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Wie lange braucht ein Zug um zu stoppen?

Tödlicher Leichtsinn am Bahnübergang

Von Nina Häußinger

Rund zweimal im Jahr kommt es bei uns zu Unfällen an Bahnübergängen. Schuld sind in den meisten Fällen die Autofahrer. Wie lange ein Zug braucht, um zum Stehen zu kommen, konnte man gestern in Warngau live miterleben.

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Gegen Mittag des 8. Septembers 2020 ereignet sich im Oberland ein tragischer Unfall. Ein 29-Jähriger ist mit seiner Frau und seinem vier Monate alten Sohn auf dem Weg von Lochham Richtung Thann. Dann passiert das Schreckliche. Als er das Auto über den Bahnübergang in Thann fährt, kommt im selben Moment ein Zug der BRB angerauscht.

Das Auto wird weggeschleudert, der Zug kommt erst viele Meter nach der Unfallstelle zum Stehen. Die Familie wird schwer verletzt.

“Zug hat Vorfahrt”

Durchschnittlich zweimal im Jahr kommt es zu Unfällen an Bahnübergängen. Schuld sind in 95 Prozent der Fälle die Autofahrer oder Fußgänger. Hauptursache seien in den meisten Fällen Unkenntnis der Verhaltensregeln, Unaufmerksamkeit oder Leichtsinn, sagt Rüdiger Lode, Vorstand für Verkehr, Technik und Umwelt des ADAC Südbayern.

Um solche schrecklichen Unfälle zu vermeiden, startet die BRB gemeinsam mit zahlreichen Partnern die bayernweite Informationskampagne “Zug hat Vorfahrt”. Dabei soll an drei ausgewählten Bahnübergängen eine Notsituation simuliert werden. Gestern trafen sich zahlreiche Vertreter in Warngau/Tannried.

Wie kommt es zu Unfällen an Bahnübergängen?

Simuliert wurde hier eine Notbremsung der BRB. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Selbst wenn ein Lokführer eine sofortige Notbremsung einleitet, braucht ein 100 km/h schneller Zug rund 1.000 Meter bis zum Stillstand.

Lode vom ADAC glaubt zu wissen, warum so viele Menschen trotz offensichtlich gekennzeichneten Bahnübergangs fahren, ohne zu schauen. “Ursachen sind in vielen Fällen Zeitdruck und der Irrglaube, die Situation unter Kontrolle zu haben.” Außerdem sieht er die Gefahr in einer Routinehandlung. Wenn mehrfach nichts passiert, sinke das Risikobewusstsein.

Wie kann man die Gefahr verringern?

Im Oberland – damit ist das gesamte Bahnnetz südlich von Holzkirchen gemeint – gibt es insgesamt 80 Bahnübergänge. 50 davon sind technisch gesichert – 30 nicht. Warum also, werden die unbeschrankten und nicht gesicherten Bahnübergänge nicht längst nachgerüstet? Fabian Amini, Geschäftsleiter der BRB, sagt dazu: “Nicht überall ist das möglich. Die Straße braucht eine gewisse Breite und Länge. Auch LKW müssen hier durchfahren können. Neue Bahnübergänge werden aber nicht mehr ohne technische Sicherung eingerichtet. Dann arbeite man eher mit Über- oder Unterführungen.

Frank Herzog, der bei der Bundespolizei in der Abteilung Kriminalprävention arbeitet, hat schon viele schreckliche Zugunfälle miterlebt. Auch er würde sich wünschen, dass alle Bahnübergänge sicherer gemacht werden. Trotzdem appelliert er auch an die Bürger. “Man muss immer schauen. Das Blinklicht kann zum Beispiel auch defekt sein.” Vor allem ein neues technisches Highlight, dass bei vielen sehr beliebt ist, sieht er als große Gefahr. “Earpods mit Noise Cancelling-Funktion. Das ist sehr gefährlich.” So hört man nämlich nahende Gefahren oder beispielsweise ein Signalpfeifen des Zuges einfach nicht.

Tipps am Bahnübergang:

  • Bremsbereit und mit maximal 50 km/h auf den Bahnübergang zufahren
  • Niemals überholen
  • Die Bahnstrecke nach beiden Seiten überblicken
  • Auf akustische Pfeifsignale achten
  • Sofort anhalten, wenn sich am unbeschrankten Bahnübergang ein Zug nähert
  • Am beschrankten Übergang schon bei rotem Blinklicht stehen bleiben, nicht erst, wenn sich die Schranken senken
  • Erst weiterfahren, wenn das Rotlicht aus ist und die Schranken vollständig geöffnet


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