Verkaufsoffener Sonntag: Nachgefragt bei Rottacher Geschäften

Schmarotzertum verärgert Werbegemeinschaft

Von Martin

Vierte Ergänzung vom 04. Juni / 11:47 Uhr
Im Rahmen des Mountainbike-Festivals war es den Geschäftsinhabern am Sonntag in Rottach-Egern erlaubt, ihre Ladentüren zu öffnen.

Wahrgenommen haben diese Möglichkeit allerdings nicht alle, und so blieben einige Geschäfte geschlossen. Grund war unter anderem, dass nicht genug Gelder für eine überregionale Bewerbung des verkaufsoffenen Sonntags zusammengekommen waren. Es drohte gar ein Flop.

Auch in der Rottacher Seestraße waren die Geschäfte nur teilweise geöffnet.
Auch in der Rottacher Seestraße waren die Geschäfte nur teilweise geöffnet.

Wir haben bei drei Rottacher Geschäften nachgefragt. Die Resonanz fiel dabei sehr unterschiedlich aus.

Von wenigen Kunden bis zu einem erfolgreichen Tag

Ein positiveres Feedback vom gestrigen Sonntag hatte sich Heidemarie Taube erwartet. Die Geschäftsinhaberin von „Feines für Bett und Bad“ spricht im Nachgang des verkaufsoffenen Tages von „keinen guten Umsätzen“. Taube entschied sich sogar kurzfristig dafür, die eigentlich angedachte Öffnungszeit von 17 Uhr auf 16 Uhr zu verkürzen. „Es waren so wenige Kunden da, dass es sich für mich einfach nicht weiter rentierte hat, noch länger offen zu lassen“, so die Geschäftsinhaberin.

Von einem Erfolg spricht indes Carmen Fenske, eine Mitarbeiterin von „Giller Reisen“. Das Reisebüro hatte sich im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntags einiges einfallen lassen, um potenzielle Kunden anzulocken. Vor dem Geschäft wurden für Passanten Sitzgelegenheiten geschaffen. Eine Liveband sorgte für gute Stimmung, und dazu gab es eine Gewinnspielaktion. Dadurch war das Reisebüro den ganzen Tag über gut frequentiert, auch wenn es laut Fenske „vielleicht noch besser hätte laufen können“.

Das Hauptproblem laut Fenkses Auffassung war, dass nicht alle Geschäfte in Rottach geöffnet waren und sich dadurch im Ortskern auch relativ wenige Leute aufgehalten haben.

„Das Schmarotzertum bei uns im Tal ist sehr ausgeprägt“

Eines der Geschäfte, die am gestrigen Sonntag komplett geschlossen blieben, war das Schuhgeschäft von Walter Schad von Wirth. Für Wirth stand schon lange im Vorfeld fest, dass sich der zusätzliche Verkaufstag nicht rechnen wird. Wirth, der auch Mitglied der Rottacher Werbegemeinschaft ist, meinte auf Nachfrage: „Ein verkaufsoffener Sonntag ohne überregionale Werbung ist sinnlos.“

Was bereits Bürgermeister Franz Hafner auf der letzten Gemeinderatssitzung andeutete, brachte Wirth nun auf den Punkt: „Das Schmarotzertum bei uns im Tal ist sehr ausgeprägt. Die großen Filialen im Ort haben immer geöffnet. Für die Bewerbung geben sie aber nie einen Cent dazu.“

Doch dies soll sich laut Wirth schon in naher Zukunft ändern. Bis zum nächsten verkaufsoffenen Sonntag im September werden alle Geschäfte im Ort erneut per Rundschreiben dazu aufgefordert, sich finanziell an einer Bewerbung zu beteiligen.

Ob dadurch genug Gelder zusammenkommen und inwieweit die verkaufsoffenen Sonn- und Feiertage beim nächsten Mal ein größerer Erfolg für alle Beteiligenten werden, ist allerdings heute noch nicht abzusehen.

Dritte Ergänzung vom 23. Mai mit der Überschrift: Verkaufsoffenem Sonntag droht Flop
Es war eine ganz schöne Hängepartie, bis sich der Rottacher Gemeinderat in seiner Sitzung im Januar in Abstimmung mit der örtlichen Werbegemeinschaft auf drei verkaufsoffene Sonn- und Feiertage im Jahr 2012 geeinigt hatte.

Doch nun ist davon auszugehen, dass gleich der erste der drei Termine im Rahmen des Mountainbike-Festivals zu einem großen „Flop“ wird. Denn die Rottacher Werbegemeinschaft hat allen Geschäftsinhabern per Rundschreiben mitgeteilt, dass der verkaufsoffene Tag nicht stattfindet. Dem widerspricht der Bürgermeister. Dennoch geht der Franz Hafner von schlechten Erfolgsaussichten aus.

