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Petitionsausschuss lehnt Eingabe im Landtag ab

Tegernseer Almdorf kommt

Von Peter Posztos

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„Ich bin sehr enttäuscht über den Ablauf und das Ergebnis der Abstimmung“, sagt Thomas Mandl. Der Tegernseer SPD-Stadtrat hatte sich mehrfach gegen das geplante Almdorf – ein oberhalb der Stadt gelegenes luxuriöses Hüttendorf – ausgesprochen. Doch auch die über 780 Stimmen, die am Ende die Petition unterzeichnet hatten, halfen den Gegnern nicht. Das Almdorf kann gebaut werden.

Mit den Stimmen der CSU und der Freien Wähler wurde die Eingabe damit endgültig im Petitionsausschuss abgelehnt. Rund 20 Minuten brauchte dieser, um über die Petition zu beraten. Eine ausführliche inhaltliche Auseinandersetzung gab es dabei nicht. Der Hinweis auf die formale Zustimmung im Kreistag und dem Tegernseer Stadtrat, der im September mit 10 zu 2 Stimmen für das Projekt gestimmt hatte, reichte den Ausschussmitgliedern. Und auch die verlorene Popularklage von Karl Brutscher gegen die Verkleinerung von Landschaftsschutzgebieten war heute ausschlaggebend.

Für Mandl eine niederschmetternde Prozedur. Er hatte sich in den vergangenen Monaten an die Spitze der Bewegung gegen das von den Gegnern als „Disneyland“ bezeichnete Hotelprojekt gesetzt. Vor zwei Monaten erklärte der SPD-Politiker, warum er und seine Mitstreiter das Vorhaben ablehnen:

Das Almdorf entsteht in einem Landschaftsschutzgebiet, zerstört das Landschaftsbild, überfordert die Neureuthstraße, hat als nachhaltige touristische Anlage aufgrund der geringen Bettenzahl ökonomisch keine Zukunft und ist mit Tiefgarage, Sauna und Cigar Lounge nur eine Karikatur unserer alpenländischen Almtradition.

Vor allem die Herausnahme des 5.000 Quadratmeter großen Grundstücks aus dem Landschaftsschutzgebiet sorgte für einen gewissen Unmut, konnte jedoch den Tegernseer Stadtrat und am 20. März auch den Miesbacher Kreistag nicht überzeugen. Die meisten Politiker sehen immer noch den insgesamt positiven Einfluss auf die Stadt. Manche sprechen gar von einem Leuchtturmprojekt, das weitere Hotelinvestoren anziehen könnte.

Bettenschwund als Trend

Denn Tegernsee kämpft seit Jahren gegen einen massiven Bettenschwund. Waren es im Jahr 1992 noch 1.950 Betten, konnte man im Jahr 2012 nur noch 1.350 Betten ausweisen. Das entspricht einem absoluten Rückgang um 600 Betten ‒ oder 30 Prozent. Würde sich dieser Trend fortsetzen, wäre für das Jahr 2022 mit einer Anzahl von 1.050 Betten zu rechnen. Tegernsee würde seine touristische Bedeutung verlieren, mit verschiedenen negativen Auswirkungen ‒ auch für die Geschäftsinhaber.

Ein Trend, der zwar auch den Initiatoren der Petition grundsätzlich Sorgen bereitet. Diese sahen aber in ihrer Argumentation andere Grundstücke in Tegernsee als besser geeignet an für eine touristische Nutzung. Konkret wurde da mehrfach das ehemalige Krankenhausgelände oder das Hotel Guggemos genannt.

Parteiübergreifende Zustimmung

Zumindest in der Lokalpolitik rannte Mandl mit seiner Petition und seiner Positionierung gegen das touristische Vorhaben keine offenen Türen ein. So stellte Toni Staudacher in der Juli-Sitzung fest, dass „das Gelände am Ende der Neureuthstraße für das Almdorf-Projekt sehr gut geeignet ist, da es bereits von allen Seiten erschlossen wurde und somit der Eingriff in die Natur nur gering ausfällt“.

Und auch Andreas Obermüller, Stadtrat der Freien Wähler, konnte die Argumente der Gegner nicht ganz nachvollziehen. „Natürlich gilt es, Landschaftsschutzgebiete zu erhalten, aber irgendwann kann man dann gar nichts mehr am Ortsrand bauen“, so Obermüller im Nachgang der Sitzung.

Landtagskandidat Thomas Mandl im Gespräch in einem Tegernseer Café.
Thomas Mandl war immer gegen das Almdorf.

Ob Mandl seinen Kampf gegen das Almdorf mit der heutigen Niederlage aufgibt, wollte er noch nicht verraten. Klar sei nur, so der 55-Jährige, dass das Ganze rein rechtlich nunmehr kaum aufzuhalten sei. „Ich muss auch aufpassen, dass ich nicht gegen politische Windmühlen kämpfe.“ Ein letzter Strohalm könnte laut Mandl vielleicht noch eine Demonstration von Bürgern vor Ort sein, die zeigt, wie viele Menschen gegen das Projekt sind. „Doch das muss ich mir noch ganz in Ruhe überlegen.“

Unabhängig von den Überlegungen Mandls geht die Arbeit im Hintergrund weiter. Derzeit steht laut Bürgermeister Peter Janssen der Durchführungsvertrag mit dem Investor an. Ein möglicher Satzungsbeschluss könnte dann im Februar vom Stadtrat getroffen werden. Erst dann geht es an den konkreten Bauantrag, der zwar schon relativ fortgeschritten ist, aber trotzdem freigegeben werden muss. Janssen schätzt daher den Baubeginn für das aus zwei Zentralgebäuden, einer Wellnessanlage, einer Tiefgarage und sieben weiteren Häusern bestehende Ensemble auf frühestens Ende 2014.

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