Vergabe und Vergeblichkeit

von Benno Kirschenhofer

Wohnraum ist knapp in der Marktgemeinde. Das Neubaugebiet im Holzkirchner Nordwesten taugte zwar nicht zum Leuchtturmprojekt der Gemeinde, sollte aber Signalwirkung entfalten und für eine erste Entlastung sorgen. Die Vermarktung zahlreicher Parzellen obliegt der Kreissparkasse: Nach dem Versand der ersten Bescheide war der Unmut bei einigen Bewerbern groß.

Der Bewerberdruck für die Parzellen des ersten Bauabschnittes in der Maitz war groß – ebenso teilweise die Enttäuschung / Quelle: Markt Holzkirchen.
Der Bewerberdruck für die Parzellen des ersten Bauabschnittes in der Maitz war groß – ebenso teilweise die Enttäuschung / Quelle: Markt Holzkirchen.

„Es is a riesen Sauerei“, wendet sich einer der abgelehnten Bewerber an unsere Redaktion. „Ich bin mit meiner Familie bereits seit einigen Jahren ortsansässig und überdies Kunde der Kreissparkasse. Wir waren mit die ersten auf der ‚Liste‘ überhaupt und haben uns auf wohlwollende Zusagen von Sparkassenmitarbeitern und einen fairen Vergabeprozess verlassen. Am Ende wurden dann Bewerber bevorzugt, die sich weitaus später beworben haben.“ Dem Geschäftsmann und Vater von zwei Kindern stößt darüber hinaus insbesondere die knappe, schriftliche Absage ohne Gründe auf – und auf Fragen nur noch ausweichende Reaktionen erhalten zu haben.

Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, genauer gesagt das Gmunder KompetenzCenter Immobilien trat als Makler für die Parzellen auf. Der Eigentümer, ein Landwirt, so hieß es, wollte nichts mit der Vorauswahl zu tun haben, behielt sich aber vor, am Ende darauf zu achten, „dass die Leut a bissal zammbassn, die dort wohnen“. Gutsherrenart?

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Ein legitimes Vorgehen?

Für Grundstücke, die auf dem freien Markt angeboten werden, ist das Prozedere legitim. Aus dem zumindest gefühlt „kommunalen Charakter“ des Bauprojektes ist jedoch eine Wahrnehmung und Anspruchshaltung erwachsen, die Marktgemeinde und Sparkasse in einer Art schiedsrichterlicher Pflicht sieht – und entsprechend die Gerüchteküche befeuert:

Von „Typisch Holzkirchen – das ging doch alles wieder unter der Hand“ bis hin zum Vorwurf, der Otterfinger Architekt Gerhard Zach habe sich gleich die vier Filetstückchen des ersten Bauabschnittes „unter den Nagel reißen können“. Auf unsere Nachfrage erklärt Zach:

„Das ist natürlich nicht richtig. Freilich war ich als Architekt an der Entwicklung des Gebietes beteiligt, habe aber nichts gekauft und trete nicht als Bauträger auf. Den Ärger der Bewerber, die nicht zum Zug gekommen sind, kann ich natürlich nachvollziehen, aber Unterstellungen bringen auch keinen weiter. Und im Übrigen bin ich mir aus Erfahrung recht sicher, dass auch die Sparkasse hier nicht in der Schusslinie stehen kann.“ Wir haben mit Manfred Hantschel vom KompetenzCenter Immobilien der Kreissparkasse gesprochen:

Es handelte sich um ein privates Grundstücksgeschäft. Das Immobilien KompetenzCenter der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee war hierbei als Makler tätig. Interessenten konnten sich für ein oder mehrere Grundstücke bewerben – in diesem Fall gab es bekanntermaßen wesentlich mehr Interessenten als Grundstücke. Alle Bewerbungen für die Grundstücke wurden unverändert und ohne Bewertung an den Eigentümer weitergeleitet, der dann alleine entschied, an wen die Grundstücke verkauft werden sollten. Die Kreissparkasse hatte hierauf keinen Einfluss. Es spielte auch keine Rolle, ob jemand Kunde bei der Kreissparkasse war oder nicht.

Geteilte Meinungen herrschen auch darüber, wie mit den Grundstücken verfahren werden solle, die die Marktgemeinde selbst erworben und zu vermarkten hat: Während auf der eine Seite eingefordert wird, die Gemeinde haben den Grund ja günstig erworben und solle daher den Preisvorteil an Kaufinteressenten weitergeben, sehen andere genau das als Verstoß gegen das als Gleichheitsgebot: Es sei nicht zu verargumentieren, dass ein Teil der Käufer am Ende subventioniert würde.

Aus Gemeinderatskreisen ist jedoch verlautet, dass für die kommunalen Grundstücke bereits über eine Nachjustierung des Punktesystems nachgedacht würde, nach dem z.B. im letzten „Einheimischen“-Programm verfahren wurde. Denn hier wird wird Transparenz gefordert sein.

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