Aufreger des Jahres - Platz 1: Jakob Kreidl

Vom Landrat zum Fall für die Justiz

Von Christopher Horn

2014 ist viel passiert im Tegernseer Tal. Neben positiven Meldungen gab es auch die eine oder andere böse Überraschung. Die TS-Redaktion präsentiert daher die Top Ten der Aufsteiger und Aufreger des Jahres. Heute Platz 1 der Aufreger: Ex-Landrat Jakob Kreidl.

Skandale, Wahlniederlage und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Das Jahr 2014 von Jakob Kreidl.
Skandale, Wahlniederlage und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: das Jahr 2014 von Jakob Kreidl.

Vor zwei Wochen hat die TS-Redaktion die Leser dazu aufgerufen, über die Aufsteiger und Aufreger des Jahres 2014 abzustimmen. Die Redaktion hatte jeweils zehn Kandidaten zur Auswahl gestellt. Über 1.200 Leser haben sich an der Abstimmung beteiligt. Heute ist es soweit – Platz 1 der Aufreger steht fest: die Affäre um Ex-Landrat Jakob Kreidl.

Die CSU und „ihr Mann“

Im Januar schien die Welt für Landrat Jakob Kreidl noch in Ordnung zu sein. Der Plagiatsvorwurf rund um seine Doktorarbeit lag Monate zurück. Fast vergessen auch die Verwandtenaffäre in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter. Am 12. Januar stärkte die CSU Kreidl im Rahmen der Klausurtagung am Spitzingsee erneut den Rücken und hielt an ihrem Kandidaten für den Posten des Landrats bei den Kommunalwahlen im März fest.

Doch in den nächsten zwei Monaten folgte dann die beispiellose Demontage Kreidls. Im Wochenrhythmus kamen neue Verfehlungen und Vorwürfe gegen Jakob Kreidl an die Öffentlichkeit. Das „System Miesbach“ wurde publik. Anfang Februar ging es dann Schlag auf Schlag. Kreidl musste zugeben, dass die Kosten für seine Geburtstagsfeier im Jahr 2012 mit 118.000 Euro doppelt so hoch waren als bis dato bekannt.

Ein Kandidat im freien Fall

Am 12. Februar leitete die Staatsanwaltschaft München II sogar Vor-Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsnahme gegen ihn ein. Nur zwei Tage später trat Kreidl als Präsident des Landkreistages zurück. In der Folge gingen führende CSU-Politiker wie Ministerpräsident Horst Seehofer und die Kreisvorsitzende Ilse Aigner auf Distanz.

An seinem Posten als Landrat und dem Ziel der Wiederwahl hielt der Spitzenkandidat aber zunächst weiter fest. Nur zwei Wochen später folgte dann jedoch der Paukenschlag. Am 23. Februar erklärte Kreidl in einer Stellungnahme, dass er seine Amtsgeschäfte ab sofort aus gesundheitlichen Gründen ruhen lassen und diese an seinen Stellvertreter Arnfried Färber (Freie Wähler) übergeben wird. Als Kandidaten für die Wahl zum Landrat am 16. März musste ihn die CSU aber trotzdem ins Rennen schicken. Die Wahlzettel waren bereits gedruckt, die gesetzliche Frist für die Ernennung eines anderen Kandidaten verstrichen.

Auf Drängen der CSU-Spitze betonte Kreidl, im Falle eines Wahlsieges sein Amt nicht antreten zu wollen. Im März wurde er dann auch ganz offiziell abgewählt. Wolfgang Rzehak wurde erster Grünen-Landrat in Deutschland.

Neue Vorwürfe

Jakob Kreidl blieb jedoch auch in den kommenden Monaten im Fokus der Öffentlichkeit und der Behörden. Im Mai deckte ein Prüfbericht der Regierung von Oberbayern das wahre Ausmaß der Verfehlungen rund um den Ex-Landrat und den ehemaligen Sparkassen-Chef Georg Bromme auf.

So ließ sich Kreidl nicht nur auf Kosten der Sparkasse sein Büro und Vorzimmer für insgesamt 300.000 Euro renovieren. Er leistete sich auch eine Papstaudienz in Rom mit der ganzen Familie und eine Reise nach Israel als Botschafter des Landkreises. Und das auf Kosten des Landratsamts. Gereist wurde in der Business Class.

Mittlerweile hat all das auch ein rechtliches Nachspiel für den CSU-Politiker. So fordert die Sparkasse Miesbach-Tegernsee Schadenersatz in Höhe von 1,78 Millionen Euro von Kreidl. Aus Sicht der Bank hat er in seiner Funktion als Landrat und Vorsitzender des Verwaltungsrats grobe Pflichtverletzungen begangen.

Kreidl
Die Causa Jakob Kreidl hat mittlerweile auch ein rechtliches Nachspiel.

Ob auch das Landratsamt Miesbach Schadenersatzansprüche gegen Kreidl geltend machen wird, ist derzeit noch unklar. Im Oktober leitete die Staatsanwaltschaft München II schließlich ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen den früheren Landrat ein. Der Ausgang des Verfahrens ist ungewiss.

Eines ist indes sicher: Jakob Kreidl hat 2014 einen beispiellosen Abstieg erlebt. Anfang des Jahres noch Landrat und aufgrund seiner Tätigkeit als Präsident des Landkreistags einer der einflussreichsten Lokalpolitiker im Freistaat, ist Kreidl heute ein Privatmann, der sich für sein Handeln schon bald vor Gericht wiederfinden könnte. Daher ist Platz 1 unter den Aufregern des Jahres 2014 keine Überraschung.


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