Rottacher Almabtrieb ohne Kopfschmuck

Vom Blitz erschlagen

Die Kulisse in den Weißachauen von Kreuth heute war prächtig, die Kuhglocken tönten schon von weitem. Aber die Herde des Schlemmhofs kam nicht vollzählig nach Rottach-Egern zurück, ein Jungtier wurde vom Blitz getroffen. Deshalb fiel auch das traditionelle Schmücken aus.

Freunde, Bekannte und Treiber helfen beim Almabtrieb zusammen: Vorneweg die Sennerin / Foto: Klaus Wiendl

Seit Juni graste das Vieh des Schlemmhofs der Landwirte Marlies und Hans Kiening unter dem Risserkogel. Ein Teil auf der Ableitenalm, die erstmals 1529 urkundlich erwähnt wird. Der andere Teil der Herde auf der Bayr-Alm, oder wie sie dort heißt: Boareibl. 35 Stück Vieh machten sich heute Morgen auf den langen Weg ins Tal, angeführt von der Sennerin. Doch anders als sonst waren die Tiere nicht festlich geschmückt. Das sogenannte Aufkranzen mit mächtigen Kronen aus Strohblumen musste ausbleiben.

So fordert es der Brauch, wenn ein Tier verunglückt. Bei der Herde der Kienings war es ein Blitz, der ein Jungtier erschlug. Gleiches Schicksal ereilte in diesem Sommer wohl auch die Herden der Kreuther Landwirte Reifenstuhl und Bierschneider, wie eine ortskundige Zuschauerin wusste.

Die haben auch zwei Kälber verloren, deswegen kamen sie vergangenen Samstag auch nicht geschmückt von den Almen.

Mit ihren Tieren am Hof angekommen, sind die Kienings sichtlich erleichtert, dass der Abtrieb ohne Blessuren verlief. Die Herde wurde wieder auf die Hofweide zum Ausruhen und Grasen geschickt, Freunde und Treiber der Kienings erwartet ein gemütlicher Ausklang des aufregenden Tages. „Jetzt gibt`s für meine Mannschaft Kaffee und Kuchen“, so Marlies, die Bäuerin vom Schlemmhof.

Sie hatte zuletzt für ihren traditionsreichen Bauernhof Ecke Weißachau- und Hofbauernstraße einen Laufstall im Gemeinderat beantragt und einstimmig genehmigt bekommen. Bei den Kienings steht das Tierwohl offenbar ganz hoch im Kurs.

Fotostrecke vom heutigen Almabtrieb / alle Bilder Klaus Wiendl

35 Jungrinder werden geleitet.
Die Jungtiere tragen nur ihre Glocken, der Festschmuck bleibt ihnen in diesem Jahr verwehrt.
Auch für die Spaziergänger eine willkommene Abwechslung.
Geschafft: Die Gemeinschaft des Schlemmhofs in Rottach-Egern.
Bald bekommen die Rinder auf dem Schlemmhof einen Laufstall.
Die Bäuerin des Schlemmhofs, Maria Kiening (l.), wird gleich
Selbstgebackenes den freiwilligen Helfern anbieten.
Die Rinder sind wieder auf ihren angestammten Weideflächen.
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