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Staatssekretär sieht Chancen für Tegernseer Tal

Erst E-Bike, dann E-Auto

Einige Hotels haben schon in die Zukunft mit leistungsstarken Zapfsäulen investiert. Die Talgemeinden dagegen sind erst auf dem Weg dorthin. Doch E-Mobilität sei die „große Chance“ im Tourismus, hieß es auf einer Fachtagung in einem Tegernseer Hotel.

E-Zapfsäule am Hotel Das Tegernsee.

Wer jetzt nicht auf den Zug der stark zunehmenden E-Mobilität aufspringe, verpasse auch im Tourismus den Anschluss. Denn immer mehr Gäste würden Wert auf einen nachhaltigen Urlaub legen, war das einstimmige Credo zahlreicher Referenten der hochkarätigen Tagung, veranstaltet von Bayern Innovativ, einer Gesellschaft für Wissenstransfer.

Zunehmend rücke das Thema Elektromobilität auch in den Fokus der Tourismus-Branche, „da Elektromobilisten ihren Urlaubsort oftmals nach der vorhandenen Ladeinfrastruktur wählen“. Viele Hotels und Restaurants hätten daher schon heute diese wachsende Zielgruppe im Blick. Urlaubs-Ideale wie Ruhe, Natur und Erholung gepaart mit Elektromobilität hätten Priorität.

Eine kundenfreundliche App: Der Ladeatlas Bayern

Allerdings gebe es rund um das Thema E-Tourismus noch viele offene Fragen. Beispielsweise kann sich die Ladeinfrastruktur an einem Wanderparkplatz wesentlich von den Anforderungen an einer Autobahn-Schnellladestation unterscheiden. Auch an Routenführung, CarSharing oder ÖPNV am Urlaubsort stelle die Elektromobilität neue Ansprüche, war von Referenten zu hören. Die Veranstaltung richtet sich an Kommunen und kommunale Einrichtungen ebenso wie an Akteure der Tourismus-Branche.

Zahlreiche Gäste verfolgten die Themen der E-Mobilität im Tourismus. Am Rednerpult: Staatssekretär Franz Josef Pschierer vom Wirtschaftsministerium.

In Ihrem Grußwort verwies Wirtschaftsministerin Ilse Aigner auf den „Ladeatlas Bayern“ ihres Hauses als App. Diese biete erstmals einen Überblick über die 3.000 Ladepunkte in Bayern. Damit soll Bayerns Ladeinfrastruktur fast vollständig abgebildet werden. Dieser Ladeatlas sei in der Bundesrepublik in Sachen Funktionalität und Kundenfreundlichkeit bisher „einmalig“, hieß es auf der Fachtagung. In einem weiteren Schritt soll die Infrastruktur bedarfsgerecht ausgebaut werden. Als Wirtschaftsministerin unterstützt Aigner die „nachhaltige Mobilität von morgen“.

Das „Henne-Ei-Prinzip“

Zu hören waren auf der Tagung die Sorgen von Nutzern. Sie würden noch die komplexen Systeme scheuen, da eine große Zahl von Akteuren auf dem Markt unterwegs sei: von der Automobilindustrie über die Energietechnik, die Leistungselektronik, die chemische Industrie und die IT-Branche bis hin zu Kommunen. Dabei gelte es aber, gemeinsam für Kundenfreundlichkeit und sinnvolle Umsetzung vor Ort zu sorgen und umweltverträgliche Lösungen auf die Straßen zu bringen.

Bürgermeister Johannes Hagn sieht noch das „Henne-Ei-Prinzip“. Wo meist die Sehenswürdigkeiten für die Besucher seien, „haben wir noch keine Ladesäulen“. Zwar errichte die Stadt an der Seesauna demnächst zwei Zapfsäulen. Da diese aber nicht reichen würden, hoffe er sehr, dass Hoteliers nachziehen. Zwei haben’s schon vorgemacht: Die Hotels Westerhof und Das Tegernsee. „Die Stadt kümmert sich in Absprache mit der TTT (Tegernseer Tal Tourismus GmbH) und dem E-Werk Tegernsee um die Infrastruktur, die Hoteliers um die Mobilität“, so Hagns Wunschvorstellung.

