Waakirchner VHS „begraben“

von Nicole Kleim

Die Leiterin der Waakirchner Volkshochschule Hannelore Stuber hört nach 25 Jahren auf. Eine Nachfolgerin wird es nicht geben. Denn der Gemeinderat traf eine Entscheidung, die die Leiterin schockierte.

Der Waakirchner Gemeinderat entschied in der vergangenen Sitzung über die Zukunft der VHS.

Seit 1963 besteht die Waakirchner Volkshochschule. Das Angebot reicht von Sprachkursen über Wellnessprogramme, Tanzkurse, Studienreisen oder Kulturfahrten nach München. Im Januar feierte die Leiterin der Volkshochschule, Hannelore Stuber, ihren 65. Geburtstag. Jetzt hat sie ihre Altersgrenze erreicht und hört nach 25 Jahren auf. Ende Juni geht sie offiziell in Rente, arbeiten wird sie aber nur noch bis Ende April.

Der Gemeinderat nahm ihr Ausscheiden zum Anlass, über die Institution Volkshochschule in Waakirchen zu diskutieren und entschied sich schließlich dafür, die Bildungseinrichtung zu begraben. Folglich wird es keine Nachfolgerin für Hannelore Stuber geben. Neben dem Bürgermeister stimmten am Ende nur Günther Schmöller (FWG) und Georg Rausch (CSU) für den Fortbestand der Volkshochschule, der Rest stimmte dagegen.

Erhalt oder Auflösung?

Vor der Abstimmung erklärte Bürgermeister Josef Hartl (FWG) seinen Gemeinderatsmitgliedern jedoch, es gebe schon eine Nachfolge-Kandidatin, die in der Zeit von Februar bis Mai zunächst auf Minijob-Basis und später 20 Stunden pro Woche arbeiten werde. Er gab aber zu Bedenken, dass es vielleicht besser wäre, den Posten überhaupt nicht mehr zu besetzen, und die Volkshochschule demzufolge auch nicht mehr weiterzuführen.

Sollte die VHS allerdings bestehen bleiben, müsse man in ein neues Büro investieren. Fraglich sei, ob sich dies überhaupt rentiere. Hartl selbst plädierte vehement dafür, die Volkshochschule zu erhalten. „Klar, wir sind eine kleine Volkshochschule mit Erwachsenenbildung“, sagte er, aber immerhin haben im Jahr 2015 ingesamt 1826 Teilnehmer an 128 Veranstaltungen teilgenommen.

Mageres Programm, wenig Teilnehmer

Der Rückentrainingskurs, der Zumba-Kurs für Kinder, der Musikunterricht sowie die Reisevorträge würden gut laufen, so Hartl. Auch bei den Theaterfahrten würden im Schnitt 35 Personen mitfahren. Highlight sei auch immer der Musikunterricht gewesen – auf zwölf verschiedenen Instrumenten. Gisela Hölscher (FWG) bedankte sich für die „schöne Statistik“, ließ aber nicht unerwähnt, dass „die Zahlen schrumpfen würden“. Und mit dieser geringen Anzahl an Teilnehmern sei die VHS zu wenig ausgelastet. Sorge bereite ihr das Sportprogramm und besonders der Musikunterricht für Kinder, wenn es zu einer Auflösung der VHS käme:

Das kulturelle Angebot könnte woanders stattfinden – aber der Rest?

Man sei regelrecht in Bedrängnis durch andere Musikschulen, sagt sie und fügt hinzu: „In Tegernsee würden sie uns mit Handkuss aufnehmen.“ Der Unterricht wäre sogar in den Waakirchner Räumen möglich. Lediglich ein Gastschulbeitrag müsste von der Gemeinde übernommen werden. Hölscher sprach sich für ein „sanftes Ende“ der Volkshochschule aus. „Es muss ja nicht für immer sein.“

Aus Rentabilität – eine Kreisvolkshochschule?

Das sah der Bürgermeister anders: „Wenn’s begraben ist, ist’s begraben. Und wenn wir sie auflösen, kommt kein Mensch mehr. Dann gibt’s auch keine Theaterfahrten mehr.“ Das Argument ließ Gwenn Kalch (SPD) nicht gelten: „Die Firma Wedam bietet auch Omnibusfahrten an.“ Sie kann sich mit dem Weiterbestand der VHS nicht anfreunden:

Zum Erhalt der Volkshochschule standen Beträge von 40.000 Euro im Raum – für Heiz- und Sachkosten.

Sie wolle zwar die alten Leute nicht beschneiden, „aber das Programm ist wirklich mehr als mager.“ Und die Englischkurse für Anfänger könne man nach Holzkirchen verlegen. Das bestätigte auch Günther Jeske (FWG). Weil in Waakirchen nur Englischunterricht für Anfänger geboten werde, besuche er einen Kurs in Bad Tölz.

Einzig die Volkshochschule in Hausham sei rentabel und erreiche Doppelstunden, sagte er. Deshalb überlege man schon lange, die Volkshochschulen zusammenzuschließen und eine Kreisvolkshochschule zu gründen. Nach einigem Hin und Her entschieden sich drei Gemeinderatsmitglieder inklusive Bürgermeister für den Fortbestand der Volkshochschule, der Rest stimmte dagegen.

Doch rentabel?

Der Gemeinderatsbeschluss sei für Hannelore Stuber “ein Schock” gewesen, wie sie drei Tage später auf Nachfrage erklärte. Insgesamt sei die VHS sehr gut gelaufen und stehe auch “geldlich” gut da. Bei Auflösung der VHS habe vor allem die Bevölkerung von Waakirchen keine Angebote mehr vor Ort, sagt sie. Gerade im Winterhalbjahr, wenn die Wetterbedingungen nicht so optimal seien, würden die Kursteilnehmer nun viele Kilometer weiter fahren müssen.

Obwohl einige Kurse eventuell vom Sportverein übernommen werden, fügt sie hinzu, werde sie andere nach Bad Wiessee verlegen.

Dennoch bleiben viele Kurse übrig, die jetzt leider ausfallen müssen. Da ich aber weiterhin als pädagogische Mitarbeiterin in der vhs im Tegernseer Tal tätig sein werde, ist die Durchführung von Theaterfahrten und Studienreisen nun über Tegernsee weiterhin gesichert.

Hannelore Stuber arbeitet noch bis Ende April als Leiterin der Waakirchner Volkshochschule, ist aber danach als pädagogische Mitarbeiterin in der VHS im Tegernseer Tal weiterhin tätig.


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