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Wiesseer Bauausschuss genehmigt Reihenhäuser

Diskussionen um einstiges Ignazhof-Areal

Ein Vierteljahrhundert war das Gästehaus des „Ignazhofs“ eine Bauruine, jetzt kam die Abrissbirne. Nun sollen an der Freihausauffahrt neun Reihenhäuser entstehen. Doch die Pläne gefallen nicht jedem im Bauausschuss von Bad Wiessee

Die Bauruine am Freihaus wurde beseitigt.
Die Bauruine an der Freihausauffahrt wurde beseitigt.

Das ehemalige Gästehaus des „Ignazhofs“, das 1956 errichtet wurde, hatte schon viele Eigentümer. Nachdem es 1989 verkauft wurde, folgten „Jahrzehnte permanenter Planungen und ständig wechselnde Bauherren, mit denen sich das Rathaus und der Gemeinderat auseinandersetzen mussten“, klagte Wiessees Bauamtsleiter Helmut Köckeis sein Leid vor dem Bauausschuss.

Noch vergangenes Jahr hatte Köckeis einen Bauantrag der „Tegernsee Residenz GbR“ aus Hannover auf dem Tisch liegen. Sie wollte auf dem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen der Birkenstraße und der Freihausausfahrt zwei Mehrfamilienhäuser mit je fünf Wohnungen und 1.300 Quadratmetern Geschossfläche errichten. Bereits im Sommer vergangenen Jahres sollte der erste Spatenstich erfolgen.

Doch wie so oft: der Bauwerber zog seinen Antrag zurück und verkaufte das Grundstück samt dem genehmigtem Bebauungsplan an die „Baustolz München GmbH“. Das Unternehmen wirbt im Internet mit „schlüsselfertigen Eigenheimen zu unschlagbar günstigen Komplettpreisen“. Als „innovative Standardisierung“ sollen nun auch neun Reihenhäuser an der Freihausauffahrt entstehen. Diese sind laut dem geänderten Bebauungsplan in einen Fünf- und einen Vier-Spänner aufgeteilt.

Haustyp Barcelona. / Quelle: Baustolz GmbH
Haustyp Barcelona mit Satteldach. / Quelle: Baustolz GmbH

Haustyp „Valencia“ mit etwa 125 Quadratmetern Wohnfläche wird ein „durchgehendes Gebäude“, so Köckeis, der etwas größere Typ „Barcelona“ sieht fünf versetzte Häuser Richtung Birkenstraße vor. Statt einer Tiefgarage sind Carports und insgesamt 25 Stellplätze mit Zufahrt von der Freihausauffahrt geplant.

„Stilbruch mit Gewinnmaximierung“

Positiv wurde im Bauausschuss gewertet, dass sich die Gesamtgeschossfläche mit dem neuen Plan der Baustolz GmbH auf nunmehr 1.030 Quadratmeter verkleinert habe. „Gegenüber der ursprünglichen Planung ist dies eine deutliche Reduzierung des Bauvolumens“, lobte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) das Projekt.

Doch Diskussionen entfachten das Gebäude „Valencia“, das im Internet mit Flachdächern abgebildet ist, wie Kurt Sareiter anmerkte. Diese Flachdächer seien nicht mit der Ortsplanungssatzung vereinbar, hieß es parteiübergreifend. Doch Köckeis konnte die Ausschussmitglieder beruhigen:

Hält man daran fest, kann ich den Antrag nicht genehmigen. Ich habe hier noch nie ein Haus mit Flachdach genehmigt.

Ihm lägen nur Pläne der „Baustolz“ mit Satteldächern und einem Dachüberstand von 1,20 Meter vor, die der Satzung entsprechen würden. Doch auch dies überzeugte Robert Huber (SPD) nicht. Das sei zwar ganz nett gemacht, „aber für mich ist dies ein Stilbruch in jeder Hinsicht. Trotz alledem ist das eine Gewinnmaximierung“. Reihenhäuser neben dem schönen Ignazhof, dieser Art der Bebauung werde er nicht zustimmen.

„Häuser für den Mittelstand“

Ähnlich sah es Georg Erlacher (CSU). Er habe etwas Angst vor der Gestaltung der Häuser. „Es soll nicht aussehen wie Starenkästen, die man einfach zusammenschraubt, sondern man soll die beiden Mehrfachspänner auch anschauen können“. Da habe er so einige Bedenken.

„Es ist eine für den Ort ungewöhnliche Bebauung“, gab auch Klaudia Martini (SPD) zu bedenken. „Wichtig wäre in der Teilungserklärung für die künftigen Eigentümer festzuhalten, dass die Häuser einheitlich aussehen und nicht mit verschiedenen Farbtönen angestrichen werden“.

Haustyp Valencia. / Quelle: Baustolz GmbH
Die Flachdächer des Haustyps Valencia sorgten für Diskussionen. / Quelle: Baustolz GmbH

Damit nicht „irgendein Brei“ entstehe, werde der Bauherr Fassaden und Terrassen einheitlich gestalten, versicherte Köckeis. „Die neuen Eigentümer haben dann keine Möglichkeiten mehr, an ihren Gebäuden selbst Hand anzulegen“. Noch aber sei nichts rechtskräftig, da es sich erst um einen Entwurf für die Änderung des Bebauungsplanes handeln würde, der noch öffentlich ausgelegt werden muss. „Ein Satzungsbeschluss wird frühestens im Frühjahr nächsten Jahres gefasst werden können“, so der Bauamtschef. Das Objekt müsse sich in die nähere Umgebung einfügen, forderte Höß.

Wenn ich das bei den Fassaden geschickt mit Holz mache, ähneln sie zwar nicht einem Bauernhof, aber sie würden dort hin passen.

Es sei vom Bauwerber nicht geschickt gewesen, mit Flachdächern im Internet zu werben. Fritz Niedermaier (FWG): „Wenn die Nachbarin mit ihrem Fremdenverkehrsbetrieb damit leben kann, ist das für mich entscheidend“. Er sei froh, „dass dort hinten endlich mal etwas vorangeht“. Alle wüssten, wie rar Grundstücke für Familien seien.

„Diese Flächen für Einheimischen-Programme haben wir nicht“, bedauerte Florian Sareiter (CSU). Seinen Informationen nach sollen die Reihenhäuser weniger als 700.000 Euro kosten. Für den Bankkaufmann „ist das ein Preis, den sich eine mittelständische Familie bei den heutigen Kreditzinsen vielleicht noch leisten kann“. Zwar sei die Bebauung auch für sein Verständnis nicht die „allerschönste“. Aber es sei ein schlüssiges Konzept.

Eine Mehrheit im Bauausschuss folgte Sareiter. Mit 7:2 Stimmen wurde der Antrag für die Reihenhäuser genehmigt.

Für die betroffene Anliegerin Annedore Quercher mit ihren Ferienwohnungen sind die Reihenhäuser auf ihrer Südseite „harte Kost“. Aber sie tröstet sich damit, „dass die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt“.


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