Wiesseer Spielbank: Die größten Befürchtungen sind nicht eingetreten

Von Steffen Greschner

Zweite Ergänzung vom 30. Dezember / 10:48 Uhr
Das Casino in Bad Wiessee war eines der kritischen Themen des Jahres. Immer wieder gab es neue Hiobsbotschaften über Umsatzeinbrüche und mögliche betriebsbedingte Kündigungen. Ausgelöst wurde das ganze durch die desolate Lage der Bayrischen Spielbanken.

Auch in Wiessee ist der Bruttospielertrag seit Jahren rückläufig. Doch das Casino erwirtschaftet immer noch einen Gewinn. Ganz im Gegensatz zu dem Gesamtertrag der insgesamt neun Häuser.

Die Spielbank Bad Wiessee verzeichnet auch für 2011 einen Umsatzrückgang.

Und so sollten von den knapp 730 Mitarbeitern bayernweit 151 gehen. Das Ziel war es im Rahmen eines Freiwilligenprogramms soviele Mitarbeiter wie möglich von einem Aufhebungsvertrag zu überzeugen. Das hat zum Start im Sommer erstaunlich gut geklappt. So gut, dass in Wiessee 10 Mitarbeiter mehr gegangen sind, als die 16, mit denen man eigentlich gerechnet hatte.

Zeitweise sprachen die Verantwortlichen von einem gefährlichen Personalmangel. Das Große Spiel ist immer noch das Zugpferd für die Spielbank. Allerdings ist es auch sehr personalintensiv. Eine weitere Reduzierung der Öffnungszeiten hätte ein Umsatzrisiko bedeutet. Und so werden aller Voraussicht nach im kommenden Jahr Mitarbeiter von anderen Spielbanken das Team in Bad Wiessee verstärken.

Dabei sind die schlimmsten Befürchtungen glücklicherweise ausgeblieben, wie Antje Schura, die Direktorin der Wiesseer Spielbank gegenüber dem Merkur betont. Sie sei vor allem froh darüber, dass nun kein Mitarbeiter mehr um seine Existenz bangen muss.

Trotz allem wird auch 2011 der Spielertrag und der erwirtschaftete Gewinn weiter sinken. Daran hat auch der im letzten Dezember eröffnete „Raucher-Wintergarten“ nichts ändern können, wie Schura zugibt. Nun hofft die Direktorin auf den neuen Glückspielstaatsvertrag, mit dem die Spielhallenbetreier, die gleichzeitig die größte Konkurrenz für die staatlichen Casinos darstellen, ein wenig in ihrem bisher nur schwach reglementierten Betrieb eingeschränkt werden könnten.

Der Innenraum des Wintergartens im November letzten Jahres.

Wie auch immer die Spielbank die Trendwende einleiten möchte. Der Wiesseer Bürgermeister Peter Höß freut sich wahrscheinlich über jede positive Veränderung. Bereits im November letzten Jahres stellte Bürgermeister Höß auf einer Sitzung im Kurausschuss fest, wie stark sich bereits jetzt die gesunkenen Erträge und die immer noch hohen Schulden für das Gebäude auf die Gemeindearbeit auswirken:

Wir können die Seepromenade nicht so verschönern, wie vor einigen Jahren geplant. Geschweige denn das Seeforum in der Form hinstellen, wie noch vor drei Jahren vom Gemeinderat verabschiedet. Denn die Realität ist die: Durch den Rückgang in der Spielbank haben wir ganz einfach pro Jahr 1,5 Millionen Euro weniger in der Kasse. Und das müssen wir akzeptieren.

Ergänzung vom 05. August:
Das Thema Spielbanken ist im Bayrischen Landtag angekommen. Wie uns Antje Schura, die Direktorin der Wiesseer Spielbank, telefonisch mitgeteilt hat, waren gestern Verteter der Lotterieverwaltung, zwei Landtagsabgeordnete, ein Verdi-Landesfachsbereichsleiter und ein Staatssekretär des bayrischen Finanzministeriums zu Besuch. Das Ziel: eine Art Informationsgespräch über die weitere Entwicklung des Wiesseer Casinos.

Antje Schura, die Direktorin der Wiesseer Spielbank

Denn wie alle anderen Casinos in Bayern musste auch Bad Wiessee an dem Freiwilligenprogramm zur Reduzierung von bayernweit 140 Arbeitsplätzen teilnehmen. Doch in Wiessee lief das Programm erfolgreicher als erhofft. Laut Antje Schura hätten 16 Mitarbeiter ausgereicht. Insgesamt 26 sind es am Ende geworden.

Einer der Gründe weswegen die Öffnungszeiten um eine Stunde reduziert werden mussten. Die ersten hatten sich daraufhin Sorgen um das sehr personalintensive aber traditionell auch umsatzstarke Große Spiel gemacht. Doch laut Schura habe es seither keine weiteren Umsatzeinbuße wegen der verkürzten Öffnungszeiten gegeben.

