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Wieder „ein kleiner Meilenstein“ in Tegernsee

Unten Autos, oben Therapiehalle – Ein Plan reift

Auch wenn der Bebauungsplan für die Orthopädische Klinik vom Stadtrat verabschiedet wurde, so hat die lang umstrittene Therapiehalle noch einen langen Weg durch die Instanzen vor sich. Derweil prüft die Deutsche Rentenversicherung (DRV) weiterhin andere Standorte.

Der Stadtrat hat den Bebauungsplan für die Orthopädische Klinik Satzung erhoben. / Archivbild

Bauamtsleiterin Bettina Koch hatte am Montagabend eine Mammutaufgabe zu bewältigen. Sie musste zuvor nicht nur die 35 Seiten umfassenden öffentlichen und privaten Stellungnahmen sowie die dazugehörigen Abwägungen der Stadt verfassen, sie musste sie auch in der Sitzung seitenweise vorlesen.

Bereits vor drei Jahren hatte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bayern Süd einen Drei-Stufen-Plan für die Erweiterung und Modernisierung der Orthopädischen Klinik auf der Point eingereicht. Doch seitdem geht es nur in kleinen Schritten voran. Wegen eines Schreibfehlers im Internet im vergangenen Jahr musste die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans aus Gründen der Rechtssicherheit wiederholt werden.

Zum Abschluss gebracht werden musste zudem im Juni ein städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt und der DRV. „Es geht nun um zwei Änderungsbereiche. Zum einen seeseitig um den Neubau der Therapiehalle und an der Straße um die Rücknahme des Baurechts“, so Koch.

Mehr Abstand zum Seeufer gefordert

Die Therapiehalle, die auf dem Dach der Tiefgarage errichtet werden soll, ragt 5,30 Meter in die Höhe und liegt 40 Meter vom See entfernt. Die Schlösser- und Seenverwaltung hatte mehr Abstand zum See gefordert:

Mindesten fünf bis sieben Meter sollte das Therapiezentrum an der Südostecke zurückgenommen werden, um eine großzügigeren Abstand zum Seeufer zu erhalten.

Die Stadt erwiderte, dass „eine Verkleinerung des Therapiegebäudes nicht möglich ist.“ Die dargestellten Flächen würden von der DRV benötigt werden, um Behandlungen entsprechend den aktuellen Reha-Standards anbieten zu könne. Bis zu 85 Patienten könnten darin von 20 Mitarbeitern betreut werden. Zudem könne die damit verbundene Beeinträchtigung des Landschaftsbildes wegen des öffentlichen Interesses am Klinikbetrieb hingenommen werden, so die Stadt.

Weiter bemängelt die Seenverwaltung, dass sich durch die Vergrößerung der Klinik bei der Schwaighofbucht auch der „Nutzungsdruck auf die angrenzenden Staatsgrundstücke (Tegernsee) erhöhen könnte“. Dieser Einwand könne „nicht nachvollzogen“ werden, so die Stadtverwaltung, da keine zusätzlichen Betten geschaffen und damit die Zahl der Patienten nicht erhöht werde.

„Einschränkung des Landschaftsbildes“

Auch die Regierung von Oberbayern wies auf die besondere Bedeutung der Seelage hin. Deshalb sollte die „landschaftliche Einbringung und die Baugestaltung“ in der Detailplanung mit dem Landratsamt abgestimmt werden. Dem Landratsamt liegt vor allem die korrekte Angabe der Ausgleichsfläche von 854 Quadratmetern im Gemeindegebiet von Bernried am Starnberger See am Herzen. Diese seien, so die Stadt, im Mai in einem „städtebaulichen Vertrag“ mit der DRV festgelegt worden.

Mehrere Seiten umfasste die Stellungnahme von Heidi Herzinger als direkte Nachbarin an der Seestraße. Sie befürchtet unter anderem eine „erhebliche Beeinträchtigung ihrer Grundstücksnutzung“, insbesondere deshalb, weil der naturbezogene Erlebniswert der Point durch das seenahe Gebäude „deutlich reduziert wird“. Doch diese „Einschränkungen des Landschaftsbildes“ seien deshalb „hinzunehmen, weil die Schaffung zukunftsfähiger Therapieflächen im öffentlichen Interesse liegt“.

Für die DRV ist Kreuth noch im Rennen

So sah es auch SPD-Sprecher Thomas Mandl. „Was nun vorliegt ist eine deutliche Reduzierung gegenüber der ursprünglichen Planung. Weil der Betreiber sehr kooperativ war“, fand Mandl. So würden nun Pläne vorliegen, „die genehmigt werden können“.

Obwohl er sehr kritisch bei der Zerstörung von Landschaftsschutzgebieten sei, sei es hier weniger problematisch, „weil unter der Therapiehalle schon eine Tiefgarage ist“. Ausschlaggebend für ihn sei auch, die „gut bezahlten und qualifizierten“ Arbeitsplätze hier am Ort zu halten. Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Johannes Hagn (CSU):

Der Weg war lange, dennoch ist es auch jetzt erst mit dem Beschluss des Bebauungsplans ein kleiner Meilenstein.

Der Stadtrat folge ihm einstimmig. Für DRV-Sprecher Jan Paeplow ist der Beschluss ein „erster wichtiger Schritt“. Nun würden Umsetzungsschritte für einen Bauantrag der geplanten Therapiehalle erfolgen. „Bekannt ist, dass zum Stufenplan weitere Alternativen überprüft werden müssen“.

Dies seien „Bauvorhaben in Kreuth und Neualbenreuth“. Im Rahmen eines solchen Projektes seien alternative Planungen immer erforderlich und ein übliches Prozedere. Planungen in dieser Dimension nehmen selbstverständlich eine große Zeit in Anspruch. Paeplow: „Wir arbeiten intensiv daran, zeitnah eine Entscheidung treffen zu können“.


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