranschlagten Million enthalten.

Ein weiterer Kostenfaktor ist die Wilhelmina-Quelle, die schon einige Jahrzehnte nicht überholt worden sei und dringend modernisiert werden müsse. Um die Auftragsvergabe dafür geht es heute Abend auf der Gemeinderatssitzung im nicht öffentlichen Teil. Dann dürfte auch zur Sprache kommen, ob es angesichts der doch sehr kostenintensiven Quellensanierungen bei den veranschlagten zwei Millionen Euro bleiben wird.


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