Verwirrung unter den Geschäftsinhabern

Wie jetzt? Findet der Termin am Sonntag, den 3. Juni, nun statt oder nicht? Hafner versuchte, die in den letzten Tagen entstandene Verwirrung aufzuklären: „Aufgrund von zu geringer finanzieller Beteiligung der ortsansässigen Geschäfte kann die Werbegemeinschaft den verkaufsoffenen Tag am 3. Juni nicht bewerben“, zitierte Rottachs Bürgermeister aus dem Rundschreiben.

Ein paar Geschäftsinhaber hätten zwar Geld gegeben, und darüber sei man auch sehr dankbar. Allerdings würden die finanziellen Mittel bei Weitem nicht ausreichen, um beispielsweise wie in der Vergangenheit eine Anzeige in der Welt am Sonntag zu schalten. Dadurch habe man letztlich vor allem überregional potenzielle Kunden angesprochen. „Das war eine fantastische Bewerbung“, lobte Hafner und monierte die aktuellen Situation: „Was bringt die Bekanntgabe in der lokalen Zeitung? Dadurch wird kein Mensch aus und um München herum angesprochen.“

Ohne Werbung macht die Aktion keinen Sinn

Dann startete Rottachs Bürgermeister beinahe einen Rundumschlag gegen vereinzelte Geschäftsinhaber, die scheinbar nur von der Bewerbung profitieren, aber nichts dafür in die Hand nehmen wollen. „Ohne Werbung verläuft sich der verkaufsoffene Sonntag im Sande. Dass das infrage gestellt wird, kann ich nicht verstehen“, so Hafner.

In jedem Fall stellte Rottachs Rathaus-Chef klar: „Der verkaufsoffene Sonntag am 3. Juni findet definitiv statt, und jedem bleibt es selbst überlassen, ob er sein Geschäft öffnet oder nicht.“ Das habe man per Satzung nach langen Überlegungen so beschlossen.

Wie erfolgreich die Geschäfte ohne Bewerbung laufen, dürfte allerdings offen sein. Und ob ein Event wie das Mountainbike-Festival alleine schon genügend „shoppingwillige“ Kunden nach Rottach lockt, ebenfalls.

Zweite Ergänzung vom 18. Januar mit der Überschrift: Rottach-Egern einigt sich auf drei Termine
Nun hat sich der Gemeinderat Rottach-Egerns in Abstimmung mit der örtlichen Werbegemeinschaft doch noch auf neue Termine für die verkaufsoffenen Sonn- und Feiertage im Jahr 2012 geeinigt.

Bis zu vier sind laut den geltenden gesetzlichen Vorschriften in einem Jahr möglich. Drei hat man festgelegt und erließ dazu auf der gestrigen Sitzung eine Verordnung.

Der erste verkaufsoffene Tag ist ein Feiertag. Genauer gesagt, können am 1. Mai alle Geschäfte in Rottach-Egern ihre Türen öffnen. An diesem Dienstag wird der Maibaum im Ortszentrum aufgestellt.

Außerdem hat sich der Gemeinderat auf den 3. Juni (Sonntag) geeinigt. An diesem Wochenende findet in Rottach-Egern das über die Grenzen des Tegernseer Tals bekannte und als Gästemagnet geltende Mountainbike-Festival statt.

Zu guter Letzt soll am Sonntag, den 16. September, im Rahmen der Ausstellung „Home and Garden“, die im Kurpark stattfindet, allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, diverse Besorgungen zu erledigen.

Bürgermeister Franz Hafner: „Die Gemeinde hat bereits am 20. Dezember ein Schreiben von der Rottacher Werbegemeinschaft erhalten, in dem diese ihre Wunschtermine äußerte.“ Das Gremium hatte keinerlei Einwände und stimmte den Terminvorschlägen ohne jegliche Wortmeldung einstimmig zu.

Ergänzung vom 16. November/14:46 Uhr
„Jetzt geht’s wieder weiter mit der leidigen G’schicht“, so die Ansage von Bürgermeister Franz Hafner in der gestrigen Gemeinderatssitzung.

Das Thema „verkaufsoffener Sonntag“ stand auf der Tagesordnung, und das zieht sich scheinbar in ungeahnte Längen. Doch so langsam kommt man der Lösung näher.

Das Problem der Gemeinde: die Termine, die man in Zusammenarbeit mit der örtlichen Werbegemeinschaft für heuer definiert hatte, waren nicht zulässig. Aus dem Grund erhielt die Gemeinde im September einen Brief vom Bundesjustizministerium. Darin enthalten war die Aufforderung, zukünftig alle verkaufsoffenen Feier- und Sonntage nach dem geltenden Recht zu bestimmen.

