Energiewende am Tegernsee

Über die Grenzen des Tals hinaus

Von Martin

Wenn man im Oberland unterwegs ist fällt eines auf: Von der Energiewende ist bei uns noch nicht viel zu sehen. Zumindest nicht in Sachen Windkraft.

Im Tegernseer Tal könnte das laut E-Werk-Chef Norbert Kruschwitz auch so bleiben. Werner Fees, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Miesbach des Bund Naturschutz, sieht das ähnlich: „Der Schutz des Landschaftsbildes muss Vorrang haben.“

Werner Fees vom Bund Naturschutz. Foto: Thomas Stephan
Werner Fees vom Bund Naturschutz. Foto: Thomas Stephan

In einem Gespräch erläutert Fees darüber hinaus weitere Positionen des BN in Sachen Energiewende im Oberland.

Herr Fees. Kann das Tegernseer Tal bis 2035 mit regenerativen Energiequellen energieautark versorgt werden?

Werner Fees: Aus unserer Sicht grundsätzlich ja. Dafür müssen aber einige Voraussetzungen geschaffen werden. Insbesondere Umdenken und Umlenken. Die Menschen, auch im Tegernseer Tal, müssen weg von der Vorstellung der Strom kommt aus der Steckdose.

Das Wichtigste ist zunächst die Einsparung. Die Tal-Gemeinden haben das Ziel der Region übernommen und sich gegenüber der Energiewende Oberland bis 2035 verpflichtet, bis zu 40 Prozent Stromverbrauch einzusparen.

Ferner sollte man den Bereich für Energieautarkie nicht zu eng nehmen. Die kleinste Einheit muss wohl der Landkreis sein, besser noch der gesamte Wirkungsbereich der Energiewende Oberland.

Dabei verstehen wir unter Autarkie, dass in diesem Bereich zwar ebensoviel Energie produziert wie verbraucht wird, aber natürlich auch Energieexport und – import möglich ist. Die Abstimmung zwischen Energieerzeugung und Energieverbrauch muss – wie auch bisher – auf höherer Ebene erfolgen.

Stichwort: Energiespeicherung und Gleichzeitigkeitsfaktor: Gibt es hier konkrete und umsetzbare Lösungen in der regenerativen Energie, die diese Problematik beheben?

Fees: Die Entwicklung geht in Richtung intelligente Netze. Stichwort SmartGrid: Verbrauchsstellen entnehmen für Geräte, die nicht zu bestimmten Zeiten laufen müssen, dann Energie, wenn genügend vorhanden ist.

Zum Beispiel kann die Waschmaschine dann angeschaltet werden, wenn gerade viel Strom verfügbar ist. Auch bei Akkus von Elekroautos können gegebenenfalls als Energiespeicher genutzt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Umwandlung von regenerativem Strom in Wasserstoff. Stichwort „Windgas-Technologie“ beziehungsweise „Methanisierung“. Eine derartige Anlage ist für den Landkreis in Planung.

Weder für Norbert Kruschwitz noch für Werner Fees ist Windkraft am Tegernsee ein Thema. Quelle: Hadhuey

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema Windkraft im Tegernseer Tal?

Fees: Windkraftanlagen betrachten wir kritisch, halten Sie aber in Abhängigkeit vom Windkraftatlas und Regionalplanungsvorgaben zunächst nicht überall für ausgeschlossen. Grundsätzlich meinen wir: Keine Großwindanlagen im Tegernseer Tal.

Hier muss der Schutz des Landschaftsbildes Vorrang haben, weil er ja naturschutzrechtlich durch die Ausweisungen der Landschaftsschutzgebiete vorgegeben ist. Jedoch werden sich die Energieversorger des Tales an Windkraftanlagen im nördlichen Landkreis beteiligen, soweit dort nach den noch zu erstellenden Vorgaben Windkraftanlagen möglich sind.

Was entgegnen Sie der Aussage von Norbert Kruschwitz, dass ein energieautarkes Tegernseer Tal ohne sogenannte „Back-up“–Kraftwerke nicht möglich ist?

Fees: Die Frage ist, woher das Gas kommt. Das Tegernseer Tal wird nicht energieautark, wenn ein Gaskraftwerk gebaut wir, das Gas jedoch importiert werden muss.

Gas wird zukünftig auch mit Hilfe von regenerativen Energien erzeugt werde. Wie bereits erwähnt gibt es hier die Möglichkeit von „Windgas“. Insgesamt darf Energieautarkie nicht zu kleinräumig gesehen werden. Sonst wird sie nicht funktionieren.


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