Leiser Abschied von der Wandelhalle

Siebach: „Ich bin Unternehmer, kein Politiker“

Von Peter Posztos

Nicht alles hat in der Vergangenheit so geklappt, wie sich das Julian Siebach vorgestellt hat. Er initiierte den Beach Club in Bad Wiessee und vermarktete die Wiesseer Wandelhalle. Vor allem bei der Halle gab es schnell viel Gegenwind.

„Da war ich in einem politischen Strudel gefangen“, so sieht es Siebach heute. Ende Januar lief der Vertrag mit der Gemeinde endgültig aus und wurde auch nicht verlängert, nachdem er auf das Fixum verzichtete.

Uns war klar, dass das Tischtuch zwischen Bad Wiessee und uns nicht das Beste ist. Aber die Art und Weise, wie das ablief ist auch ein Zeichen dafür, was die Gemeinde von unserer Arbeit hält – oder eher von mir.

Bis vor drei knapp Monaten, so der 35-jährige, habe es einen Vertrag gegeben, bei dem auch eine fixe Summe floss. Dafür wurde sich aber auch gekümmert um die Halle und den Zustand des Gebäudes. Mit Auslaufen des Vertrags zum 31. Januar kam dann das Angebot für ein Provisionsmodell. „Die Ablehnung hat uns überrascht. Vor allem weil die Gemeinde Bad Wiessee mit uns Geld verdient hat.“

Medienwirksam: Vor einem Jahr entschuldigte sich Peter Höß noch bei Julian Siebach - mittlerweile gibt es kaum Kontakt.

Im Rückblick – vor allem im Zusammenhang um den Streit mit der CSU-Fraktion – gibt er aber auch eigene Fehler zu. „Ich hätte mich beispielsweise vor einem Jahr bestimmt diplomatischer verhalten sollen. Aber ich bin eben Unternehmer und kein Politiker. Dieses Spiel liegt mir nicht.“ Den Schlussstrich hat nun die Gemeinde gezogen. Siebach findet das schade.

Doch Siebach blickt nach vorne. Das Kapitel Wandelhalle sei für ihn mehr oder weniger abgeschlossen. Auf die Frage, ob Wiessee sich mit der Kündigung Geld durch die Finger gehen lasse, sagt er nur: „Wir haben der Gemeinde, in der Zeit, in der wir die Halle vermarktet haben, einen Umsatz von 200.000 Euro gebracht.“ Eine Begründung für die Ablehnung habe man nicht erhalten.

Tagungen am Tegernsee – eine Herausforderung

Nun möchte er sich auf seine anderen Aktivitäten im Tal konzentrieren.Etwa die Montgolfiade – „ein Saisongeschäft“ – und vor allem auf die Vermarktung des Seeforums in Rottach-Egern. „Nebenher“ ist der Wahl-Waakirchner Inhaber einer Eventagentur, die unter anderem für Kunden wie den FC Bayern München tätig ist. In der Branche gilt Siebach als zielstrebig und nicht unerfolgreich. Im Tal nennen ihn hingegen einige Dampfplauderer.

Ich weiß, dass ich relativ selbstbewusst wirke. Und vielleicht war ich in der Vergangenheit an der einen oder anderen Stelle nicht leise genug. Aber authentisch bin ich definitiv, seit ich hier bin. Vielleicht trete ich auch einigen damit auf die Füße.

Trotz allem macht sich der 35-Jährige weiterhin seine Gedanken. Und er hat noch einiges vor. Durch die Vermarktung des Seeforums komme er immer öfter in Kontakt mit potenziellen Kunden, die am Tegernsee einen Kongress veranstalten oder eine Produktpräsentation abhalten wollen. Zusammen mit der geplanten Eventarena von Korbinian Kohler und den anderen Anbietern sieht Siebach ein erhebliches Potenzial für das Tagungsgeschäft im Tal. Doch die Herausforderungen seien groß.

Unser größtes Problem sind die vorhandenen Bettenkapazitäten. Es gibt am Tegernsee einfach keine Hotels im 4-Sterne-Bereich, die 300 oder 400 Personen unterbringen könnten.

So müsse man stark aufteilen. „80 Teilnehmer in das eine Hotel, 40 in ein anderes und so weiter. Doch das sorgt bei den Kunden für Angst. Die wollen ihre Teilnehmer nicht aufteilen, denn die Überzeugung ist die: Die wichtigen Gespräche finden nach Abschluss der offiziellen Veranstaltung abends an der Hotelbar statt.“ Ein weiteres Problem sei der Preispunkt. Die Firmen, so Siebach, dürften oft nur Hotels buchen, deren Zimmer um die 100 Euro kosten. Die Einhaltung dieser Richtlinien werde immer strenger verfolgt. Ausnahmen seien selten.

In Tegernsee Süd soll bald – in fussläufiger Entfernung zum Seeforum – ein kostengünstiges Hotel der a-ja Gruppe entstehen

Siebach hofft auf die geplanten größeren Hotels in Tegernsee oder in Bad Wiessee. Ansonsten gäbe es noch andere Möglichkeiten. „Wir müssen den Kunden klar machen, dass es auch ohne das obligatorische Feierabendbier funktioniert oder dass es nicht schlimm ist, wenn man gewisse Gruppen aufteilt.“ Im Tal liege viel Potenzial für eine umfassende Zusammenarbeit zwischen den Anbietern. „Das ist eine große Chance.“

Vorbei sein dürfte es dagegen mit der geplanten Kooperation zwischen Seeforum und Wandelhalle. Die Idee war es, so Siebach, dass die große Wiesseer Halle bei gewissen Veranstaltungen als Ausweichfläche genutzt wird. „Die Möglichkeit ist durch die Art und Weise nun abrupt gestoppt worden.“

Letzte Woche habe man ein Abschlussgespräch gehabt, bei dem klar geworden sei, dass die Gemeinde Bad Wiessee die Vermarktung der Wandelhalle in Eigenregie weiterführen will. „Doch jetzt wird in der Verwaltung langsam erkannt, wie viel Arbeit das eigentlich bedeutet. So ein Thema macht man nicht einfach mal nebenher. Das ist ein Fulltime-Job. Und Wiessee hat ganz andere Herausforderungen, vor denen es stehe.“


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