Sind Hotelschließungen eine Gefahr für Tegernsees Tourismus?

Von Leerstand, Schandflecken und Visionen

Aus für’s Bastenhaus. Kein a-ja-Hotel. Guggemos und Schandl stehen leer. Allein das Almdorf scheint jetzt doch endlich realisierbar. Sind das die berühmten ersten Anzeichen für ein Hotelsterben in Tegernsee?

Super-Lage am See, aber leider ein Schandfleck: das ehemalige Hotel Guggemos
Super-Lage am See, aber leider ein Schandfleck

Berge und See. Mehr Sonne als die Nachbargemeinden. Urbayrische Gemütlichkeit trifft auf gehobenen Anspruch. Das sind die Vorzüge, mit denen die Stadt Tegernsee seit Jahrzehnten Tausende Urlauber zu sich in den Ort zieht. Es ist ein Erfolgskonzept – allerdings auch eines, das sich nicht ohne Weiteres bis auf alle Ewigkeiten konservieren lässt. Das zumindest könnte eine Schlussfolgerung sein, schaut man sich die aktuellen Entwicklungen in der Tegernseer Hotellandschaft etwas genauer an.

Auf der Minus-Seite: jahrelanger Still- und Leerstand beim ehemaligen Hotel Guggemos, die Schließung des Gasthofs und Pensionsbetriebs Schandl, der anstehende Umbau des Hotels Bastenhaus zur Flüchtlingsunterkunft, die Nicht-Verwirklichung des mittelpreisigen a-ja-Hotels in Tegernsee Süd. In der Summe sind das vier stagnierende Bauprojekte. Fehlende Investitionen in die bestehende Bausubstanz haben einigen der Immobilien mitunter stark zugesetzt. Dabei ist das Potenzial eindeutig vorhanden: Bei zwei Grundstücken handelt es sich um sogenannte Filetstücke mit Zugang zum See.

“Es handelt sich um normale Schwankungen”

Von einer bedenklichen Situation für seinen Ort will Tegernsees Erster Bürgermeister Johannes Hagn dennoch nicht reden. Sein Standpunkt: „Die Entwicklung ist nicht schön, aber auch nicht negativ. Trotz der Schließungen und Veränderungen haben wir immer noch ausreichend Hotels im Ort.“

Unterstützung erhält Hagn von Stephan Köhl, Geschäftsführer Tourismus Tegernseer Tal (TTT). Dieser räumt zwar einen Rückgang bei der Bettenzahl ein, macht aber gleichzeitig darauf aufmerksam, dass die Stadt Tegernsee eine Steigerung der Übernachtungszahlen verzeichnen könne. Die Gefahr vor einer Negativ-Entwicklung sei nicht gegeben. Denn: „Aus unserer Sicht handelt es sich dabei um normale Schwankungen, die jede touristische Region erlebt. Die Situation vor Ort stellt sich durchaus positiv dar: Nicht nur die Eröffnung des Café Aran und die Renovierung des Stieler Hauses, sondern auch der Zusammenschluss von regionalen Produzenten in den Tegernsee Arkaden im vergangenen Jahr wirken sich positiv auf das Ortsbild aus.“

“Wenn ein Hotel schließt, öffnet ein anderes.”

Dass mit den Schließungen von Schandl, Guggemos und Bastenhaus zu viele Hotels aus dem mittleren Preissegment betroffen sind, sei seiner Meinung nach ebenfalls nicht besorgniserregend. Hier sprächen die Zahlen eine andere Sprache: „Die Stadt Tegernsee liegt mit einem Plus von 7,94 Prozent bei Gästeankünften und einem Plus von 2,4 Prozent bei Übernachtungen an zweiter Stelle der Talgemeinden und über dem Tal-Durchschnitt“, so Köhl weiter.

Zudem verweisen TTT-Chef als auch Bürgermeister darauf, dass sich einige Hotelprojekte in Tegernsee „aktuell im Werden“ befänden. „Grundsätzlich kann man sagen: Wenn ein Hotel schließt, öffnet ein anderes“, sagt Johannes Hagn.

