Öko-Bilanz der E-Werke Tegernsee

Nur wenig Wasserkraft aus dem Tal

„Tegernsee Strom Wasserkraft ist unsere umweltfreundlichste Stromvariante“, damit wirbt das E-Werk Tegernsee. Der teurere Strom aus den Wasserkraftwerken an der Weissach und am Söllbach sei „gut investiertes Geld in unser aller Zukunft!“

Doch stimmt das im Detail? Genaue Nachfragen lassen zumindest Zweifel aufkommen.

Das E-Werk an der Weissach produziert ebenfalls Strom aus Wasserkraft.
Das E-Werk an der Weissach produziert auch Strom aus Wasserkraft.

Seit 2011 bietet das E-Werk Tegernsee das grüne Produkt an. Viele Kunden folgten dem Angebot – etliche vielleicht auch, um ihr ökologisches Gewissen zu beruhigen. Schließlich beziehe man ja nun reinen Strom aus heimischer Erzeugung. Dies rechtfertige den Aufpreis, den man zu zahlen habe, war der Glaube, der auch vielfach zu hören war.

Dabei müsste jeder Kunde schon beim Blick in den Vertrag hellhörig werden: 2010 kam etwa 40 Prozent des E-Werk-Stroms aus Atomkraftwerken, während bundesweit nur 24,5 Prozent aus der Kernenergie in das Stromnetz eingespeist wurden. Im Energiemix des E-Werks für 2012 waren es noch 30,2 Prozent Atomstrom, auch aus französischen Meilern, der ins Tal geliefert wurde. 33 Prozent stammten aus Kohlekraftwerken und das andere Drittel, nur knapp 30 Prozent, aus erneuerbaren Energien wie Wasserkraft.

Norbert Kruschwitz, der Direktor des E-Werks Tegernsee, erklärt dies so: „Wir kaufen Strom über einen Broker von der „Gesellschaft für Stromwirtschaft“ in Nordrhein-Westfalen. Mit dabei sind E.ON und ‘Verbund’, ein österreichischer Energieversorger. (Anmerk. d. Red.: ‘Verbund’ betreibt mehrere Wasserkraftwerke am Inn.) Wir müssen einen rein theoretischen Wert veröffentlichen, der von unserem Vorversorger kommt.

Dieser Wert hat aber mit der Realität nichts zu tun, denn die kann niemand messen. Die Realität ist, dass wir unseren Strom theoretisch aus den beiden Wasserkraftwerken an das vorgelagerte Netz und damit in den Pool des Erneuerbare-Energien-Gesetz’ verkaufen. Tatsächlich aber verbleibe der Strom hier in Tegernsee, denn der Strom folgt physikalischen Gesetzen“ – das Näheste kommt zuerst.

Schwer verständliche Spielregeln

So auskunftsbereit sich Kruschwitz sonst gibt, bei der Frage, wie viel Strom tatsächlich von den werkseigenen Kraftwerken im Tal beigesteuert wird, wird der Werksdirektor zunächst wortkarg. „Das sind geschäftsinterne Zahlen und wir sind nicht die Caritas. Solche Zahlen veröffentliche ich nicht“. Doch letztlich ist wenigstens zu erfahren, dass der Anteil der Wasserkraft im Tal „bei unter zehn Prozent“ liegt.

Wer also vom E-Werk Wasserkraftstrom haben will, bekommt laut Kruschwitz TÜV-zertifizierten Wasserkraftstrom. Ob dieser aus dem Tegernseer Tal kommt, ist dabei nebensächlich. Es geht dabei um Einheiten. „Dieser ‘Betrug’ ist aber zulässig“, sagt der E-Werk-Direktor. „Ich darf nach dem Willen des Gesetzgebers nicht einmal unsere eigene Wasserkraft in unsere Bilanz einführen. Das ist schwer verständlich, aber es ist so“, beteuert er. So seien die Spielregeln.

Wenn jemand sagt, er will 100 Prozent reinen Wasserkraftstrom, dann sind das Verrechnungseinheiten. Ich kann Ihnen nicht den Wasserkraftstrom direkt liefern. Wer aber direkt am Weissach- oder Söllbachkraftwerk wohnt, bezieht reinen Wasserkraftstrom, egal, was er gebucht hat. Denn, wie gesagt, der Strom folgt physikalischen Gesetzen und lässt sich nicht von Bürokraten überlisten.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt dies auf eine entsprechende Anfrage so: „Der Öko-Strom aus Ihrer Steckdose unterscheidet sich nicht von dem Strom, den Ihr Nachbar bezieht, der keinen Ökostrom bestellt hat. Dies hat nichts mit Etikettenschwindel zu tun, sondern geht nicht anders.“

Dennoch könne man, so die Verbraucherzentrale weiter, mit der Bestellung von Ökostrom einen positiven Umweltbeitrag leisten und Einfluss darauf nehmen, dass mehr Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien ans Netz gehen. Besser für die Zukunft nachfolgender Generationen ist das auf jeden Fall.


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