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Immer das Kreuz mit der Kreuzstraße – Ein Tunnel als Lösung für die talweiten Staus?

Von Peter Posztos

Ergänzung vom 01. Juli / 17:47 Uhr
Was jeder weiß, soll jetzt ein Expertengutachten bestätigen. Die Verkehrssituation an einigen Brennpunkten im Tegernseer Tal ist angespannt. Kilometerlange Staus sind die Folge. Zu den Dauerbrennern gehört beispielsweise die etwas vorgelagerte Kreuzstraße in Gmund wie auch der Gmunder Stachus.

Dabei soll das Gutachten, dass laut aktuellem Bericht des Merkurs von den fünf Tal-Bürgermeistern gefordert wird, auch mögliche Lösungen für die Verkehrsprobleme aufzeigen.

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Rottach`s Bürgermeister Franz Hafner zeigt sich jedoch skeptisch. Im Gespräch mit der Tegernseer Stimme macht Hafner klar, dass seiner Meinung nach nur ein Tunnel die endgültige Entlastung bringen kann.

Bürgermeister Franz Hafner ist nicht überzeugt...

Tegernseer Stimme: Hallo Herr Hafner, Sie haben ja zusammen mit ihren vier Bürgermeisterkollegen ein Expertengutachten beim Landkreis gefordert. Wie sehen Sie die Erfolgswahrscheinlichkeit eines solchen Gutachtens?

Hafner: Wenn ich ehrlich bin, sehe ich darin eigentlich keinen sehr großen Sinn. Obwohl ich natürlich hoffe, dass wir möglicherweise neue Erkenntnisse gewinnen.

Was müsste denn ihrer Meinung nach passieren, damit sich die Verkehrssituation verbessert und die langen Staus am Tegernsee und vor allem an den bekannten Brennpunkten weniger werden?

Hafner: Ich beschäftigte mich mittlerweile seit über 20 Jahren mit dem Thema. Und ich komme immer wieder auf den Uraltplan einer Untertunnelung des Tals zurück.

Sie meinen einen Tunnel, der die Autos vor Gmund in den Untergrund bringt und dann über Ausfahrten zu den jeweiligen Gemeinden befördert?

Hafner: So oder so ähnlich. Auf alle Fälle wäre das meine favorisierte Lösung. Alles andere bringt immer nur punktuelle Entlastung in einer einzelnen Gemeinde. Oft auf Kosten irgendeiner anderen Gemeinde. Warum es in Österreich möglich ist und bei uns nicht, verstehe ich einfach nicht. Dabei brauchen wir ein talweites Konzept, von dem alle profitieren.

Glauben Sie dass eine Tunnellösung von den Bürgern nicht akzeptiert wird. Oder ist es eine politische Entscheidung, das nicht anzugehen.

Hafner: Das ist eine ganz klar landespolitische Entscheidung. Bereits vor 20 Jahren hieß es, “das wird nie was.” Und die Einschätzung hat sich bei den Verantwortlichen nicht geändert. Der Grund liegt meines Erachtens bei den hohen Kosten, die damit verbunden wären.

Und wie wäre es mit einer Umfahrungsstraße?

Hafner: Umfahrung über was? Die Schwarze Tenn? Ich denke die Zeiten sind vorbei, dass man sich einfach über ökologische Bedenken hinweggesetzt hat. Und das ist auch gut so.

Herr Hafner, vielen Dank für das Gespräch.

Ursprünglicher Artikel vom 14. Januar:
Die häufigen Stauzeiten an den Verkehrsknotenpunkten im Tegernseer Tal haben uns veranlasst, die Verkehrssteuerung im Tal genauer unter die Lupe zu nehmen. Zu viele Fragen drängen sich auf, auf die wir nach einer Antwort suchen. Warum kommt es so oft zu Staus? Warum kollabiert regelmäßig der Verkehr am See? Kann man da was machen oder ist das “einfach so”?

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Wie funktioniert eine Ampel?

Aber zuerst eine kurze Definition. Was ist eine Ampel und wie sollte sie im Optimalfall funktionieren?

