Mehr Silos, mehr Lagerplatz, mehr Bier
Tegernseer Brauhaus auf Expansionskurs

von Peter Posztos

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In Berlin ist das Tegernseer Bier chronisch ausverkauft, und auch im Tal kommt es in Getränkemärkten immer wieder zu Engpässen. Damit das irgendwann besser wird, will die Herzogliche Brauerei schon seit Längerem ihre Abfüllmenge am Standort Tegernsee erhöhen. Gleichzeitig sollen mehr Lkw in Richtung Gmund aufbrechen. Zukünftig auch ganz früh am Morgen.

Seit knapp zwei Jahren plant das Brauhaus unter anderem eine Erweiterung der alten Füllerei, direkt an der Seestraße im Zentrum Tegernsees. Das Ziel: mehr Bier, mehr Lagerfläche und deutlich mehr Platz für den Abtransport des Endproduktes.

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Dazu hatte man bisher geplant, an der bestehenden Füllerei einen Anbau zu errichten, der den Innenhof zum Schloss hin fast in Gänze hätte verschwinden lassen. Der Innenhof sollte überdacht werden, sodass eine Lkw-Durchfahrt entsteht. Der Tegernseer Bauausschuss wollte den Plänen damals nicht im Wege stehen. Beim Landratsamt als Genehmigungsbehörde stand man dem Ganzen aus Denkmalschutzgründen jedoch nicht so aufgeschlossen gegenüber.

Aus drei mach eins

Erst ein Kompromiss brachte die Lösung. Aus geplanten drei Lkw-Spuren wurde eine, dafür soll diese nun komplett eingehaust werden, wie in der gestrigen Sitzung des Tegernseer Bauausschusses klar wurde. Einen weiteren “Preis” für den Kompromiss muss die Stadt ebenfalls zahlen, so Bürgermeister Peter Janssen. Laut Janssen hat das Brauhaus eine Ausnahmegenehmigung für Lkw-Fahrten zwischen 22 und 24 Uhr sowie 4 und 6 Uhr morgens beantragt.

Die Stadt befürwortete am Ende maximal drei Einzelfahrten zwischen 4 und 6 Uhr. In diesem Fall, so der Bürgermeister, gäbe es im Tal bereits zehn Bezugsfälle, bei denen ebenfalls eine Ausnahmegenehmigung ausgesprochen wurde. Zwischen 22 und 24 Uhr soll dagegen der Lkw-Verkehr um das Schloss herum auch weiterhin ruhen.

Das Betanken der Lkw findet heute noch im Freien statt. Zukünftig soll dies in einer Art Werkshalle ablaufen.
Das Betanken der Lkw findet heute noch im Freien statt. Zukünftig soll dies in einer Art Werkshalle ablaufen.

Dabei wird der Innenhof, der derzeit hauptsächlich als Parkplatzfläche für Mitarbeiter und von Lieferanten als Be- und Endladeplatz genutzt wird, durch ein neues Gebäude in die Zange genommen. Im Bereich eines heute existierenden Trafohäuschen will das Brauhaus ein neues Lagerhaus errichten.

Das Gebäude soll dabei unterirdisch mit der Brauerei verbunden werden. Zwar nimmt das neue Haus ein wenig den Blick auf das Schloss. Trotzdem befürwortete Heino von Hammerstein die Lösung und betonte gleichzeitig, dass sich die Brauerei “wird ausweiten müssen”.

Gärsilos im Innenhof

Eine Ausweitung, die auch vor einem der beiden Innenhöfe des Schlosses nicht Halt macht. So werden große Gärsilos errichtet, die bis zu den Dachrinnen der anderen Gebäuden reichen. Von außen seien diese, so Janssen, nicht einsehbar. Für Manuela Brandl von der Bürgerliste ist damit zumindest die Zeit “der schönen Luftaufnahmen vom Schloss endgültig vorbei”.

Maximal 15 Silos sind in der Endausbaustufe geplant. Von Belästigungen durch Dämpfe oder Geruch weiß Janssen derzeit nichts. Doch der Bürgermeister machte klar, dass das Brauhaus “ein systemrelevanter Industriebetrieb für die Stadt” sei. Das, was nun der Stadt an Bauanträgen vorliege, sei sozusagen der Masterplan für die zukünftige Expansion.

Und sein Stellvertreter Anton Staudacher betonte mit Blick auf den geplanten Neubau und eine mögliche Beeinträchtigung durch die Silos: “Auch ein denkmalgeschütztes Gebäude soll eine Nutzung haben und leben. Gut, dass die Brauerei da ist.”

Das kleine Häuschen im Vordergrund kommt weg. Dafür entsteht eine neue Lagerhalle.
Das kleine Häuschen im Vordergrund kommt weg. Dafür entsteht eine neue Lagerhalle.

Zwar ist mit der Abfüllanlage ein großer Teil des Brauhauses bereits nach Gmund gezogen. Doch um den übrigen Teil inklusive der Produktion in Tegernsee zu halten, ist die Stadt in den vergangenen Jahren einige Kompromisse eingegangen.

Ob das bei den gestrigen Entscheidungen über die baulichen Absichten der Brauerei ebenfalls eine Rolle gespielt hat, ist nicht bekannt. Doch am Ende war der Wille zum Erhalt vielleicht doch mit ein Grund, warum das Votum dreimal einstimmig ausfiel. Zumindest den Kunden dürfte das langfristig freuen. Denn dann sind bald möglicherweise auch die sommerlichen Engpässe beim Tegernseer Hell ein für alle Mal Geschichte.

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