Passende Infrastruktur fehlt

Das Teure sei nicht die Anschaffung eines Autos, sondern die Schaffung der Infrastruktur. Hagn zeigt sich überzeugt, dass man über die Elektromobilität auch Touristen gewinnen könne. Doch insgesamt kommt die neue Technologie im Tal nur schleppend voran. Im Rottacher Gemeinderat gab es im September noch Gegenwind für den Austausch der technisch überholten E-Tankstelle am Wandinger-Parkplatz. Erst nach heftiger Debatte kam eine Mehrheit für ein Modell der neuen Generation zustande.

Dreiräder als E-Mobile.

Dass die Gemeinde kräftig zuschießen muss, gefiel nicht allen. Schließlich kassiert das E-Werk bei den neuen Modellen für den Strom. Anders als beim alten Modell. Hier gibt’s die Energie zum Nulltarif. Passiert ist seither nichts. Das E-Werk wartet noch auf die staatliche Förderzusage, weshalb die zwei neuen Lade-Stationen noch nicht bestellt wurden. Mit Blick auf das künftige Prädikat Bergsteigerdorf mit nachhaltigem Tourismus ist in Kreuth immerhin schon ein Standort im Visier. In Bad Wiessee laufen die Gespräche noch.

Der Marketingeffekt Ladesäule

Das Interesse an der E-Mobilität gelinge vielfach über E-Bikes, sagte Peter Grett von der Touremo GbR, einer Medienagentur. Denn laut Grett würden viele Gäste die angebotene elektrische Trethilfe annehmen und mit dem „berühmten E-Bike-Lächeln“ zurückkommen. So erkläre sich der derzeitige Boom. Diesen Imagewandel erlebe man nun auch bei den Autos. Deshalb würden etliche Hoteliers nun in Ladestationen investieren, bevor es die Konkurrenz am Ort mache.

Damit könne man sich in der Ladezeit den Gast holen, der meist in der Zeit dann konsumiere oder gleich übernachte. Inzwischen würden Hoteliers schon entsprechende Angebotspakete für E-Autos mit Opernkarten und Candle-Light-Dinner vorhalten. Denn noch sei ein E-Auto eine richtige Attraktion, mit der man sich abheben könne. Für manchen Autofahrer sei dies der Einstieg in die E-Mobilität, wenn es um die Anschaffung des nächsten Fahrzeugs gehe.

Zuhörer und Redner: v.r. Manfred Pfeiler (E-Werk Tegernsee), Bürgermeister Johannes Hagn, Sven Scheerbarth (Das Tegernsee), Moderator Thomas Ammer

Derzeit gebe es in Deutschland etwa 800 Hotels mit Lademöglichkeiten, „mit extrem steigender Tendenz“. Zudem würden viele Gastgeber auch ein Rundum-Paket anbieten: Vom Mietfahrzeug bis zum Gäste-Shuttle vom Bahnhof. „Denn viele Hotels und Destinationen wollen sich ja nachhaltig darstellen“, so Grett. Eine Ladesäule vor dem Hoteleingang suggeriere Modernität. Dies sei ein zugkräftiger Marketingeffekt.

„Noch meilenweit von Merkels Ziel entfernt“

Für Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, hat das „Juwel Tegernseer Tal einen Zielkonflikt. Nicht jeder im Tal erfreue sich über immer mehr Touristen und dem entsprechenden Verkehrsaufkommen, denn dagegen würden die Prädikate heilklimatische Kurorte stehen. „Deshalb müssen wir hier neue Wege gehen“, so Pschierer, „da die Gäste immer mehr Wert auf nachhaltigen Tourismus legen“. Dafür sehe er in der E-Mobilität die große Chance, neue Zielgruppen anzusprechen. „Hier geht das Tegernseer Tal schon mit bestem Beispiel voran“.

Denn das E-Werk sei fester Partner von „More“, der mobilen Region Oberland, in der „Kommen, Versorger, Unternehmer und Touristiker an einem Strang ziehen“. Ihm sei auch klar, dass die E-Mobilität in den politischen Rahmenbedingungen noch mehr Schwung aufnehmen müsse. Vom Ziel der Bundeskanzlerin Merkel, im Jahr 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen zu haben, sei man noch meilenweit entfernt. Höchstens 60.000 seien es derzeit. Momentan gebe es den Teufelskreis: Manche würden sich ein E-Auto kaufen, wenn es die Ladeinfrastruktur gebe. Andere würden sagen, wir würden in die Infrastruktur investieren, wenn es genügend Nachfrage gebe. Diesen Teufelskreis gelte es zu durchbrechen.


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