Zwist um Maximilian
„Tut net so scheinheilig“

von Nicole Kleim

Gut, dass Bürgermeister Georg von Preysing vor der gestrigen Ortsplanungsausschuss-Sitzung Baldrian genommen hatte, wie er scherzhaft verkündete. Sonst hätte er Grünen-Rätin Helga Wagner vermutlich des Saales verwiesen.

Statt der geplanten Büroräumen sollen nun zwei Arztpraxen ins Maximilian kommen.

Auf dem Ratstisch lag der Tekturantrag des Herzoglichen Brauhauses Tegernsee für das denkmalgeschützte ehemalige Gasthaus Maximilian. Einen Windfang in der Größe von 2,50 mal 2,80 Meter plant die Brauerei zum Eingang des Biergartens hin, einen Lastenaufzug im hinteren Bereich der Parkplätze.

Der Biergarten soll mit einer 12,30 mal 3,30 Meter großen Überdachung geschützt werden. Statt eines durchgängigen Lichtbandes im Giebel sind nun auf beiden Seiten je neun kleine Dachfenster vorgesehen. Dafür sei eine Abweichung vom Bebauungsplan nötig, erklärte Bauamtsleiterin Christine Lang.

Zwei Arztpraxen statt Büroräume

Für die bisher 600 Quadratmeter große Fläche, die sich auf zwei Geschosse verteilt, beantragte die Brauerei ebenfalls eine Nutzungsänderung. Statt der geplanten Büroräume will man in die Räumlichkeiten nun zwei Arztpraxen unterbringen.

Lang erklärte, dadurch ändere sich der Stellplatzbedarf von bisher 20 auf jetzt 17. Vize-Bürgermeister Georg Rabl (FWG) befürworte die Änderungen und sagte, der Windfang sei ein „hervorragender Lärmschutz“ und das Salettl die richtige Ergänzung zum Biergarten. Woraufhin Helga Wagner (Bündnis90/Grünen) beinahe erbost vom Stapel zog:

Das ist doch kein Biergarten – das ist doch nur noch Stein. Eine einzige Betonwüste. Wisst Ihr denn nicht, wie ein Biergarten aussieht?

Rabl verwies auf zwei geplante Bäume im Garten. „Das ist doch eine Farce“, regte sich Wagner auf. Zu jedem einzelnen Punkt hatte sie dann Fragen auf Lager. In ihrer Aufregung ging sie davon aus, dass statt einer Reduzierung der 20 Stellplätze auf 17 noch 17 dazukommen sollten, und dass die Stuckdecken im Obergeschoss und die alten Türen verschwunden seien, was der Bürgermeister verneinte.

Wagner zweifelt von Preysings Worte an

„Das Landesamt für Denkmalpflege erhält alles, was zu erhalten ist“, beruhigte von Preysing sie. „Die können doch nix bestimmen“, wetterte Wagner und fügte hinzu: „Ich bin unsicher, weil ich nicht sicher bin, ob das so stimmt, was Sie sagen.“

Alles erfolge in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege, entgegnete ein sichtlich angegriffener von Preysing. CSU-Sprecher Franz von Preysing unterbrach: „Schade, dass nur negative Kommentare zu hören sind. Wir sollten dankbar sein, dass sich mitten im Zentrum künftig zwei Arztpraxen ansiedeln.“

„Ihr habt den Maximilian verraten“

Wagner hatte sich gesammelt und legte nun richtig los: „Der arme Maximilian. Das Restgrundstück ist von diesem hässlichen Beton so zugebaut, dass es nicht im Mindesten schön ist.“ Der Verkauf an Ten Brinke sei doch zu einem so niedrigen Preis über die Bühne gegangen, dass die ganze Abwicklung zu Himmel stinke.

Ten Brinke sei ein Immobilienspekulant, der „über Leichen gehe“. „Ihr habt den Maximilian verraten“, warf die Grünen-Rätin ihren Ausschuss-Mitgliedern vor. „Tut ned so scheinheilig.“ Das war von Preysing zuviel: „Besser, Sie gehen jetzt heim zu ihrer Tochter.“

Peer Heerklotz (CSU) wies die Vorwürfe zurück und kritisierte Wagners Verhalten, ehe es dann zur Abstimmung ging. Mit der Gegenstimme von Wagner genehmigten die Ratsmitglieder die beantragte Nutzungsänderung.


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