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Tegernseer "Luxus-Bohne“

Ein Café auf dem Dach der “Bohne”

Auf dem ehemaligen Krankenhaus-Areal in Tegernsee soll neben mehrstöckigen Wohnhäusern auch ein Vier-Sterne-Hotel in Form einer Bohne entstehen. „Eine Mordsbaustelle“, wie Bürgermeister Johannes Hagn bei der gestrigen Stadtratssitzung einräumte. Nur auf dem Dach wird es gemütlich.

Das Verkaufsbüro auf dem ehemaligen Krankenhausgelände von Planquadrat für die Luxuswohnungen steht schon. /Foto: K. Wiendl

Seit 20 Jahren ist die Bebauung des 7.600 Quadratmeter großen ehemaligen Krankenhausareals in der Warteschleife. Nun kommt Bewegung in die Planung für das Hotel samt Wohnbebauung. Bereits nächste Woche will der Bauträger, die Planquadrat TS GmbH, mit der Stadt über die Baustelleinrichtung sprechen.

Vier Wochen vor Baubeginn, so Planquadrat-Geschäftsführer Thomas Hofer, „gibt es dann mit allen Anrainern ein Beweissicherungsverfahren“. Dies sei notwendig, weil nun die Tiefgarage tiefer werde, als ursprünglich geplant. In der nun dreigeschossig geplanten Tiefgarage sollen 121 Stellplätze entstehen. „Dieses Geld nehmen wir in die Hand“, so Hofer. Damit habe man dann neun Stellplätze in Reserve.

Zudem komme die ganze Technik vom Dach in den Keller. „Wir haben im Keller nun auf 600 Quadratmetern nur Technik“. Darunter sei auch die Wäscherei, doch auf dem Dach „entweiche nur gereinigte Luft“. Damit die unterirdische Wäscherei belichtet und belüftet werden könne, müssten sich auch Atrium und Lichtgraben verändern, der auch als Fluchtweg diene.

„Keine Staberlgeländer“ und reduzierte “Lederhosenarchitektur”

Weitere Veränderungen gebe es auch bei den Dachüberständen der Balkone von den dreistöckigen Gebäuden mit 85 Wohnungen. Laut Bauamtsleiterin Bettina Koch schlage der Kreisbaumeister aus optischen Gründen Dachüberstände von 50 Zentimetern vor. Architekt Florian Medicus verwies auf die Überarbeitung der seiner Pläne durch Werner Pawlowski. „Die uns unterstellte Lederhosenarchitektur bei den Balkonen haben wir etwas zurückgenommen und die ‚Geigen‘ wollen wir weglassen“.

Pawlowski habe geraten, wenn man sich schon an die lokale Bautradition anbiedern wolle, dann bitte beim Hotel, das ihm sehr gut gefalle. Peter Schiffmann (SPD) gefallen die Planungen „sehr gut“. Allein bei den Balkonen wollte er sichergestellt wissen, dass sie nicht mit „hässlichen Stangen“ verkleidet werden. Laut Medicus ist eine „modernere Variante der Holzoptik“ geplant. „War machen keine Staberlgeländer und wollen eine Lederhosenanbiederung vermeiden“.

So soll das in Bohnenform geplante Hotel auf dem ehemaligen Krankenhausareal in Tegernsee ausschauen. Obendrauf ist ein Café geplant. / Visualisierungsbild: planquadr.at

Beim Hotel gibt es zwei entscheidende Veränderungen. Die Zimmerzahl wurde von 130 auf 121 reduziert und auf dem Dach soll statt der Technik ein Café entstehen, das auch der Öffentlichkeit zugänglich sein muss. Deswegen aber gebe es einen zusätzlichen Bedarf an Stellplätzen. „Nach Abzug der Wohnungen stehen für das Hotel 121 Stellplätze in der Tiefgarage und oberirdisch zur Verfügung“, so Koch. Das Café aber benötige weitere 30 Stellplätze.

Da aber das Café nicht ausschließlich von der Öffentlichkeit besucht werden soll, sondern auch von den Hotelgästen, könne ein Teil der Stellplätze auch dem Hotel als Mischnutzung zugerechnet werden. Medicus begründete die Reduzierung der Zimmerzahl auf 121 mit der großzügigeren Gestaltung des Restaurant- und Barbereichs und etlicher Zimmer als Suiten. Er sprach auch davon, dass es „sehr konkrete Gespräche mit interessierten Betreiben“ gebe.

Laternengeschoß mit Café

Das Café auf dem Dach stieß auf einhellige Zustimmung, auch wenn nach Ansicht des Landratsamtes damit ein 6. Vollgeschoß entstehe, ein sogenanntes „Laternengeschoß“. Die Aufbauten für das Café würden 249 Quadratmeter umfassen. Damit seien sie gleich groß wie die zugelassenen Technikräume. Für Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) ändere sich mit dem Café auf dem Dach nichts am Bauvolumen.

„Es schaut jedenfalls besser aus, als irgendwelche metallverkleideten Dächer“. Gleicher Meinung war auch Peter-Friedrich Sieben (FWG): Er habe nie verstehen können, warum man auf dem Dach mit dem „wunderschönen Blick“ zunächst die Technik unterbringen wollte. Auch Rudolf Gritsch (CSU) fand „das Ganze sehr begrüßenswert. Man sieht, dass Nachdenken tatsächlich mal Fortschritte bringt“. Er könne nun „guten Gewissens zustimmen“. Er wolle zwar auch das „Projekt unterstützen“, meinte Florian Kohler (BürgerListe), „aber mir ist angst und bang ob der massiven Bebauung“.

„Mords-Baustelle“

„Wir wollen das nicht schönreden, es wird eine Mordsbaustelle“, räumte auch Hagn ein. Denn aus der dreistöckigen Tiefgarage werde „viel Kies bewegt“ werden müssen. Dies werde sicher zu Einschränkungen führen, „mit denen man leben muss“. Hagn verwies aber darauf, dass weder das einstige Krankenhaus noch die folgenden Überplanungen in den letzten 20 Jahren kleiner ausgefallen waren.

„Jetzt sind wir da, wo wir sind. Ich werde aber nicht zulassen, dass wir uns nachträglich beschweren, dass wir das nicht gewusst hätten“. Man sei nun auf einem guten Weg, „das Beste daraus zu machen“. So sah es offenbar auch der Stadtrat. Einstimmig genehmigte er die geplanten Änderungen der 1. Tektur zum ursprünglichen Bebauungsplan.


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