Ampeln sind Lichtzeichenanlagen (LZA’s), die den Verkehr ordnen, steuern und sichern sollen. So ähnlich erklärt es Wikipedia. Funktioniert alles optimal, bleibt der Verkehrsstrom flüssig und die Umwelt wird entlastet. Steht ein Auto im Stau, verbraucht es das zwei- bis vierfache an Sprit, stößt also auch das zwei- bis vierfache an Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Feinstaub aus.
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Warum sind lange Wartezeiten eigentlich so schlimm?

Infolge von hohem Verkehrsfluss und der individuellen Fahrweise der Verkehrsteilnehmer gibt es eine Dynamik im Verkehr, die kaum vorausschauend erkannt werden kann. Staus mit häufig langen Wartezeiten und den entsprechenden wirtschaftlichen Folgekosten entstehen. Bei 1 Kilometer Staulänge und 800 Fahrzeugen pro Stunde wird circa 50 Kilo Benzin mehr verbraucht. Das entspricht 66 Liter Benzin. Damit betragen die Mehremissionen bei Kohlendioxid 150 Kilo, Kohlenmonoxid 11 Kilo und Stickoxide 0,5 Kilo. Hinzu kommen Belastungen durch Lärm sowie Stress durch lange Wartezeiten.

Bei den folgenden Fragen zu Ampeln, Kreuzstraße und der Lösung des Problems konnten wir auf die Erfahrung des Gmunder Verkehrsexperten Anton Grafwallner zurückgreifen.

Was macht eine intelligente Ampel aus?

Unterschiedliche Betriebsarten, verschiedene Betriebszeiten und spezielle Ablaufprogramme sollen einen angemessenen Verkehrsfluss ermöglichen. Folgende Betriebsarten gibt es:

1. Lichtzeichenanlagen, bei denen sich die Programme in festgelegter Folge wiederholen und vom Verkehrsaufkommen nicht beeinflusst werden. Beispielsweise Fußgängerampeln in Tegernsee: Nur die Fußgänger können ihre Grünzeit anfordern, sonst bleibt alles starr.

2. Anlagen, die verkehrsabhängig arbeiten. Hier passen sich die Programme dem jeweiligen Verkehrsaufkommen an. Die Länge der einzelnen Phasen sind in einem Signalzeitenplan festgelegt oder werden verkehrsabhängig gesetzt. In den Zeitfenstern zwischen den Grünzeiten müssen die kritischen Verkehrsflächen geräumt werden. Diese Zeiten heißen Zwischenzeiten und werden nach den Räumwegen, Einfahrwegen und Geschwindigkeiten berechnet.

Warum kommt es eigentlich so oft zu Staus?

Ampeln stellen ein komplexes System dar, welches den Alltagsbedingungen standhalten muss. Auf die Verkehrslage optimiert werden sie bei uns vom Straßenbauamt in Rosenheim, in Absprache mit der Polizei und Landratsamt. Aufgrund von falschen Einstellungen können die Ampeln jedoch in ihrer Funktionsweise eingeschränkt sein. Werden Fahrzeuge an Knotenpunkten nicht optimal gelenkt, kommt es zu Staus.

Warum kommen an der Kreuzstraße immer so wenige Fahrzeuge durch?

Eine verkehrsabhängige Ampelanlage an der Kreuzstraße regelt den Verkehr aus und zum Tal. Das SOLLTE sie jedenfalls. Vor einigen Jahren wurde die Ampelanlage auf einen sogenannten Vier-Phasen-Betrieb umgestellt, damit auch Abbieger abbiegen können. Dieser wirkt sich jedoch real leistungsmindernd aus. Es kommen pro Stunde 200 Fahrzeuge weniger durch. Die Behörden berufen sich auf die Verkehrssicherheit.

Links abbiegen kann keiner, weil keiner da ist. Grün ist trotzdem. Und der Gegenverkehr wartet - sehr lange.

Die Bundesstraße von Holzkirchen ins Tegernseer Tal ist durchschnittlich mit täglich rund 18.000 Fahrzeugen belastet. An schönen Tagen können es auch mal an die 26.000 werden. Wenn die nicht richtig gesteuert werden, ist es nachvollziehbar, dass es regelmäßig zu Staus kommt.

