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Kritik zum Stabwechsel bei Staatsforsten

Forstbetrieb als Trainingscamp?

Nach zweieinhalb Jahren als Forstbetriebsleiter verlässt Christoph Baudisch sein Revier, das auch den Tegernsee umfasst. Bei der Amtsübergabe an Jörg Meyer gab es viel Eigenlob, aber keine Selbstkritik. Nur von außen kommen Zweifel an der Symbiose von Wald und Wild.

Der bisherige Leiter der Staatsforsten im Landkreis, Christoph Baudisch (l.), bei der Stabübergabe durch Martin Neumeyer
(Vorstandsvorsitzender) an den Neuen in Schliersee, Jörg Meyer (r.)

Der Abschied vom 34.000 Hektar großen Betrieb fällt ihm sichtlich schwer. Mit tränenerstickter Stimme bedankt sich Baudisch nach seiner zweieinhalbjährigen Tätigkeit bei seinen 80 Mitarbeitern und den zahlreichen Kommunalpolitikern, die der Einladung der Bayerischen Staatsforsten nach Schliersee folgen.

„Sie hatten in Schliersee ein gutes Trainingscamp, das ihnen in der Regensburger Unternehmenszentrale bei der Ausbildung des Personals nutzen wird“, sagt Vize-Landrätin Ingrid Pongratz in ihrem Grußwort. Der 45-Jährige wechselt aus familiären Gründen nach Regensburg. Mit Blick auf das Reizthema Bejagung meint Miesbachs CSU-Bürgermeisterin:

Die nachgepflanzten Tannentriebe würden dem Wild eben besonders gut schmecken. Da müssen wir schauen, dass wir ein Miteinander von Jagd und Wald haben.

Deshalb sei es gut, wenn künftig mehr auf Mischwälder gesetzt werde. Ansonsten wird die Jagd an diesem Vormittag großräumig umgangen. Auch vom Vorstandsvorsitzenden der Staatsforsten, Martin Neumayer, der nur auf „eine enge Partnerschaft mit den Naturschutz und Jagdbehörden setzt“. Ihre Anliegen und ihr Einsatz seien wichtig und wertvoll.

Kein Wort dazu, dass es gerade im Landkreis Miesbach bei Jägern und Wildschützern brodelt, vor allem bei Hegeschauen. Zwar verweist Baudisch an anderer Stelle darauf, dass die Jagd dann in Ordnung sei, wenn die Verjüngung des Waldes so kommt, wie er sich dies vorstelle. „Jäger haben oftmals andere Interessen, das muss man verstehen“.

„Die Jagd hinbekommen“

Ein Indikator, wie es um das Wild im Bergwald bestellt ist, zeigt jährlich die Hegeschau in Miesbach. Und aus dem Blickwinkel der Jäger steht es vor allem schlecht um die Gams. Gegen sie gebe es einen Vernichtungsfeldzug, heißt es seit Jahren auf der „Kruckerlschau“ in der Oberlandhalle.

So beklagt beispielsweise Martin Weinzierl, Vorsitzender der Kreisgruppe Miesbach des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), dass die Staatsforsten darauf bedacht seien, die Gams verstärkt zu schießen. Die ausgestellten Gamskruckerl erfüllten ihn mit Sorge. Darunter seien auffallend viele Jungtiere. Für Weinzierl steht daher seit längerem fest:

Die Gams wird zu stark bejagt, ihre Rückzugsgebiete werden immer beengter.

Maximal zehn Prozent sollte der Abschuss in der Schonzeit betragen, „doch in den letzten Jahren ist diese Verordnung missbraucht worden. Die Abschusszahlen sind weit höher“. Für ihn habe dies den Charakter einer Verdrängungsmaßnahme. Doch der scheidende Baudisch ist sich sicher, „dass wir das Thema Jagd im Großen und Ganzen ordentlich hinbekommen haben“, wie er vor einer Woche öffentlich erklärte. Es hätte keine größeren Probleme gegeben.

Holzeinschlag im Schutzgebiet

Anders sieht dies seine Kritikerin vom Verein „Wildes Bayern“. Die Rottacherin und Wildbiologin Dr. Christel Miller beklagt in einem Schreiben an das Landratsamt, „dass in einigen Revieren des Forstbetriebes Schliersee die entsprechenden Abschusspläne in unzulässiger Weise überschritten wurden“. In Anbetracht der wiederholten Überschreitungen vergangener Jahre bestehe eine konkrete Wiederholungsgefahr.

Das Verhältnis zu Grundbesitzern, Almbauern, Jägern hat sich nicht gebessert, sondern eher noch verschärft.

Weiterhin würden großflächige Gebiete verwaltungsintern als „wildfrei zu machen“ deklariert, vom Hirschberg bis zum Wendelstein. Unweit davon begann sehr zum Ärger von Miller der Forst mit dem Holzeinschlag in einem Schutzgebiet für Raufußhühner. Eigentlich ein Tabu in der Brutphase. Schützenhilfe bekam Baudisch vom Landratsamt. Denn der Forstbetrieb habe grundsätzlich die „notwendige Fachkompetenz“ um das eigenständig beurteilen zu können.

Holzaktion des Forstbetriebs Schliersee in dem Schutzgebiet der Raufußhühner (Foto: Verein Wildes Bayern)

Doch der Verein, dessen Vorsitzende Herzogin Helene in Bayern ist, will dies nicht so stehen lassen und dagegen klagen. Denn hier gehe es um „Dienstpflichtverletzungen, Vergehen gegen das Naturschutzgesetz und gegen das Waldgesetz“. Dies sei das Abschiedsgeschenk vom Verein an Baudisch, damit er sich noch länger „an seine Zeit im schönen Schliersee erinnert“.

Kommt es zum Rechtsstreit, dürfte dieser dann dem Nachfolger Jörg Meyer vor die Füße fallen. Der 39-jährige Allgäuer, mit einer steilen Karriere durch Bundes- wie Landesministerien, „freut sich sehr auf diese neue und schöne Herausforderung“. Damit gehe für ihn ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Offenbar wurde ihm nicht übermittelt, dass der Forstbetrieb im Landkreis ein schwieriges Terrain ist. Dem Neuen im „Trainingscamp“ wird daher von Pongratz mit auf den Weg gegeben, „Wald und Wild in Einklang zu bringen“


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