Sturmwarnung am Tegernsee: suboptimal oder zweischneidig?

Von Rose-Marie

Die Warnung vor Wind nehmen manche Wassersportler am Tegernsee offenbar nicht immer ernst. Das Problem: häufig sind die orangefarbenen Blinklichter über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten. Manche sagen, auch wenn überhaupt kein Sturm oder ähnliches drohe.

Das verursacht wohl eine gewisse Unsicherheit. Die Tegernseer Stimme ist der Geschichte mit der Sturmwarnung am See, die nicht Ernst genommen wird, auf den Grund gegangen.

Rafael Berleb vom Tegernseer Windsports Segel- und Surfershop verlässt sich lieber auf den berühmten Blick gen Himmel. Wenn die Vorwarnung läuft, läuft sie manchmal sehr lange. Was tatsächlich zählt, sind die dunklen Wolken, welche die oft so gefährlich schnell nahenden lokalen Gewitter ankündigen. „Dann sollte man sehen, dass man ans Ufer kommt“, beteuert Berleb.

Die Sache mit der Sturmwarnung ist ein zweischneidiges Schwert. Diese Meinung vertritt Robert Künstner, der technische Leiter der Wasserwacht Tegernsee/Rottach-Egern. Persönlich ist er der Ansicht, dass die Vorwarnung häufig zu früh ausgelöst wird und zu lange anhält. Lieber ist es ihm jedoch, wenn der Alarm länger läuft und die Wassersportler gewarnt sind, falls es dann zur eigentlichen Sturmwarnung kommt. „Die lokalen Gewitter kommen so schnell heran, das geht oft innerhalb einer Viertelstunde“, weiß er zu berichten.

„Das Problem ist, das die Warnung für alle Oberbayrischen Seen zentral geschalten wird.“

Die Warnleuchten in Gmund - einer von drei Standorten

An und auf den bayerischen Seen werden Wassersporttreibende vom 1. April bis 31. Oktober von sieben Uhr morgens bis 22 Uhr vor starkem Wind gewarnt.

„Damit sollten sie in der Lage sein, ihr Verhalten rechtzeitig auf die Gefahrensituation einzustellen“, weiß Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst in München gut. Dort werden sowohl die Starkwindwarnungen als auch die Sturmwarnungen herausgegeben.

Moderne Mittel der Wetterbeobachtung wie Satellitenbilder und Radar ermöglichen detaillierte Prognosen. Auch welche Windgeschwindigkeiten zu erwarten sind und wo es lokale Gewitter geben könnte, kann das Wetteramt laut Wünsche vorhersagen.

Das Wetteramt gibt bei Gefahr eine Warnung an die Integrierte Leitstelle in Rosenheim heraus. Diese löst dann die Sturmwarneinrichtungen aus.

„Früher war es besser“, so Künstner und erinnert sich an die Zeiten, als noch eine zusätzliche Sirene die Wassersportler vor Wind warnte. Das Problem: Nicht von allen Winkeln auf dem See aus sind die Blinklichter zu sehen.

Manche orientieren sich an den Sturmwarnungen – wenn`s blinkt wird es erst interessant!

Drei Stellen über Warnleuchten gibt es am See: in Kaltenbrunn, Abwinkl sowie am Tegernseer Jachthafen. Kommen Windböen oder anhaltender Wind von 6 und 7 Beaufort (entspricht 39 bis 61 Kilometern pro Stunde), so gibt es 40-mal pro Minute einen Blitz als Starkwindwarnung zu sehen. „Manchmal läuft diese in der Tat über mehrere Stunden“, gibt Wünsche zu.

Die Starkwindwarnung soll die Wassersportler auf die Gefahr aufmerksam machen und sie dazu veranlassen, die Wetterentwicklung sorgfältig zu verfolgen und ihr Verhalten darauf auszurichten.

Zum Leidwesen der Rettungskräfte gäbe es aber auch Leute, die erst bei Sturmwarnung auf den See hinausstarten. Vor allem Kitesurfer lieben diese Situationen, in denen der Wind besonders „ideal“ sei.

Wird der Wind stärker und erreicht Windstärke 8 bis 9 (entspricht 62 Kilometern pro Stunde und mehr), so wird über Sturmwarnleuchten durch das Aufleuchten von Lichtern mit 90 Blitzen pro Minute alarmiert. Die Sturmwarnung soll Wassersportler dazu bewegen, unverzüglich das Ufer oder windgeschützte Stellen aufzusuchen. Wie lange eine Warnung andauert, hängt von der weiteren Entwicklung der Wetterlage ab. Ein Alarm steht nicht zwangsläufig in Verbindung mit Gewittern. Es ist auch nur Wind möglich.

Nach Entwarnung durch den Deutschen Wetterdienst beendet die Integrierte Leitstelle die Starkwind- bzw. Sturmwarnung ‒ ein Zeichen für die Wassersportler, wieder aufs Wasser gehen zu können.


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