Der Gmunder Verkehrsexperte Anton Grafwallner erläutert die Berechnung folgendermaßen:

1 Fahrzeug braucht rund 2 Sekunden, um eine Kreuzung zu räumen. 1 Stunde hat 60 Minuten oder 3.600 Sekunden. Wenn also 1 Fahrzeug 2 Sekunden braucht, um die Kreuzung zu räumen, kann man im freien Fluss 1.800 Fahrzeuge maximal pro Stunde schaffen.

Wie wird der Verkehr noch gelenkt?

Die Verkehrssteuerung an der Kreuzstraße bedient sich außerdem zusätzlicher Abbiegesignale, die das Abbiegen sicherer machen sollen. Es gibt Linksabbiegepfeile und solche mit sogenanntem Diagonalgrün. Das Diagonalgrün, das auch an der Kreuzstraße eingesetzt wird, dient als Signal, um wartenden Linksabbiegern bei Rot für den Gegenverkehr ein Abfließen aus dem Kreuzungsbereich zu ermöglichen.

Warum haben die Linksabbieger an der Kreuzstraße eigentlich Grün, obwohl da gar keiner steht?

Gegen Linksabbieger ist grundsätzlich nichts einzuwenden, dann müsste sie jedoch so eingestellt sein, dass sie nahende Fahrzeuge fehlerfrei erkennt. Sind keine Fahrzeuge vorhanden, sollte der feindliche Verkehr fahren dürfen. Das vermeidet unnötige Verlustzeiten und vermindert Stau. Genau das ist an der Kreuzstraße jedoch mehr als suboptimal gelöst.

Wer beobachtet den Verkehr?

An den Ampeln sind Verkehrsdetektoren (Induktionsschleifen in der Fahrbahnoberfläche, Bewegungsmeldern, Videokameras) angebracht, die tageszeitabhängig aufzeichnen, welches Auto wo steht, wie lange und wohin es fährt. Werden zähfliesender Verkehr oder Stauungen erkannt, dann sollte die Steuerung sich nach den Vorgaben eines erfahrenen Verkehrsingenieuers schalten. Man nennt das Staumagenement. Leider fehlt das an dieser Anlage komplett.

Der Knotenpunkt Kreuzstraße in Richtung Gmund mit regelmäßig Stau- und Nervpotential

Können Ampeln auch im Tegernseer Tal zusammenarbeiten?

Ja, das ist auch hier möglich. Entweder in Form von grünen Wellen oder durch Kommunikation verschiedener Anlagen. Beispielweise zwischen der Anlage Kreuzstraße und Gmund (Am Gmunder Berg beim „Straßer“). Da ist eine sogenannte Stauschleife verlegt. Wenn also dort Stau erkannt wird, sollte diese an die Kreuzstraße gemeldet werden und dort ein genau spezifiziertes Drosselprogramm für 3-4 Umläufe geschaltet werden. Eine Grüne Welle ist hier unsinnig.

Warum stehe ich also an der Kreuzstraße „umsonst“ im Stau?

Weil sie nicht professionell geplant und programmiert wurde und die Fachbehörden die fehlerhafte Steuerung so akzeptieren. Achten Sie einfach mal drauf. Egal woher sie kommen, das Problem sind unsinnige Grünphasen auch wenn keiner diese Phase nutzen kann, weil niemand da ist.

Im Endeffekt gibt es drei Szenarios:
1. Von Miesbach kommender Linksabbieger Richtung Tegernsee:
Müsste so programmiert werden, dass es kein Grün gibt, wenn kein Auto wartet. Der Verkehrsfluss auf der Tangente Holzkirchen – Tegernsee bliebe flüssig, da diese dann länger Grün hätten.

2. Von München kommender Linksabbieger Richtung Miesbach:
Müsste so programmiert werden, dass es kein Grün gibt, wenn kein Auto wartet. Der Verkehrsfluss aus dem Tegernseer Tal bliebe flüssig, da diese dann länger Grün hätten.

3. Vom Tegernseer Tal kommend Richtung München/Bad Tölz:
Unsinnige Ampelschaltung zeigt Grün und kein Auto ist da.

Alle haben Grün, nur nicht die, die es brauchen.....

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