Seesauna: Defizit weiter unklar – 10% mehr Besucher lassen positive Entwicklung vermuten

Von Peter Posztos

Ergänzung vom 14. November / 14:26 Uhr
Egal wie defizitär die Seesauna für die Tegernseer Kur- und Versorgungsbetriebe in 2010 war. Irgendeinen Beweggrund wird es geben, warum der Tegernseer Stadtrat – ganz im Gegensatz zu 2009 – die Veröffentlichung unterbunden hat.

Einer der Gründe dürfte im geheimen Vertragswerk zwischen der monte mare Tegernsee GmbH und der TKV liegen. Bereits im letzten Jahr (siehe Artikel vom 19. Juli) waren so am Ende aus 200.000 Euro Gewinn ein Verlust von 500.000 Euro übriggeblieben.

Dass es auch in diesem Jahr zu einem Verlust gekommen sein muss, steht somit außer Frage. Interessant wäre nur gewesen, wie hoch dieser war. Denn die Entwicklung der Besuchszahlen in der Seesauna und damit auch die Einnahmenssituation, zeigen weiterhin steil nach oben.

10% Mehr Gäste und günstigerer Eintritt

Die Stadt Tegernsee hat nun die Zahlen von 2010 und 2011 bekanntgegeben. Knapp zehn Prozent mehr Gäste besuchten die Seesauna im Vergleich Oktober 2010 mit 2011.

Vor allem im Juni und Juli gingen überdurchschnittlich viele Einheimische und Urlauber in die Seesauna. „Das schlechte Wetter machte sich bezahlt“, so Norbert Kruschwitz in einem Zwischenfazit im August.

In den vergangenen zehn Monaten waren es nur im Mai und im August weniger Gäste. Ansonsten gab es eine durchweg positive Entwicklung zu vermelden. Selbst im Oktober, als es auf dem Seesaunaschiff zu einem Brand kam, kamen im Schnitt 18 zahlende Personen mehr pro Tag, als noch in 2010.

Der Brand ist übrigens der Grund warum die Eintrittspreise bis Anfang nächsten Jahres um zehn Prozent reduziert wurden. Bis dahin wird den Saunagästen das Schiff nicht zur Verfügung stehen.

Ursprünglicher Artikel vom 19. Juli mit der Überschrift „Verluste oder Gewinne? Wie es der Tegernseer Seesauna in Wahrheit geht“:

Heutzutage passiert es selten, dass sich ein Betrieb schlechter macht, als er tatsächlich dasteht.

Im Fall der Tegernseer Seesauna ist aber genau das passiert. Denn im Gegensatz zu unserem Bericht von Anfang Dezember 2009, hat der in nicht-öffentlicher Sitzung vorgestellte Beteiligungsbericht der Stadt Tegernsee gezeigt, dass der Betrieb bereits seit 2009 hochprofitabel ist.

Nur bei der Stadt kommt von den Gewinnen scheinbar wenig an. Dem Grund dafür sind wir nachgegangen.

In der letzten Dezembersitzung des Stadtrates hatte Norbert Kruschwitz, Direktor der Tegernseer Kur- und Versorgungsbetriebe, noch über einen Verlust von Seesauna und Strandbad bei der TKV in Höhe von 512.685 Euro berichtet.

In diesen etwas über eine halbe Million Euro sind laut Kruschwitz auch Abschreibungen in Höhe von 328.716 Euro enthalten. Bedeutet der rein operative Verlust aus dem laufenden Betrieb beläuft sich auf 183.969 Euro.

Eine halbe Million Euro Verlust sind keine 200.000 Euro Gewinn

Diese Zahlen waren der Grund für den kurz darauf verfassten Artikel mit der Überschrift „Seesauna Tegernsee: Mehr als 500.000 Euro Verlust in 2009“. Auch damals schon wiesen uns einige Kommentatoren auf die für die Stadt Tegernsee sehr ungünstigen Vertragsverhältnisse mit Herbert Doll, dem Monte-Mare Geschäftsführer hin. Da die Verträge nicht öffentlich sind, waren die kolportierten Zahlen zwar plausibel, jedoch nicht vollständig nachvollziehbar.

Doch wie unvorteilhaft diese Verträge in Wahrheit aussehen müssen, zeigt sich nun erst. Aus aus dem kürzlich veröffentlichten Beteiligungsbericht für das Jahr 2009 geht hervor, dass die Betreibergesellschaft der Seesauna, an der die TKV zu 50% beteiligt ist, einen Jahresüberschuss in Höhe von 194.800 Euro ausgewiesen hat.

Die Erklärung für diese Diskrepanz – ein halbe Million Verlust auf der einen, knapp 200.000 Euro Gewinn auf der anderen – war nicht einfach zu bekommen.

Bürgermeister Peter Janssen erklärt die Verhältnisse auf Nachfrage folgendermaßen:

Im Jahr 2009 hat die monte mare Tegernsee GmbH, als Betreiber der Seesauna, einen Überschuss von 194.000 EUR erwirtschaftet, der aber nur zu einem geringen Teil an die zwei Gesellschafter ausgeschüttet wurde. (Anmerkung der Redaktion: Insgesamt wurden 70.000 Euro ausgeschüttet).

Die bei der Stadtratssitzung vorgestellte Gewinn- und Verlustrechnung (G.u.V. Spartenrechnung) 2009 der TKV für den Bereich Seesauna/Strandbad weist einen Betriebsverlust von 513.000 EUR und einen Gesamtverlust von 550.000 EUR aus, wobei die Abschreibungen mit 327.000 EUR der größte Posten sind.

Nicht in dieser G.u.V. Spartenrechnung enthalten sind die Vorteile für die Gesamt-TKV insbesondere durch den steuerlichen Querverbund mit anderen TKV-Sparten und durch bezahlte Verwaltungsleistungen für die monte mare Tegernsee GmbH.

Außerhalb des TKV-Bereichs ergeben sich weitere positive Effekte für die Tegernseer Tourismusbetriebe und damit indirekt über Steuern und Abgaben für die Stadtkasse. Auch die monte mare Tegernsee GmbH bezahlt Fremdenverkehrsabgabe und Gewerbesteuer.

Da die Verträge nicht öffentlich sind, kann man die „bezahlten Verwaltungsleistungen“ der TKV an die monte mare Tegernsee GmbH nur schätzen. Aber man liegt nicht falsch damit, wenn man sagt, der eine 50%-Gesellschafter hatte vor dem Bau der Seesauna die bessere Verhandlungsposition als der andere. Und er hat sie scheinbar umfassend ausgenutzt.

Trotz dieser Ungereimtheiten ist die Seesauna eine Erfolgsgeschichte für die Stadt Tegernsee. Und sie ist ein Beispiel wie man mit Mut zum Risiko und einer großen Portion Entgegenkommen zwar keinen sehr großen direkt messbaren wirtschaftlichen Erfolg einfährt. Aber für die Gäste und Einheimischen eine wichtige Einrichtung etabliert, die die Attraktivität des Ortes nachhaltig erhöht.

Ein wenig Schade ist nur, dass die grundsätzlich positiven Zahlen in einer nicht-öffentlichen Sitzung behandelt und so vor der Öffentlichkeit versteckt werden. Das wiederrum wirft gewisse Fragen auf und führt zu Diskussionen, die mit mehr Transparenz nicht nötig gewesen wären.


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