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Bauboom in Wiessee

Seelage “versilbern” geht auch anders

Eine Bebauung von Grundstücken bis auf den letzten Zentimeter ist die Konsequenz des Baubooms. In Bad Wiessee überrascht ein Familienunternehmen aus Grünwald jetzt mit seinem Vorhaben “Am Strandbad” den Bauausschuss.

Dieses Wohnhaus “Am Strandbad” von Bad Wiessee soll in seinem Altbestand erhalten bleiben.

Nahezu wöchentlich berichtet die Tegernseer Stimme darüber, wie vor allem in Rottach-Egern der Siedlungsdruck zunimmt und Bauträger noch den letzten Zentimeter eines Grundstücks versilbern wollen. Zusehends schwappt diese Welle des Baubooms auch nach Bad Wiessee.

Mit 14 Anträgen, darunter Bauvoranfragen und Neubauten von Mehrfamilienhäusern, erreichte die Tagesordnung vergangene Woche fast schon Rottacher Verhältnisse. So sollten beispielsweise auf einem 1.860 Quadratmeter großen Grundstück an der Söllbachtalstraße 15 zwei Doppelhäuser mit Tiefgaragen entstehen. Der Antrag wurde unter anderem wegen der zu dichten Bebauung einstimmig abgelehnt.

Die Garagen werden durch einen Neubau mit fünf Wohnungen ersetzt.

Denn es geht auch anders, wie Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) anmerkte. „Erfreulich“ sei das, was „Am Strandbad 4“ geplant sei. An dem Filetgrundstück eines betagten Eigentümer-Ehepaares wären etliche Bauträger interessiert gewesen, sagte Bauamtsleiter Helmut Köckeis: „Es gab immer wieder Anfragen“.

Das Rennen machte ein „familiengeführtes Wohnungsunternehmen“ aus Grünwald, dessen Eigentümer laut Köckeis dort selbst einziehen will. Dieser plane im Altbau nur Veränderungen, die besser zu seinen persönlichen Verhältnissen passen würden, erklärte Köckeis auf Nachfrage. „Hier werde sogar auf eine Rotbuche Rücksicht genommen“, lobte Höß den Bauantrag.

Altbestand am See bleibt erhalten

Konkret geht es dort an der Seepromenade um den Umbau des Wohnhauses auf dem laut Köckeis 4.000 Quadratmeter großem Grundstück. Weiter soll der bisher „eingeschossige Anbau durch einen Neubau mit fünf Mietwohnungen auf zwei Geschossen ersetzt und mit einer Tiefgarage für elf Fahrzeuge unterkellert werden“, so Köckeis.

Der größte Teil des Grundstücks sei ohnehin nicht bebaubar. Nicht wegen der Hochwasserlinie, die sich auch durch dieses Seegrundstück ziehe, so Köckeis, sondern wegen der Außenbereichslage eines Teils des Grundstücks vom Gebäude zum See. „Bebaubar ist nur der Bereich vom Altbestand bis zur Straße“, so Köckeis.

Ansicht der Veränderungen von der Straße aus gesehen. (Planskizze)

Vor Jahrzehnten müsse auf dem Grundstück schon einmal eine Aufschüttung erfolgt sein, eine Art Insel, ähnlich einer Hallig, erläuterte Köckeis. „Der neue Eigentümer ist sehr erpicht darauf, dass die versiegelten Flächen wieder begrünt werden. Ich sehe dies als positive Entwicklung für das Gebiet“.

Mietwohnungen für Pflegeberufe

Es brauchte nicht viele Überredungskünste der Tegernseer Stimme, auch den neuen Eigentümer, der noch anonym bleiben will, zu einer Stellungnahme zu bewegen. „Mit diesem Bauvorhaben möchten wir gerne einen positiven Beitrag zur Gestaltung des Ortsbildes leisten“, so ein Familienmitglied des Grünwalder Unternehmens. Man sei „kein Bauträger“, sondern beschäftige sich mit der Vermietung und Verwaltung des – weitüberwiegend in München und Umgebung gelegenen – Immobilienbestands.

„Aus diesem Grund werden wir auch nicht Wohnungen im Nebengebäude für den Kaufmarkt errichten, sondern diese vermieten und langfristig im Bestand halten“, heißt es schriftlich. „Damit möchten wir auf den in der Gemeinde vorhandenen Bedarf an Wohnraum – insbesondere an Personalwohnungen für die in den Pflegeeinrichtungen und Hotelparks beschäftigten Mitarbeiter – reagieren“.

Eine Nachricht, die man im Rathaus sicher gerne vernehmen wird. Schließlich könnte es mit dem neuen Badehaus und dem Aktivitätshotel von SME auf dem Jodbadgelände zu einer entsprechenden Nachfrage an Wohnraum kommen. Architektonisch sei es das Ziel, den besonderen Reiz und Charme dieses Ortes zu bewahren.

Aus diesem Grund möchten wir das Hauptgebäude, in dem nur geringfügige Umbauten geplant sind, erhalten und nicht etwa durch einen modernen Neubau mit großen Glasflächen und umfangreichen Terrassenanlagen ersetzen.

Der Neubau aber solle dem Altbau entsprechen und den vorhandenen Duktus aufnehmen, skizzierte ein Familiensprecher das Bauvorhaben, für das sich der Bauausschuss einstimmig entschied. Sehr angetan war auch Klaudia Martini (SPD): „Wir freuen uns über jeden Grundstückseigentümer, der die alte Bausubstanz erhalten will“.


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