Drohende Warnstreiks: BOB erhebt Vorwürfe gegen Gewerkschaft
Streik zur persönlichen Profilierung?

von Robin Schenkewitz

Am vergangenen Freitag ließ Gewerkschaftsführer Isidoro Peronace die Bombe platzen: Er erklärte die Tarifverhandlungen mit der BOB für gescheitert und kündigte für die kommenden Wochen Warnstreiks an. Bei der Bahn hingegen zeigt man sich heute verständnislos. Sie spricht von „Profilierungswünschen Einzelner“.

Nichts geht mehr: Die Verhandlungen im Tarifstreit bei der BOB sind festgefahren.
Nichts geht mehr: Die Verhandlungen im Tarifstreit bei der BOB sind festgefahren.

Bereits seit September vergangenen Jahres verhandeln die BOB und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) über einen neuen Tarifvertrag für die Beschäftigten. In den Kernpunkten haben sich beide Seiten bereits angenähert.

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So hat die BOB die Forderung der Gewerkschaft erfüllt, die Tarifvereinbarungen des Branchenvertrages zu übernehmen. Konkret bedeutet dies, dass die BOB zwei Anhebungen in Höhe von 3 beziehungsweise 2,1 Prozent zugestimmt hat, was bei der ersten Anhebung mindestens 70 Euro mehr für die Beschäftigten bedeutet, bei der zweiten mindestens 50 Euro.

Zudem verzichtet die Bob auf weitere Forderungen ihrerseits. So wird es keine Veränderungen bei der Jahresarbeitszeit geben, keine Abgeltung der Arbeit an Wochenfeiertagen durch Geld statt durch Arbeitszeit und es bleiben zudem die Zulagen für gesetzliche Ruhepausen.

Angleichung dauert Gewerkschaft zu lange

Einziger Streitpunkt ist nun noch die Anrechnung der Fahrgastfahrten auf die Arbeitszeit. Fahrgastfahrten sind diejenigen Fahrten, die die Mitarbeiter von und zu ihrer ersten Fahrt zurücklegen müssen und laut Gewerkschaft bis zu einer Stunde dauern können. Aktuell vergütet die BOB 50 Prozent der Zeit als Arbeitszeit. Die Gewerkschaft fordert 100 Prozent.

Doch auch hier haben sich die Vertragspartner bereits angenähert. Die BOB bietet in ihrem letzten Angebot an, diese Regelung schrittweise innerhalb von 17 Monaten umzusetzen. Für Gewerkschaftsführer Isidoro Peronace geht das jedoch zu langsam. „Bis Mitte 2017 wollen die knapp 300 Betroffenen nicht warten.” Daher hatte er vergangenen Freitag die Verhandlungen für gescheitert erklärt und Warnstreiks angekündigt.

Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Forderungen

Bei der BOB fühlt man sich nun vor den Kopf gestoßen. Dass die Gewerkschaft nicht zu weiteren Verhandlungen bereit ist, bei denen Details zur Übergangsregelung oder einer schnelleren Angleichung geführt werden können, lässt bei BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Forderungen aufkommen:

Wir sind sehr überrascht, dass die EVG trotz unserer umfangreichen Zugeständnisse nicht einmal zu einem persönlichen Gespräch bereit ist. Stattdessen wird die Androhung des Streiks aufrecht erhalten. Das vermittelt den Eindruck, dass ein Streik grundsätzlich gewollt ist, unabhängig von unserer Verhandlungsbereitschaft.

Die Verantwortlichen bei der BOB zeigen sich jedoch nach wie vor gesprächsbereit und hoffen auf ein gutes Ende der Verhandlungen. „Ich hoffe, dass nicht aufgrund Profilierungswünsche Einzelner unsere Kunden wegen eines Warnstreiks bei Minusgraden am Bahnsteig frieren müssen. Ich bitte meine Kollegen von der EVG Tarifkommission, dass wir uns wieder, ohne unnötiges Säbelrasseln, an den Tisch setzen und den Tarifabschluss vollenden“, so Rosenbusch.

Sollte die EVG allerdings weiter an ihrer Streikankündigung festhalten, stehen den BOB-Pendler schwere Zeiten bevor. Zwar werde die BOB in diesem Fall Ersatzbusse anbieten, aber damit kann man den regulären Fahrplan nur unzureichend ersetzen.

„Gerade im Berufs- und Schülerverkehr sind viele Busse bereits regulär im Einsatz. Darüber hinaus verlängern sich bei einem Schienenersatzverkehr auch die Fahrzeiten und wir haben weniger Platzkapazitäten, was es insgesamt schwierig für uns machen wird“, so der Technische Geschäftsführer Fabian Amini. Reisende werden über die Homepages des Unternehmens über die möglichen Ersatzfahrpläne auf dem Laufenden gehalten.

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