Ab Sommer fällt das Bastenhaus als mittelpreisiges Hotel weg. Es wird eine Flüchtlingsuntrekunft.
Ab Sommer fällt das Bastenhaus als mittelpreisiges Hotel weg. Es wird eine Flüchtlingsunterkunft.

Im Falle der Umnutzung des Bastenhauses habe er beispielsweise die Vermutung, dass die Schließung eine Chance für das Fackler sein könnte, das für Sommer 2016 seine Wiedereröffnung plane. Und auch mit der viel diskutierten „Niere“ auf dem ehemaligen Krankenhausareal stehe ein weiteres Bauprojekt in den Startlöchern. Noch ist allerdings nicht bekannt, ob dort in Zukunft ein für alle Urlauber geöffneter Hotelbetrieb aufgenommen werde.

Auf Investorenseite war bislang zu vernehmen, dass in dem Neubau Pflegebedürftige und deren Angehörigen erholsame Tage verbringen sollen. Das sei jedoch noch nicht in Stein gemeißelt, sagt Hagn. Er betont, dass es sich lediglich um Überlegungen handle. „Angesichts der Hotelentwicklung ist es gut möglich, dass der Investor seine Meinung vielleicht noch ändern wird. Ein Betreiberkonzept liegt uns zudem auch noch gar nicht vor.” Erfreuliche Nachrichten gab es in diesen Tagen auch vom Almdorf-Projekt am Fuß der Neureuth. Hier gebe es nun endlich einen Investor und sogar schon einen Betreiber. Hier darf also gehofft werden.

Wiessee: Strahlkraft für das gesamte Tal

Modernisierungen und infrastrukturelle Veränderungen – Das sind übrigens Themen, die nicht nur die Stadt Tegernsee betreffen. Entscheidende Zukunfsweichen werden gegenwärtig in Bad Wiessee gestellt. Die Verschönerung des Lindenplatzes sowie der Umbau des Jodschwefelbads sind zwei Projekte, mit denen die Gemeinde verstärkt Touristen in den Ort holen will. Dass sich diese Umstrukturierung und Neuaufstellung Bad Wiessees nachteilig auf Tegernsee auswirken könnte, sei laut TTT-Geschäftsführer nicht erkennbar: „Davon, dass Tegernsee abgehängt wird, können wir aus Tourismusverbandsicht nicht sprechen.“

Zudem sei Bad Wiessee kein Mitbewerber. „Wir sind von der positiven Strahlkraft für das gesamte Tal überzeugt. Letztendlich profitiert auch die Stadt Tegernsee von den Bauprojekten rund um den See.“

“Es gibt keinen Anspruch auf Seeblick.”

Man sei auf einem guten Weg, bestätigt Johannes Hagn. Einen Schandfleck an der Hauptstraße räumt er allerdings ein. „Das Guggemos ist keine Augenweide.“ Er bedauert, dass es Ortsauswärtigen bei ihrer Einreise direkt in die Augen steche. „Leider haben wir in Tegernsee nun mal diese schmale Straße am Ufer.“ Die künftige Umnutzung des Bastenhauses bilde dagegen kein optisches Problem. Hier stehe das soziale Wohlergehen im Vordergrund:

Als Stadt haben wir dort die Möglichkeit, uns um 60 Menschen zu kümmern, die dann nicht ihre Zeit im Lesesaal tot schlagen müssen.

Urlaubern wie Talbewohnern, die sich vielleicht an der Tatsache stören könnten, dass das Hotel ab Sommer von Flüchtlingen bewohnt wird, könne er nur eines mitteilen: „Außerhalb des eigenen Grundstücks hat niemand Vorrechte. Genauso, wie dass es generell keinen Anspruch auf freien Seeblick gibt.“

Gemüsehändler, die frisches Obst nach Hause liefern, Restaurants, die Tagesgerichte durch offene Fenster verkaufen: Unternehmen im Oberland werden erfinderisch im Überlebenskampf gegen die Corona-Krise. Nur müssen die Menschen im Tegernseer Tal und darüberhinaus auch von diesem Erfindungsreichtum erfahren.

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Martina von Dall`Armi E-Mail martina@tegernseerstimme.de Tel 08022 / 509 21 20

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