Dazu Rottachs Gemeindegeschäftsführer Josef Brummer im Oktober: „Bisher gab es vier verkaufsoffene Sonntage, die die Gemeinde gesetzt hat, so wie sie wollte. Zukünftig sind im weitesten Sinne nur noch Termine möglich, an denen überregionale Veranstaltungen anstehen.“

Dem Ladenschlussgesetz zuwider stehen beispielsweise der Pfingstmontag, der Oktoberfestsonntag und ein möglicher Faschingstermin.

Obwohl der Rosstag bei vielen Geschäftsinhabern nicht sehr hoch im Kurs steht („Es kommen viele Leute, aber kaufen tut keiner“) will man diesen trotzdem in die Riege der verkaufsoffenen Sonntage integrieren.

Darüber hinaus hat die Werbegemeinschaft vorgeschlagen, auch im Rahmen des Mountainbike-Festivals (3. Juni 2012) und der Messe Home and Garden (16. September 2012) allen Rottacher Einzelhändlern die Möglichkeit anzubieten, ihre Geschäfte offen zu lassen.

Ferner stehen derzeit noch der 29. April 2012 (Frühjahrsmarkt der Naturkäserei) oder der 1. Mai 2012 (Maibaumaufstellung) im Raum. Möglich wäre auch eine Verbindung mit der Wiedererföffnung des Kur- und Kongress-Saals.

Der Gemeinderat entschied einstimmig, die Termine überprüfen zu lassen und dann zusammen mit der Werbegemeinschaft eine endgültige Lösung zu bestimmen.

Ursprünglicher Artikel vom 18. Oktober mit der Überschrift: „Verkaufsoffene Sonn- und Feiertage: Rottach missachtet Ladenschlussgesetz“

Rottach-Egern hat in den vergangenen Jahren die Termine für verkaufsoffene Sonn- und Feiertage nach eigenem Ermessen frei ausgewählt und sich über gesetzliche Rahmenbedingungen hinweggesetzt. Dem Ladenschlussgesetz zuwider stehen der Pfingstmontag, der Oktoberfestsonntag und ein möglicher Faschingstermin.

Der Gemeinderat ist darauf aber nicht selbst gekommen. Den Hinweis erhielt Bürgermeister Franz Hafner vom Bundesjustizministerium.

Im Rathaus in Rottach-Egern werden Terminvorschläge für verkaufsoffene Sonn- und Feiertage im Jahr 2012 gerne noch entgegengenommen.

Die Regelungen für verkaufsoffene Sonn- und Feiertage sind im Ladenschlussgesetz geregelt. Dieses Gesetz schreibt speziell für alle Gemeinden in Bayern vor, dass in einem Jahr maximal vier verkaufsoffene Sonn- und Feiertage stattfinden dürfen. Darüber hinaus sind die genauen Termine in Bayern jedoch nicht frei wählbar und an bestimmte Kriterien gebunden.

Der Einzelhandel darf seine Ladentüren nur öffnen, wenn zum Beispiel Stadtfeste, Märkte oder Messen an einem Sonn- oder Feiertag stattfinden.

Rosstag ist gesetzeskonform. Aber keiner kauft etwas.

In Rottach-Egern wäre der Rosstag ein zulässiges „Stadtfest“. Die weit über die Orts- und Talgrenzen hinaus bekannte Veranstaltung lockt Jahr für Jahr mehrere Tausend Menschen an den Tegernsee.

Das Problem ist nur, dass die vielen potenziellen Kunden zu wenig einkaufen. Aus diesem Grund machen viele Einzelhändler ihre Läden erst gar nicht mehr auf.

Ein weiterer Termin in Rottach-Egern war und soll auch in Zukunft bestehen bleiben: Der verkaufsoffene Sonntag am Tag des Mountainbike-Festivals. Dieser Tag wird ebenfalls als Stadtfest eingestuft.

„Überall darf man es, nur in Bayern nicht.“

In Bayern gehen die Regelungen im Vergleich zu den anderen Bundesländern sogar so weit, dass im Dezember grundsätzlich gar keine verkaufsoffenen Sonn- und Feiertage erlaubt sind.

„Bisher gab es vier verkaufsoffene Sonntag, die die Gemeinde gesetzt hat, so wie sie wollte. Zukünftig sind im weitesten Sinne nur noch Termine möglich, an denen überregionale Veranstaltungen anstehen“, so Rottachs Gemeindegeschäftsführer Josef Brummer.

Der Gemeinderat hat sich mittlerweile auf die beiden oben aufgeführten Termine, den Rosstag und das Mountainbike-Festival, verständigt.

„Für weitere Tage im Jahr 2012 sind wir noch am Suchen“, so Brummer, der anfügt: „Wenn jemand eine Idee hat, darf er sich gerne an die Gemeinde wenden.“


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