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Starke Mitte – über die Rückeroberung des Zentrums

Von Partner News

Die da&dort-Veranstaltung ‚Zukunft Ortskern’ zeigt Wege und Maßnahmen für ein Zentrum voller Leben.

Es sind Landschaftsbilder, wie sie jeder kennt: „Man fährt in den Ort hinein, der Straße entlang zuerst an der Jet-Tankstelle vorbei, anschließend am Lagerhaus, dem Spar und Hofer, Dm und Kik. Dann fährt man durch das leere Ortszentrum und beim Rausfahren kommt man wieder an der Tankstelle vorbei. Das ist leider oft Standard heute.“

Daniel Fellner, Landesrat für Raumordnung und Gemeindeplanung, skizziert in der Eröffnung der Veranstaltung da&dort‚ Zukunft Ortskern’ eine Entwicklung, die in vielen Gemeinden Österreichs und darüber hinaus Realität geworden ist.

„Wenn wir uns Leben in den Ortskernen wünschen, dann müssen wir Menschen dorthin bringen.“ Aber wie haucht man entleerten Ortszentren neues Leben ein?

Diese Frage diskutierten die EntscheidungsträgerInnen der Zukunftsorte gemeinsam mit VertreterInnen aus Politik, Kommunalmanagement, Wissenschaft und interessierten BürgerInnen am 13. und 14. September in Moosburg.

Erfahrung von innen und außen

„Kennen Sie ihre Bildungsflüchtlinge?“ fragt Elisabeth Leitner von der FH Kärnten in Richtung der BürgermeisterInnen. Auch wenn es paradox klingt, Gemeinden können von der Abwanderung ihrer jungen Menschen stark profitieren. Davon konnten sich die TeilnehmerInnen der Veranstaltung selbst überzeugen. Architekturstudentinnen der FH Kärnten präsentierten ihre im ländlichen Raum realisierten Arbeiten. Darin entwickelten sie Vorschläge für alternative Leerstandsnutzungen, bauten Kommunikationszentren oder erarbeiten ein örtliches Entwicklungskonzept für die Heimatgemeinde.

Studierende nehmen die Herausforderung an, Zukunft in Szenarien zu denken und helfen dabei der Bevölkerung Potenziale zu reflektieren, erzählt Annalisa Mauri von der TU Wien. Den Grundstein für die Arbeit der Studierenden legt niemand geringerer als Humboldt: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ Für ihre Projekte heißt das vor allem eines: viel mit Menschen vor Ort reden, die die Entwicklung einer Gemeinde kennen.

Am Weg der Revitalisierung

Wer gestaltet die Belebung der Ortskerne? Neben AkteurInnen aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bürgerschaft, sind das in junger Vergangenheit vor allem auch sie: die Zentrumskümmerer – eine neue kommunale Institution, die beobachtet, ob die einzelnen Interventionen und Maßnahmen in das übergeordnete Ortsentwicklungskonzept passen. „Die Ortskernkümmerer-Institution bietet auch eine Plattform für Menschen der Gemeinde, die Projekte realisieren wollen“, schlussfolgert der Absolvent der Universität Weimar Korbinian Kroiß aus seiner Forschung.

Hat die Gemeinde einen Etappensieg für den Ort erreicht, darf sie sich nicht mit dem Status Quo zufrieden geben, warnt er, denn vorschnelle Zufriedenheit führt bald zur nächsten Krise. Die Zukunftsgestaltung eines Ortes muss einen kontinuierlichen Prozess darstellen. Das Beharren am Weg zur Innenstadtbelebung lohnt sich aber – das zeigten die innovativen Gemeinden, in denen belebte Begegnungszonen sowie neue Nutzungen im Ortskern ein pulsierendes Zentrum geschaffen haben.

Neues Arbeiten, neues Wohnen

Galt die Idee des bunt gemischten, gemeinschaftlichen Arbeitens vor wenigen Jahren noch als ein unkonventionelles Konzept, so sind Co Working Spaces auf der Veranstaltung kein Fremdwort mehr. Stattdessen lässt das vorgestellte Konzept der „Co-Workation“ so manchen aufhorchen. Dieser Ansatz verbindet das gemeinsame Arbeiten mit „Vacation“, also Urlaub.

Alexander Schmid der SMG Miesbach erkennt in diesem neuen Trend großes Potential für den Alpenraum: „Wir haben hier Natur und Freizeitangebote, umfassend Beherbergungsangebote und eine gute Infrastruktur. Und die Menschen aus den riesigen Co-Working Spaces in den Großstädten wollen mal rauskommen.“

Wohnen im ländlichen Raum erfährt ebenfalls einen Wandel – davon konnten sich die TeilnehmerInnen bei mehreren Vorträgen überzeugen. „Für eine Belebung des Ortskernes muss auch Wohnen für Alt und Jung ins Zentrum“, weiß Helmut Wallner. Als Bürgermeister von Hinterstoder wird er heuer den Europäischen Dorferneuerungspreis 2018 entgegen nehmen.

Abschließend diskutierten die TeilnehmerInnen ihre Erfahrungen und gesammelten Eindrücke in Speed-Workshops: Welche Maßnahmen braucht es, damit die Ortsmitte wieder Treffpunkt für Menschen wird? Welche neuen Marketingmöglichkeiten hat das digitale Zeitalter für ein pulsierendes Ortsleben mit sich gebracht?

Inspiriert von diesen und anderen Fragestellungen, fuhren die BesucherInnen der da&dort-Veranstaltung zur Zukunft der Ortskerne in ihre Heimatgemeinden zurück.

Der Verein Zukunftsorte ist die Plattform der innovativen Gemeinden Österreichs. Zukunftsorte sind Gemeinden mit Weitblick, die ihre Entwicklung selbst in die Hand nehmen, auf Innovation und mutige Projekte setzen. Aktuell sind zwölf österreichische Gemeinden Mitglied bei den Zukunftsorten. Die österreichischen Zukunftsorte teilen im Rahmen des transnationalen LEADER- Projekts „da und dort– Lernen im überregionalen/internationalen Netzwerk“ ihre Expertise in Zukunftsfragen wie Bildung, Raumplanung, Architektur oder Energie über die Gemeinde- und Landesgrenzen hinaus.

Weiter geht’s mit da.und.dort am 15. und 16. November 2018 in Bad Blumau zum Schwerpunkt „Dorfentwicklung und ländliche Gesundheitsversorgung“


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