Trotz allem ist die Situation paradox. Denn Bad Wiessee braucht nun plötzlich neue Mitarbeiter. Im Optimalfall sollen die bei den anderen Spielbanken gefunden werden. Einerseits für den sogenannten spieltechnischen Bereich, aber andererseits auch im Gästeservice sind die Arbeitskräfte am Limit.

Das Ergebins des gestrigen Spitzengesprächs ist die Erarbeitung von Konzepten für jede einzelne Spielbank. Dabei betont Schura wie wichtig eine individuelle Betrachtung der Wiesseer Spielbank ist. „Wir haben andere Gäste wie beispielsweise Lindau, ein anderes Klientel, eine andere Konkurrenzsituation. Und vor allem ist das Große Spiel bei uns traditionell stark. Das müssen wir in das zukünftige Konzept mit einfließen lassen.“

Ursprünglicher Artikel 06. Juli mit der Überschrift: „Bayrische Spielbanken bleiben alle erhalten – Ungewisse Zukunft für das Wiesseer Casino“
Neun Spielbanken gibt es im Freistaat Bayern. Zwei davon schreiben schwarze Zahlen. Neben Feuchtwangen ist Bad Wiessee das zweite der bayernweiten Casinos, welches noch Gewinne erwirtschaftet.
Doch auch das einigermaßen stabile Große Spiel, der Hauptumsatzbringer in Bad Wiessee, könnte durch die aktuelle Entscheidung des Finanzministeriums in einen gefährlichen Abwärtsstrudel geraten.

Trotz der Millionenverluste hält die oberste Behörde an allen Spielbanken fest. Und damit auch an den beiden Casinos in Bad Kötzing und Bad Steben, die laut Finanzministerium seit ihrer Eröffnung Verluste einfahren. Alleine in diesem Jahr werde man voraussichtlich insgesamt acht Millionen Euro Defizit einfahren.

Die Lage sei ziemlich ernst, so Erwin Horak, Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Man versuche zwar für alle Casinos eine individuelle Lösung zu finden. Optimalerweise ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Hafner: „Denke nicht, dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird!“

Von den 140 angepeilten Stellen haben die Verantwortlichen bayernweit nur 60 durch Abfindungen abbauen können. Zu wenig, um die hohen Personalkosten in den Griff zu bekommen.

In Bad Wiessee alleine waren es 20 Mitarbeiter, die das letzten Montag abgelaufene Angebot „Abfindung und Aufhebungsvertrag“ angenommen haben. Mit einer Nachbesetzung aller Stellen rechnet dort jedoch niemand. Möglich sogar, dass weitere Positionen gestrichen werden müssen. Vereinzelte betriebsbedingte Kündigungen wären die Folge. Franz Hafner, Bürgermeister von Rottach-Egern, schätzt das Risiko dafür als sehr gering ein:

Ich glaube nicht, dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird. Also wird auch keiner zwangsweise gehen müssen. Aber 100% sicher bin ich mir auch nicht.

So Paradox es klingt. Für Bad Wiessee läge das größte Risiko in einer weiteren und überhasteten Reduzierung des Personals. Aufgrund der Abgänge musste bereits heftig umstrukturiert werden. Das personalintensive, aber umsatzstarke Große Spiel soll unter allen Umständen ohne weitere Abstriche bei den Öffnungszeiten aufrecht erhalten werden. Weitere Abgänge würden das jedoch gefährden. Eine negative Spirale wäre die mögliche Folge, an deren Ende Verluste im derzeit profitablen Wiesseer Casino stehen könnten.

Weitere Gewinne sind für Bad Wiessee sehr wichtig

Der Oberste Rechnungshof hat auf die Notwendigkeit einer raschen Schließung einzelner Häuser hingewiesen. Politisch jedoch ist das derzeit nicht umsetzbar. In einigen Regionen hat das Land darüberhinaus lange Mietverträge mit den Gemeinden für die Nutzung der Spielbanken abgeschlossen. Aus diesen Verträgen kommt man nun nicht so schnell raus.

Für die Mitarbeiter in Wiessee bedeutet die gestrige Entscheidung eine Fortsetzung der Hängepartie. Trotz einer mittelfristigen Abkehr von möglichen betriebsbedingten Kündigungen, ist das Thema noch lange nicht vom Tisch.

Und dann sind da auch noch die starken Umsatzrückgänge. Auch das Haus in Bad Wiessee hat in der Vergangenheit hohe Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Doch bei der Gemeinde sind trotz allem Jahr für Jahr Gewinne aufgelaufen. Gewinne, die Wiessee auch weiterhin brauchen wird. Irgendjemand muss ja den noch offenen Kredit in Höhe von 17 Millionen Euro für den Spielbank-Neubau abbezahlen.


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