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Großfamilie wollte Miesbacher Polizeistation stürmen

Urteil gegen Anführer des Angriffs gefällt

Von Sabiene Hemkes

Am 10. August 2021 versuchten Mitglieder einer rumänischen Großfamilie, die Polizeiwache in Miesbach zu stürmen. Gestern mussten sich die vier Anführer der Gruppe vor dem Amtsgericht München für ihre Taten verantworten.

Einer der Angreifer wird von der Gruppe isoliert und abgeführt.

Im August 2021 versuchten bis zu 30 Mitglieder einer rumänischen Großfamilie, die Polizeiwache in Miesbach zu stürmen. Mit einem großen Polizeiaufgebot wurde der Angriff zurückgeschlagen. Auslöser war die Inhaftierung eines damals 22-jährigen Familienmitgliedes.

Dieser war am Tag zuvor unter dem Verdacht auf Kindesmissbrauch in Hausham festgenommen worden. Bei dem Versuch, sich gewaltsam Einlass in die Polizeiwache zu verschaffen und den tatverdächtigen Mann zu befreien, kam es zu diversen Angriffen auf die anwesenden Polizisten und erheblichen Sachbeschädigungen.

In der Folge entwickelte sich eine über Stunden andauernde Auseinandersetzung zwischen den Mitgliedern der Großfamilie und den Polizeikräften. Unterstützung erhielten die Miesbacher Beamten durch hinzugerufene Sondereinsatzkräfte. Ein Hubschrauber und Rettungskräfte waren ebenfalls vor Ort.

Entschuldigung bei einem beim Angriff verletztem Beamten

Gestern mussten sich die vier Haupttäter des Angriffs vor dem Amtsgericht München wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch in Tateinheit mit Körperverletzung, Widerstand gegen Staatsgewalt und anderer Delikte verantworten. Drei der vier Tatverdächtigen, die im Alter zwischen 23 und 48 sind, waren in der Verhandlung geständig. Einer der Angeklagten sagte aus, dass er aus heutiger Sicht die Tat als „unnötige Reaktion“ erachte und fügte ergänzend hinzu:

Es war eine große Dummheit, und ich habe das sehr bereut.

Dieser Aussage ließ der Mann noch eine Entschuldigung an einen der verletzten Polizeibeamten folgen, der als Zeuge in dem Prozess im Amtsgericht aussagte.

Body-Cam Video liefert Beweise

Neben den Zeugenaussagen wurden vor Gericht auch die Aufnahmen eines Body-Cam-Videos als Beweise zugelassen. Auf den Bildern der Kamera war zu erkennen, wie sich das Geschehen vor der Polizeiwache aufheizte. Dies war wohl auch der erkennbaren, teilweise starken Alkoholisierung der Angreifer geschuldet. Die Polizei hielt die sehr aggressiv agierenden Familienmitglieder mit dem Einsatz von Schlagstöcken und auch Pfefferspray davon ab, die Wache zu stürmen.

Hier sieht man die Beamten, wie sie Familienmitglieder auf dem hinteren Teil des Parkplatzes an der Volksfestwiese in Miesbach bewachten.

Danach wurde die Gruppe, inklusive der teilweise noch kleinen Kinder und Frauen, die auch am Angriff beteiligt waren, auf dem Parkplatz auf der Volksfestwiese eingekesselt und nach und nach einzeln abgeführt.

Familienmitglieder durften nicht in den Gerichtssaal

Die festgenommenen Männer wurden anschließend dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Dieser erhob Haftbefehl, und die vier Hauptverdächtigen wurden ins Untersuchungsgefängnis München-Stadelheim eingeliefert.

Der zuständige Richter am Amtsgericht sah die Schuld der Angeklagten als bewiesen an. Die Männer wurden zu Haftstrafen zwischen einem Jahr und 16 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Der Verhandlung, die wegen der erwarteten großen Zuhörerschaft in einen großen Sitzungssaal verlegt wurde, konnte die Mehrzahl der Angehörigen der Täter nicht live verfolgen. Ihnen fehlte der zur Teilnahme an der Verhandlung vorgeschriebene 3G Nachweis.

22-Jähriger, der Auslöser war, wurde inzwischen verurteilt

Ergänzt sei noch, dass der 22-Jährige, den die Großfamilie aus dem Polzeigewahrsam befreien wollte, zwischenzeitlich ebenfalls rechtskräftig verurteilt worden ist. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten wegen Kindesmissbrauchs. Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesetzt. Dazu eine Sprecherin des Amtsgerichts München:

Die Folgen für die vier Personen, die versuchten, die Freilassung zu erreichen, waren damit im Endeffekt schwerwiegender, als für die Person, dessen Festnahme überhaupt der Anlass war.

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