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Gemälde von 1831 zeigt neue Details

Unbekanntes Kaltenbrunn …

Der Vierseithof stammt aus dem 15. Jahrhundert. Doch erst als Heinrich Adam den „Kaltenbrunnerhof“ vor knapp 200 Jahren malte, wird bislang Unbekanntes sichtbar, worüber selbst Historiker rätseln.

Ein ganz neuer Blick auf das Juwel am Nordufer des Tegernsees: Das Gemälde von Heinrich Adam zeigt Kaltenbrunn im Jahr 1831.
Ein ganz neuer Blick auf das Juwel am Nordufer des Tegernsees: Das Gemälde von Heinrich Adam zeigt Kaltenbrunn im Jahr 1831.

Unscheinbar hängt es im Murnauer Schloßmuseum und ist eines von mehreren Gemälden der Ausstellung „Auf’s Land“. Die Sammlung widmet sich der „Bewegung“ des städtischen Großbürgertums Mitte des 19. Jahrhunderts, Rückzugsgebiete in Oberbayern zu suchen, vom Starnberger See bis zum Tegernsee. Dabei stieß das Museum bei der Suche nach geeigneten Gemälden auch auf ein Aquarell von Heinrich Adam. Geboren 1787 machte er sich einen Namen als „Prospectenzeichner“.

Seine Landschaften gefielen auch König Max I. von Bayern. Vier Hefte mit 32 Blättern erschienen seinerzeit in München. Eines davon könnte der Kaltenbrunnerhof von 1831 sein. Zwar starb König Max I. Joseph bereits 1825, doch er war es, der dem Vierseithof seine heutige Form gab. 1821 kaufte er es für 44.000 Gulden, richtete wieder eine Viehzucht ein und baute den Betrieb zu einer Musterökonomie aus.

Bereits ein Jahr später, 1822, anlässlich des Kaisertreffens mit Alexander I. von Russland und Franz I. von Österreich, lud König Max zu einem Fest nach Kaltenbrunn ein. Das Tal wurde durch ein abendliches Feuerwerk und große, nächtliche Feuer auf allen Gipfeln rund um den See erleuchtet. 1825 erbte Karl von Bayern das Gut.

Bootsfahrt der Königlichen Familie

Was Adams Bild so interessant macht, ist ein mächtiges Holzhaus am See und zwei Ruderboote. Das Größere davon gleicht einer kleinen Galeere, mit zehn Ruderern und einer stattlichen Kajüte. Auch mehrere Fahrgäste sind zu erkennen. Vermutlich Mitglieder der königlichen Familie, glaubt der im Tal bekannte Historiker Dr. Roland Götz, der das Motiv auch zum ersten Mal sieht: „Es könnte sein, dass das Holzhaus am See mit den Aufenthalten des Königs am See in Verbindung steht. Ein Badehaus war es wohl zu diesem Zeitpunkt von 1831 eher nicht“.

Auch der Münchner Besitzer des Adam-Gemäldes, Enzio von Kühlmann-Stumm, kennt die Vorgeschichte des ererbten Bildes und das damalige Leben auf dem Kaltenbrunnerhof nicht. Mehr Aufklärung bietet ein Reiseführer von 1838. Auf 210 Seiten beschreibt Joseph von Hefner mit dem Titel „Tegernsee und seine Umgegend“ seine Eindrücke von Wanderungen im Tal. Daraus wurde eine Liebeserklärung an den Tegernsee.

Brotzeit Anno 1838

„Sind wir auf der Anhöhe angelangt, so ladet uns hier ein Zelt, dort das Herrschaftshaus freundlich ein, uns der herrlichen Aussicht zu erfreuen, oder uns mit frischer Alpenmilch, mit Bier, mit trefflichem Käs oder Butter oder mit Kaffee zu erquicken. Der Kaltenbrunnerhof nebst den dazugehörenden Alpen gelangte den 1. Mai 1821 durch Kauf an den höchstseligen König.

Da der gute Maximilian jede Gelegenheit ergriff, Freude und Heiterkeit um sich zu verbreiten, so mußte auch die Übergabe dieses Hofes Veranlassung zu einem ländlichen Feste werden. Ursprünglich war Kaltenbrunn ein Schloß, das die von Ebertshausen als Marschälle des gefürsteten Klosters zu Lehen hatten. Seine dermalige Gestalt verdankt der Hof dem höchstseligen Könige, der hier eine Musterlandwirtschaft errichtete.

Derzeit wird einiges in Kaltenbrunn verändert...
Schon damals faszinierte der Ausblick von Kaltenbrunn auf den Tegernsee…

Neben weiteren Gebäuden befand sich hier das Herrschaftshaus, der Bauhof, nebst mehreren Stallungen und Remisen. Das Herrschaftshaus ist ein im Geschmacke des Gebirgsländlichen erbautes Landhaus. Den oberen Stock nimmt ein Speisesaal ein, von dessen Balkon man die überraschende Aussicht über die herrliche Landschaft hat. Das Gebäude diente ehemals der königlichen Familie als Absteigequartier.

Sehenswert sind das Buttergewölbe, der Käsekeller, die Milchkammer, wo sich der Milchbrunnen befindet. Die Stallungen sind äußerst reinlich und von Stein gebaut. Im Sommer stehen sie leer, weil die aus Hundert Stück bestehende Herde auf der Königsalpe sich aufhält. Ein Herrlichen Anblick gewährt es, von Kaltenbrunn aus die Sonne sinken, den Mond über den Wallberg aufgehen und den See in purpurnem Zauberlichte zu sehen.”

Käfer beauftragte Michael Heim

Knapp 200 Jahre später werden diese Zeilen auch in einem neuen Buch über die Historie von Gut Kaltenbrunn aufgearbeitet werden. Die Idee dazu stammt vom neuen Betreiber, dem Gastronomen Michael Käfer, wie er der Tegernseer Stimme verriet. Käfer und der inzwischen verstorbene Dr. Michael Heim, einer der intimsten Kenner des Tals, saßen vor zwei Jahren zusammen und plauderten über die „wunderbaren Geschichten von Kaltenbrunn“, so Käfer, „Heim war von dieser Idee zu einem Buch ganz begeistert.

Bis zu seinem Tod im Dezember recherchierte und schrieb er an dem Buch, das bis auf ein paar Kapitel fertig ist. Gegengelesen hat es nun Hans-Herbert Perlinger, ehemals Direktor des Tegernseer Gymnasiums. Das Buch soll erst nächstes Jahr erscheinen, denn wir wollen in Kaltenbrunn erst einmal mit den Baumaßnahmen fertig werden“.

Die Ausstellung “Auf’s Land – Landhausbilder von Kobell bis Richter” im Schloßmuseum Murnau endet am 26. Juni.


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