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Ted Geiger in Illinois, ein treuer Leser der Tegernseer Stimme

Vom Tegernsee an den Lake Michigan

Auch jenseits des Atlantiks ist die Tegernseer Stimme gefragt, zum Beispiel in Lake Villa am Michigan-See im Bundesstaat Illinois. Dort lebt seit über 50 Jahren der einstige Rottacher Ted (Thaddäus) Geiger. Fern der Heimat interessiert ihn nach wie vor das Geschehen im Tal. Via Internet fühlt er sich bestens informiert. „Dann werden Erinnerungen wach“, wie der inzwischen 78-jährige Geiger der Tegernseer Stimme verrät.

Ted Geiger ist dem Tegernseer Tal immer noch stark verbunden
Ted Geiger ist dem Tegernseer Tal immer noch stark verbunden.

Seine Zeit war noch die, als ein Skirennläufer Beni Obermüller Triumphe feierte, die Volksmusiker Kiem Pauli und Reiter Hansl noch auftraten und er mit dem „Rixner Bartl“ in der Tegernseer Blasmusik aufspielte. Als Duo Geiger, er Zither und seine Schwester Kathi Gesang, traten beide nicht nur bei Heimatabenden auf. Maidi von Liebermann lud die Geschwister damals auch ins Thoma-Haus ein. „Die habe ich alle noch erlebt und in guter Erinnerung“, erzählt Ted Geiger im fernen Amerika, seiner zweiten Heimat. Sein Bairisch ist immer noch präsent, genauso wie sämtliche Stationen seines bewegten Lebens.

1936 in Garmisch geboren, zogen die Eltern fünf Jahre später nach Rottach in die Ludwig-Thoma-Straße. Sein Vater hatte als Kaminkehrer einen Bezirk, der bis an die Grenze reichte, auch sämtliche Almen gehörten dazu. „So bin ich schon früh auf die Berge rund um den See gekommen“, erinnert sich der gelernte Schreiner. „Als Schreiner konnte ich mir dann auch 1957 Fenster und Türen für unser Haus in der Kalkofen-Siedlung fertigen. Der erste, der da als Mieter mit einzog, war das einstige Skifahreridol Karl Maurer, besser bekannt als der Skipionier vom Wallberg, wo er auch 1953 lebensgefährlich verunglückte.“ Vor genau einem Jahr starb Maurer im Alter von 89 Jahren.

Von Rottach um die Welt

Kaum ist das Elternhaus fertig, packt Geiger mit 22 Jahren der Pioniergeist: „Ich wollte die Welt sehen und nicht versumpfen“, so Ted, wie sie ihn in den Staaten nennen. Zunächst aber ging es mit seinem Freund Franz Scholl aus München nur nach Köln zum Arbeiten. Ihre nächsten Stationen waren dann England und Schottland. „Dort animierten uns zwei Australierinnen, wir sollten doch ihren Kontinent kennenlernen. Zurück in Bremen erkundigten wir uns, was eine Reise nach Australien kosten würde.“

Damit sie billiger wurde, verpflichteten sich beide für einen zweijährigen Arbeitsaufenthalt. „Mit 25 Jahren verließ ich dann endgültig Deutschland“, erzählt Geiger. „Nach fünf Wochen auf hoher See gelangten wir nach Sidney, wo wir gleich einen Job bekamen. Aber selbst dort traf ich einen Schulfreund aus der Heimat, den Hans Gerold. ‚Ja wo kommst du denn her?’, fragte er völlig verwundert. Ich sagte nur: ‚von dahoam’“. Bei ihrer Tour durch den fünften Kontinent stießen sie ganz oben im Norden auf einen Unternehmer aus Holzkirchen, für den sie einige Zeit arbeiteten.

„Nach den zwei Jahren in Australien fuhren wir weiter nach Japan und Hongkong.“ Dort erreichte ihn 1964 die Nachricht seiner Schwester Kathi, er solle doch nach New York kommen, dort gebe es für ihn einen Job bei der Weltausstellung. „Ich kümmerte mich dort um die vier Rösser der Löwenbrauerei aus München. Selbst ein bayerischer Biergarten und ein original Brauereiwagen wurden nach New York verschifft.

Brauereirösser und Biergarten in New York

Nach der Weltausstellung wurden die Rösser an den Meister-Bräu in Chicago verkauft. Doch der Besitzer wollte ein Sechser-Gespann. Ich besorgte ihm die Kaltblüter aus Bayern und bekam damit eine Anstellung in der Brauerei. So bin ich hängengeblieben“, erzählt Geiger. Nachdem die Brauerei 1970 Pleite ging, machte er bei einer anderen Firma in Illinois direkt am Lake Michigan mit Holzarbeiten weiter.

Ted Geiger mit seiner Schwester Kathi 1955, das Duo Geiger
Ted Geiger mit seiner Schwester Kathi 1955: das Duo Geiger

„Mit dem Tegernsee ist der nicht vergleichbar. Der Lake Michigan ist 500 Kilometer lang und 190 Kilometer breit und weitaus größer als die Schweiz. Doch wenn ich meinen Freunden hier Bilder vom Tegernsee zeige, dann fragen sie, warum ich gekommen bin“, erzählt der ehemalige Rottacher lachend. „Meine Frau Hildegard, geboren im Chiemgau, lernte ich hier in den Staaten kennen, als ich mit ihrem Vater zusammenarbeitete.“

Zum Klassentreffen komme er alle paar Jahre wieder in die alte Heimat zurück. „Oft trafen wir uns bei Karl Bachmair, dem einst das Hotel an der Weissach gehörte. Vor sechs Jahren war ich zuletzt in Rottach, da saßen wir in den Gsotthaber Stuben zusammen. Nächstes Jahr will ich wiederkommen“, hofft Geiger. Bis dahin will er sich ständig mit der Tegernseer Stimme auf dem Laufenden halten. Von der Umgestaltung der Gsotthaber Stuben und dem Pächterwechsel wusste er bereits im fernen Bundesstaat Illinois.


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