Umdenken im Wald

Staatswälder ohne Profitgier?

Noch läuft die Holzernte in den umliegenden Wäldern auf Hochtouren. Zig Dutzende von beladenen Holztransportern rollen täglich über die Tiroler Grenze zu den Sägewerken im Zillertal. Doch das soll sich ändern, sagte jüngst Ministerpräsident Markus Söder, nun stehe der „Erhalt und Ausbau der Wälder“ im Vordergrund.

Viele Holzlaster überqueren täglich den Grenzübergang Achenwald nach Tirol. / Quelle: Klaus Wiendl

Die Kette reißt an Wochentagen nicht ab. Unablässig karren die zahllosen Transporter Rund- und Schnittholz aus dem Oberland zu den Säge-Multis im Zillertal und in einen russischen Betrieb nach Landsberg. Meist sind es Stämme aus den Revieren der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) mit langjährigen Knebelverträgen. Zur Holzernte wurden Schneisen für Forststraßen in die Wälder geschlagen, ob in Bad Wiessee zur Holzer-Alm, am Hirschberg oder am Sylvensteinspeicher. Im Vordergrund steht die Gewinnmaximierung. Laut Homepage der BaySF waren es zuletzt fünf Millionen Festmeter, mit denen ein Umsatz von 370 Millionen Euro erzielt wurde.

Glaubt man Söder, ist Schluss damit. Er will ein Klimaschutzgesetz auf den Weg bringen. Dabei sollen die BaySF mehr auf „Biodiversität und Klimawandel“ setzen und dafür ihr Schielen nach dem Profit aufgeben. „Jetzt ist der Erhalt und Ausbau der Wälder die wichtigste Aufgabe“, sagte Söder mit Blick auf den Klimawandel. Das Geld, das die BaySF erwirtschaftet, soll künftig in den Waldumbau und die CO2-Speicherung fließen – und nicht mehr wie bisher in den allgemeinen Staatshaushalt. Bis September soll dazu ein Konzept auf dem Tisch liegen.

BaySF soll mehr Bäume pflanzen statt fällen

In den nächsten fünf Jahren sollen insgesamt 30 Millionen neue Bäume im Staatswald gepflanzt und damit der Waldumbau verstärkt werden. Auch die Forschung für klimatolerante Baumarten steht auf der Agenda. So ganz neu ist die Idee für ein Umsteuern bei den BaySF nicht: Schon im Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ ist der Erhalt der biologischen Vielfalt im Staatswald als vorrangiges Ziel im Gesetz verankert.

CSU und Freie Wähler haben bei den Beratungen einen ergänzenden Satz eingefügt: „Dabei sollen die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen der Wälder erhalten bleiben.“ Söder hat allerdings mit der Ankündigung vor einer Woche neben der Biodiversität dem Klimaschutz den Vorrang eingeräumt.

Forstbetrieb Schliersee wartet noch auf Söders Konzept

Söders Initiative, die Rolle des Waldes für den Klimaschutz in Bayern zu betonen, wird von Jörg Meyer „sehr begrüßt“. Der Forstbetriebsleiter in Schliersee sei mit seinen Mitarbeitern „gerne bereit, die Rolle von Klimaschutz und Ökologie im Staatswald weiter zu stärken“. Der Walderhalt und der Umbau in klimatolerante Mischwälder sowie die Neubegründung von Wald seien essentielle Bausteine der naturnahen Forstwirtschaft, heißt es nun. Hier sei in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in den Bayerischen Wäldern und gerade auch im Staatswald bereits „viel erreicht worden“.

Was die Ankündigungen von Söder nun konkret für den Bereich Tegernsee und den Forstbetrieb Schliersee bedeuten werden, konnte Meyer noch nicht sagen. „Dafür ist es leider noch zu früh“. Es müsse bayernweit erst noch für die BaySF ein Konzept zur Umsetzung erarbeitet werden, „welches dann auch auf die einzelnen Regionen und die jeweiligen Forstbetriebe heruntergebrochen wird“, so Meyer. Derweil laufen die Holzlieferungen zumindest bis 2020 weiter. Allein 300.000 Festmeter müssen pro Jahr noch in ein Sägewerk nach Landsberg geliefert werden. Der angekündigte Klimawandel muss also noch warten.


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